Libor-Skandal Ersten Händlern drohen Festnahmen wegen Zinsbetrugs

Der Fahndungsdruck wegen Manipulationen des Referenz-Zinses Libor ist hoch. Ermittler planen laut einem Bericht bereits erste Festnahmen. Die Deutsche Bank diskutiert wegen des Skandals offenbar hohe Rückstellungen.

Broker an der Wall Street: Immer klareres Bild vom Händler-Ring
AP

Broker an der Wall Street: Immer klareres Bild vom Händler-Ring


New York/Frankfurt - Justizbehörden auf beiden Seiten des Atlantiks machen Druck bei den Ermittlungen im Libor-Skandal. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stehen die Ermittler in Europa und den USA vor den ersten Festnahmen von Händlern. Die Strafverfolger bereiteten Anklagen vor, sagten Rechtsanwälte, die einige Beschuldigte vertreten. Sie seien unlängst von Washingtoner Staatsanwälten kontaktiert worden, die ihnen mitgeteilt hätten, dass in den nächsten Wochen Festnahmen bevorstünden.

Auch in Europa hätten die Ermittler ein immer klareres Bild von dem Händler-Ring, der jahrelang den Referenz-Zinssatz Libor manipuliert haben soll. "Mehr als eine Handvoll Händler von verschiedenen Banken sind involviert", sagte eine mit den Untersuchungen vertraute Person. Von offizieller Seite gab es keinen Kommentar.

Weltweit ermitteln die Behörden gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank Chart zeigen und die Schweizer UBS Chart zeigen. Ihnen wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 durch falsche Angaben den Libor verzerrt zu haben.

Der Satz wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den von den Banken gemeldeten Refinanzierungskosten. Er ist Basis für weltweite Finanztransaktionen wie Hypotheken und Derivate im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar.

Der Skandal wird laut einem Bericht des "Handelsblatts" auch die Bilanz der Deutschen Bank belasten. In Vorstand und Aufsichtsrat werde bereits um die Höhe von Rückstellungen gerungen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Es gehe um einen Betrag zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Dollar. Dieser dürfte sich schon im Halbjahresbericht niederschlagen, den Deutschlands größtes Geldinstitut Ende Juli vorlegen will.

Die Chefin der Finanzaufsicht BaFin, Elke König, sprach sich in einem Interview mit dem SPIEGEL für eine Reform des Libor-Satzes aus. Dabei forderte König auch, Banken müssten "für eventuelle Schäden angemessene Rückstellungen" bilden.

dab/Reuters/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Jochen Binikowski 23.07.2012
1.
Wieso Festnahmen von kleinen Angestellten? Haben die Bosse nichts davon gewusst oder gar angeordnet? Wenn das hinter deren Rücken geschehen ist kann die einzige Konsequenz nur Entzug der Banklizenz sein.
Andalusier 23.07.2012
2.
Zitat von Jochen BinikowskiWieso Festnahmen von kleinen Angestellten? Haben die Bosse nichts davon gewusst oder gar angeordnet? Wenn das hinter deren Rücken geschehen ist kann die einzige Konsequenz nur Entzug der Banklizenz sein.
Das alte Schema: Die kleinen Betrüger werden bestraft - die großen Gauner lässt man laufen.
Michael KaiRo 23.07.2012
3.
Zitat von Jochen BinikowskiWieso Festnahmen von kleinen Angestellten? Haben die Bosse nichts davon gewusst oder gar angeordnet? Wenn das hinter deren Rücken geschehen ist kann die einzige Konsequenz nur Entzug der Banklizenz sein.
Das glauben Sie doch nicht wirklich! Aber diesen Satz sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wenn das mal keine direkte Aufforderung zur Flucht ist. Wer es nicht tut, nun, der wird mit großem Tamtam vor Gericht gestellt. Aber nein, die Vorstände wusste ja von gar nix; oder haben Erinnerungslücken.
awtwahl 23.07.2012
4. ohne Konsequenzen tut sich nicht
bei dieses "legalen" Betruegern, wenn nun "einer" von denen zu 471 Millionen Geldstrafe verurteilt werden kann dann frage ich mich: haben diese Gangster Milliarden ? Versteuert, oder was ?
ramy83 23.07.2012
5. optional
" Sie seien unlängst von Washingtoner Staatsanwälten kontaktiert worden, die ihnen mitgeteilt hätten, dass in den nächsten Wochen Festnahmen bevorstünden. " Das ist ja nett von denen, das gibt den Beschuldigten ja genug Zeit abzuhauen und/oder sämtliche Beweise so zurecht zu biegen, dass sie sich aus der Affäre ziehen können. Also ich weiß ja nicht, ich glaube ich bekomme nicht Wochen vor meiner Festnahme bescheid...
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