Klischees bei Spielzeug brechen Lego macht keinen Unterschied mehr zwischen Jungen und Mädchen

Lego will sein Spielzeug frei von Geschlechter-Stereotypen machen. Produkte sollen nicht mehr speziell nach Jungen oder Mädchen sortiert werden. Als Problem gelten eher die Eltern als die Kinder.
Neunjähriger mit Legos

Neunjähriger mit Legos

Foto: Matthew Lloyd / Getty Images

Passend zum Internationalen Mädchentag verkündet Lego eine Strategie zum Aufbrechen von Geschlechter-Stereotypen. »Wir arbeiten hart daran, Lego inklusiver zu machen«, sagte Produktmanagerin Julia Goldin.

Lego kennzeichnet demnach keines seiner Produkte mehr als »für Mädchen« oder »für Jungen«. Auf der Webseite des Spielwarenherstellers können Verbraucher die Produkte nicht nach Geschlecht suchen. Stattdessen sind diese unter anderem nach Alter, Interessen oder Themengebieten geordnet.

»Wir testen alles an Jungen und Mädchen und beziehen mehr weibliche Vorbilder ein«, beschreibt Goldin die Strategie .

Lego verweist auf eine vom Unternehmen in Auftrag gegebene Studie, wonach die Einstellungen zum Spielen und zu künftigen Berufen nach wie vor von Geschlechterklischees gekennzeichnet sind.

Jungs trauen sich nicht ans Mädchenspielzeug

Dabei geht es nicht nur darum, dass Mädchen in bestimmte Klischees gedrängt werden. Auch Jungen leiden demnach unter Stereotypen. Die Forscher fanden heraus, dass Mädchen zwar selbstbewusster werden, für Jungen gelte dasselbe aber nicht.

71 Prozent der befragten Jungen befürchteten, dass man sich über sie lustig machen würde, wenn sie mit »Mädchenspielzeug« spielten. Eine Befürchtung, die laut der Studie auch von ihren Eltern geteilt wurde.

»Eltern machen sich mehr Sorgen, dass ihre Söhne gehänselt werden als ihre Töchter, wenn sie mit Spielzeug spielen, das mit dem anderen Geschlecht assoziiert wird«, sagte Madeline Di Nonno, Geschäftsführerin des Geena Davis Institute on Gender in Media, das die Studie durchgeführt hat. Befragt wurden fast 7000 Eltern und Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren aus China, der Tschechischen Republik, Japan, Polen, Russland, dem Vereinigten Königreich und den USA.

Noch immer würden Verhaltensweisen, die mit Männern assoziiert werden, in der Gesellschaft höher bewertet, sagte Di Nonno. Laut der Studie ermuntern Eltern ihre Söhne eher zu sportlichen Aktivitäten, während Töchter zum Tanzen und Verkleiden oder zum Backen animiert wurden.

Lego-Managerin Goldin sagte, das Unternehmen wolle Jungen und Mädchen ermutigen, mit Sets zu spielen, die traditionell als »nicht für sie« angesehen werden.

Lego dürfte mit seinem Engagement aber nicht nur gesellschaftspolitische Zwecke im Sinn haben. Das Unternehmen hat Mädchen als Zielgruppe im Blick – und sieht hier vor allem Nachholbedarf bei den Eltern. Im Rahmen der Befragung gaben 76 Prozent der Eltern an, dass sie einen Sohn zum Spielen mit Lego ermutigen würden. Nur 24 Prozent der befragten Eltern würden dies demnach auch einer Tochter empfehlen.

Bereits im Frühjahr machte Lego mit einem Spielfiguren-Set in Regenbogenfarben Schlagzeilen. Den Figuren wurde nicht wie sonst bei Lego meist üblich ein bestimmtes Geschlecht zugeordnet. Das Set ist der »LGBTQIA+-Community« gewidmet.

mmq
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