Libra Deutsche sehen Facebook-Geld kritisch

Facebook als Zentralbank? Die meisten Deutschen sehen die Digitalwährung Libra einer Umfrage zufolge mit Skepsis. Die Auftraggeber vom Verein Finanzwende warnen: "Einmal eingeführt, ließe sich Libra kaum mehr stoppen."

"Warnungen und ein bisschen Regulierung reichen nicht": Facebook-Logos auf einer Konferenz in Kalifornien
JUSTIN SULLIVAN/AFP

"Warnungen und ein bisschen Regulierung reichen nicht": Facebook-Logos auf einer Konferenz in Kalifornien


Facebooks geplante Digitalwährung Libra stößt in der deutschen Bevölkerung auf starke Vorbehalte. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sehen 71 Prozent der Bürger das Projekt skeptisch und nur zwölf Prozent positiv. YouGov hat Anfang Juli im Auftrag des Vereins "Finanzwende" 2093 Erwachsene befragt.

Das weltgrößte Internetnetzwerk mit rund 2,4 Milliarden Nutzern will nächstes Jahr mit Libra starten. Experten trauen dem Konzern aus dem Silicon Valley zu, das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen - weil Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern schneller und günstiger werden dürften.

Libra könnte dann zur Konkurrenz von Leitwährungen wie dem Dollar und Euro werden. Deswegen haben viele Politiker und Notenbanken bereits Bedenken angemeldet. Deutschland, Frankreich und die USA machten zuletzt beim G7-Finanzministertreffen deutlich, dass Facebook in der jetzigen Form nicht auf grünes Licht der Aufsichtsbehörden hoffen kann. Viele Fragen seien offen und müssten dringend geklärt werden.

Am deutlichsten wurde Bundesfinanzminister Olaf Scholz: "Die Herausgabe einer Währung gehört nicht in die Hände eines Privatunternehmens, denn sie ist ein Kernelement staatlicher Souveränität. Der Euro ist und bleibt das einzige gesetzliche Zahlungsmittel im Euroraum." Auch die Bundesbank sieht Libra kritisch und fordert eine Überprüfung.

Der YouGov-Umfrage zufolge haben 64 Prozent der Deutschen Vertrauen in Zentralbanken als Herausgeber von Währungen, aber nur vier Prozent in private Großunternehmen. Zehn Prozent haben in beide gleichermaßen Vertrauen und 22 Prozent machten dazu keine Angaben.

Facebook wolle mit Libra seinen Einfluss ausbauen und auch an die Finanzdaten der Nutzer kommen, sagte Gerhard Schick aus dem Vorstand des Vereins "Finanzwende". Dies sei brandgefährlich. "Libra könnte zunächst einige Jahre sehr nützlich für viele scheinen, aber dann käme das böse Erwachen für die Nutzer und die Gesellschaft insgesamt", so Schick, der früher für die Grünen im Bundestag saß. "Warnungen und ein bisschen Regulierung reichen nicht, es muss nun schnell und konsequent gehandelt werden."

In einer Petition an die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank forderte der Verein ein sofortiges Verbot. "Einmal eingeführt, ließe sich Libra kaum mehr stoppen."

dab/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 23.07.2019
1. Erklär mir das mal einer
So lange mein Gehalt in Euro kommt muß die jemand umtauschen. Kann ja sein daß FB das übernimmt, wie sieht das mit dem Kurs aus? Bitcoin zeigt ja wie man viel Geld verdient - und verliert. Und wenn dann alles in elektrisch umgetauscht ist, wie werde ich das los wenn der Verkäufer Bares will? Das geht alles doch nur wenn Banken mitspielen (oder mit spielen) und wenn die nun nicht mögen?
ptb29 23.07.2019
2. Ich lasse meine Daten nicht bei Facebook
warum sollte ich das mit meinem Geld machen?Nur mal schnell ein paar Gewinne einstreichen wie bei Bitcoins, die dann plötzlich in herben Verlusten enden können?
Leonia Bavariensis 23.07.2019
3. Nächster Schritt ...
... zum Weltmonopolisten. Brauchen wir das wirklich? Einen Erzkapitalisten, der uns einreden möchte, mit seiner (und nur mit seiner Währung) würde die Welt gerechter?
Gedanke 23.07.2019
4. Libra
Zitat von frenchie3So lange mein Gehalt in Euro kommt muß die jemand umtauschen. Kann ja sein daß FB das übernimmt, wie sieht das mit dem Kurs aus? Bitcoin zeigt ja wie man viel Geld verdient - und verliert. Und wenn dann alles in elektrisch umgetauscht ist, wie werde ich das los wenn der Verkäufer Bares will? Das geht alles doch nur wenn Banken mitspielen (oder mit spielen) und wenn die nun nicht mögen?
Wenn Sie per PayPal Libra kaufen und in Ihr Facebook-Profil hochladen um damit etwa online einzukaufen (es mag diverse Gründe geben, Rabatte, angebotene Zahlungsarten, schnelle Abwicklung, etc.) muss Ihre Bank nur die Zahlung per PayPal verarbeiten, Libra ist dann in seinem eigenen Ökosystem aktiv bis Sie es wieder umtauschen wollen (wenn man das denn möchte). Was Sie ab dann mit der Libra anstellen geht völlig an der Bank vorbei, daher wird diese Branche auch gerne etwas nervös bei dem Thema ;-) Die Frage ist eher, wie der Gesetzgeber das ganze so sieht, da aber schon sehr viele Alternativwährungen vorhanden sind (jede größere Stadt hat etwa ihr eigenes Geld für Marketingzwecke) sehe ich da keine grundsätzlichen Bedenken. Die Frage ist, wenn ich etwas online kaufe (oder zumindest online bezahle), warum sollte der Verkäufer Bargeld sehen wollen? Ich denke die Technik wird sich sehr schnell in Richtung bargeldlosem Bezahlen verschieben, hier in DE bekommt man das unter Umständen nur etwas verzerrt mit, andere Länder sind schon deutlich weiter (Bsp. China, Schweden). Vor Ort scheitert es ja auch oft nur an der vorhandenen Technik (oder dass der Ladenbetreiber Kosten sparen möchte und daher etwa keine Kartenzahlung oder ähnliches akzeptiert), theoretisch kann ich per NFC auch jeden Kaugummiautomaten bargeldlos betreiben, macht man hierzulande nur sehr wenig.
AGCH 23.07.2019
5.
Zitat von frenchie3So lange mein Gehalt in Euro kommt muß die jemand umtauschen. Kann ja sein daß FB das übernimmt, wie sieht das mit dem Kurs aus? Bitcoin zeigt ja wie man viel Geld verdient - und verliert. Und wenn dann alles in elektrisch umgetauscht ist, wie werde ich das los wenn der Verkäufer Bares will? Das geht alles doch nur wenn Banken mitspielen (oder mit spielen) und wenn die nun nicht mögen?
Sie kommen doch heute schon grössten Teils ohne Bargeld aus, alles elektronisch. Meine grössten Bedenken wären, mich her Zuckerberg finanziell offenbaren zu müssen, mache ich es mit meinem Privatleben doch schon nicht.
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