Druck auf 40 Konzerne Libyens Regierung droht Siemens und Total mit Rauswurf

Libyen ist reich an Öl - und Schauplatz eines erbitterten Bürgerkriegs. Die von Warlord-Truppen bedrängte Regierung in Tripolis greift nun internationale Konzerne an. Will sie Hilfe aus Europa erpressen?

Regierungstreuer Kämpfer während Kämpfen südlich der Hauptstadt Tripolis
REUTERS

Regierungstreuer Kämpfer während Kämpfen südlich der Hauptstadt Tripolis


In Libyen tobt noch immer ein schwerer Bürgerkrieg, und die Position der Regierung wird in diesem Konflikt schwächer. Auf der Suche nach Unterstützung greift sie nun zu einer ebenso verzweifelten wie zweifelhaften Maßnahme: Um Druck auf die Europäer zu machen, droht die Regierung 40 ausländischen Konzernen mit dem Rauswurf aus dem Land.

Industrieminister Ali Abdelaziz al-Issaui hat eine entsprechende Liste mit den Namen betroffener Firmen veröffentlicht, die von dem sofortigen Stopp der Tätigkeiten betroffen seien. Dazu zählen neben Siemens auch die französische Ölfirma Total. Später ergänzte das Ministerium, dass den Firmen eine Übergangszeit von drei Monaten gegeben werde, um alte Verträge und Lizenzen zu erneuern.

Energieminister Al-Issaui hatte den Schritt damit begründet, dass die Genehmigungen der Firmen zum Teil seit Längerem ausgelaufen seien. Beobachter sprechen von einem Manöver, um im Kampf um die Hauptstadt Tripolis Druck auf die europäischen Regierungen aufzubauen. Frankreich gilt als Unterstützer des mächtigen Generals Chalifa Haftar, der seinen Truppen den Vormarsch auf Tripolis befohlen hatte. Dort hat die international anerkannte Einheitsregierung ihren Sitz. Siemens wollte den Vorgang auf Anfrage am Freitag nicht kommentieren.

beb/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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hinifoto 10.05.2019
1. Hintergrund
Das ist aber alles ein wenig verwirrend. Könnte man beim nächsten Beitrag vielleicht mal etwas über die Hintergründe der Ereignisse erfahren? Wie soll ich denn jetzt herausfinden wer die Guten und wer die Bösen Akteure in Libyen sind`
syracusa 10.05.2019
2.
Zitat von hinifotoDas ist aber alles ein wenig verwirrend. Könnte man beim nächsten Beitrag vielleicht mal etwas über die Hintergründe der Ereignisse erfahren? Wie soll ich denn jetzt herausfinden wer die Guten und wer die Bösen Akteure in Libyen sind`
Das ist einfach: es gibt in Libyen keine guten Akteure. Aber es gibt internationales Recht, und das wird ganz massiv durch den Warlord Haftar gebrochen. Dass Frankreich Haftar unterstützt, zeigt IMO deutlich auf, dass Frankreich seine geostrategischen Ambitionen in Afrika auch mit Hilfe von Kriegsverbrechern und Terroristen aufrecht erhalten will. Und das zeigt uns eine doch recht unangenehme imperialistische Seite Frankreichs.
querulant_99 10.05.2019
3.
Ich nehme mal an, dass die Siemensianer vor Ort nicht unglücklich darüber sind.;-)
bartsuisse 10.05.2019
4. Nein nicht erpressen
aber die von der UNO international anerkannte Regierung wird von Frankreich torpediert indem Frankreich Haftar unterstützt und damit ENI mit Total ersetzen will. Frankreich spielt ein dreckiges Spiel in Libyen und Merkel unterstützt Macron. Italien organisierte den Libyen Gipfel der von Deutschland desseriert wurde und von Frankreich offen boykottiert wurde. Er will ausser der traditionellen Unterstützung Italiens wenigstens Ruhe aus Frankreich und Deutschland. Da ausser hohlen Phrasen nichts aus diesen beiden Länder kommt, zieht er die Konsequenzen. Das ist schlicht logisch
alex2k 10.05.2019
5. Ein Grund mehr
um uns vom Öl zu trenen. Dann wird gleich weniger Plastik hergestellt und es wird kein Geld in diese Länger fliessen. Weitere Kriege werden ggf. auch noch vermieden. Stärker also in alternative Antriebstechniken investieren! Ob Akkus oder Wasserstoff - beides parallel am besten.
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