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Kaputte US-Investmentbank: Die lange Pleite von Lehman Brothers

Foto: © Toru Hanai / Reuters/ REUTERS

Kaputte US-Investmentbank Was wurde aus Lehman Brothers?

Es war der Auftakt der globalen Finanzkrise: Im September 2008 ging die US-Investmentbank Lehman Brothers unter. Das Konkursverfahren läuft immer noch, während Ex-Boss Dick Fuld abgetaucht ist - und von seinen Millionen lebt.

1271 Avenue of the Americas ist eine der besten Adressen Manhattans. Der Wolkenkratzer gegenüber der Radio City Music Hall, als Time-Life Building bekannt, ist Sitz namhafter Magazine ("Time", "People", "Fortune"). In der Lobby prangen monumentale Fresken, vor der Tür plätschert ein Brunnen, an dem 1961 schon Audrey Hepburn im Film "Frühstück bei Tiffany" saß.

Im 40. Stock aber residiert ein gar nicht mehr feiner Name: Lehman Brothers. Hier finden sich die Überreste der einst ruhmreichen US-Investmentbank, deren Untergang am 15. September 2008 den Höhepunkt der globalen Finanzkrise markierte. Mit 613 Milliarden Dollar Schulden war der Lehman-Zusammenbruch die erste Pleite der Krise - und bleibt bis heute die größte in der Geschichte der Wall Street.

Sechs Jahre später sind die Juristen immer noch dabei, die Konkursmasse zu verscherbeln, um die Gläubiger auszuzahlen.

Aus und vorbei: New Yorker Lehman-Angestellte räumen ihre Arbeitsplätze

Aus und vorbei: New Yorker Lehman-Angestellte räumen ihre Arbeitsplätze

Foto: Louis Lanzano/ ASSOCIATED PRESS

Lehmans Broker-Abteilung ging an die britische Großbank Barclays, die auch Lehmans Zentrale am Times Square übernahm. Der Rest wird seither im Insolvenzverfahren abgewickelt. Die 110.000 gegen Zahlungsausfall versicherten Top-Gläubiger haben ihre Einlagen im Wert von insgesamt 105 Milliarden Dollar bereits komplett zurückbekommen. Andere mussten sich mit gerade mal 17 Prozent ihrer Forderungen begnügen. Einige müssen weiter warten, fast sechs Milliarden Dollar waren Anfang September noch nicht angewiesen.

Derweil überlebten manche Top-Banker aus anderen Geldhäusern die Krise, hielten sich sogar im Chefsessel, als stramme Helden gefeiert, etwa Lloyd Blankfein (Goldman Sachs) und Jamie Dimon (JP Morgan Chase). Anders erging es Lehmans letztem Vorstandschef Richard Fuld, genannt Dick, der die Bank direkt ins Verderben getrieben hatte.

Wegen seiner rüden, kaltschnäuzigen Art als "Gorilla der Wall Street" verrufen, sah sich Fuld zum Paria degradiert. Keiner wollte mehr etwas mit ihm zu tun haben. Er wurde mit Klagen überzogen, von Kunden wie Kollegen. Der US-Kongress nahm ihn öffentlich auseinander und erklärte ihn zum schlimmsten "Schurken" der Krise.

Ex-Lehman-Chef Fuld (im Oktober 2008): Bis heute keine Reue

Ex-Lehman-Chef Fuld (im Oktober 2008): Bis heute keine Reue

Foto: JONATHAN ERNST/ Reuters

Fuld tauchte ab - und bleibt bis heute auf Tauchstation. Ab und zu wagt sich der 67-Jährige zwar auf Wohltätigkeitsgalas, bei denen ihm die anderen Gäste aber meist diskret aus dem Weg gehen. Er gründete eine Beratungsfirma, fand jedoch kaum Aufträge. Sein prominentester Klient, der Telekommunikationskonzern AT&T, löste den Vertrag Ende 2011 auf, nachdem seine Übernahmepläne für T-Mobile gescheitert waren.

Fuld ist Opfer seiner eigenen Hybris geworden. "Er ist die große griechische Tragödie der Krise", sagte Lehmans Ex-Finanzchef Brad Hintz dem Magazin "Bloomberg Businessweek".

Nicht, dass ihn das finanziell allzu sehr schmerzen dürfte. Bei Lehman hatte er allein in den letzten vier Amtsjahren fast eine halbe Milliarde Dollar verdient. Eine 90-Millionen-Dollar-Strafe, die ihm die Börsenaufsicht SEC aufbrummte, zahlte seine Versicherung.

Sein Penthouse an der Park Avenue ist Fuld für 26 Millionen Dollar mittlerweile losgeworden. Es bleiben in seinem Besitz: eine 19-Millionen-Dollar-Ranch in Idaho, ein 11-Millionen-Dollar-Anwesen in Connecticut und eine 14-Millionen-Dollar-Strandvilla in Florida, die er für zehn Dollar an seine Frau "verkaufte", um sie vor dem Zugriff der Schuldeneintreiber zu schützen.

Manchmal aber, so ist zu hören, greift Fuld zum Telefon, um mit früheren Kollegen zu plauschen und sich auszuweinen. "Hey, wie geht's?", sagt er dann, wie ein einstiger Lehman-Manager dem "Wall Street Journal" berichtete, und: "Macht es dir noch Spaß?"

Was wurde eigentlich aus...

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