Discounter in der Kritik Lidl setzt angeblich Rattengift in Verkaufsräumen ein

Der Discounter Lidl gerät erneut in die Kritik: Laut dem ARD-Magazin "Kontraste" ließ die Kette in einigen Filialen Rattengift auslegen, ohne die Kunden zu informieren. Das Unternehmen verspricht, den Vorwürfen nachzugehen.
Lidl-Filiale in Berlin: "Intensiv mit den relevanten Prozessen auseinandersetzen"

Lidl-Filiale in Berlin: "Intensiv mit den relevanten Prozessen auseinandersetzen"

Foto: Arno Burgi/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Der Discounter sieht sich zu Unrecht am Pranger: "Ein Einkauf bei Lidl ist sicher und gefahrlos möglich", sagte ein Sprecher der Supermarktkette. Hintergrund der Beteuerungen ist ein Bericht des ARD-Magazins "Kontraste". Demnach ließ Lidl in den Verkaufsräumen einiger Filialen Rattengift auslegen, ohne Kunden über Gesundheitsrisiken zu informieren.

Die Reporter berufen sich auf Aussagen von Mitarbeitern, die in Niedersachsen, Bayern und Berlin Filialen umgeräumt hätten. Sie hätten in mehreren Fällen rotes und blaues Schädlingsbekämpfungsmittel entdeckt. Nicht immer seien sie von der Filialleitung vorher darauf hingewiesen worden.

Die "Kontraste"-Redaktion nahm selbst eine Probe in einer Berliner Filiale. Diese sei von einem Prüflabor positiv auf "signifikant toxische Wirkung" getestet worden. Obwohl Lidl einen Ratten-Befall beim örtlichen Gesundheitsamt hätte anzeigen müssen, habe dieses keine Meldung erhalten.

Nach Einschätzung der leitenden Gesundheitsaufseherin des Berliner Stadtbezirks Tempelhof-Schöneberg, Beate Sabally, könne Rattengift für Kinder lebensbedrohlich sein. "Wenn das Kind Giftstoffe aufnimmt, verdünnt sich das Blut und das Kind kann verbluten", sagte sie dem ARD-Magazin. "Deshalb dürfen nur anerkannte Schädlingsbekämpfer Rattengift auslegen."

Laut der Verbraucherzentrale Hamburg kann Rattengift auch ohne Mitteilung an die Behörden in Supermärkten eingesetzt werden. Allerdings gelten dabei besondere Sicherheitsvorschriften. "Es ist zwingend erforderlich, dass Boxen verwendet werden, damit Kunden und Mitarbeiter nicht mit dem Gift in Berührung kommen", sagte der Verbraucherschützer Armin Valet SPIEGEL ONLINE. Zudem müsse es eine klare Kennzeichnung geben, die darüber informiere, dass Rattengift ausliegt.

Lidl teilte auf Anfrage mit, keine Hinweise von Mitarbeitern über gesundheitliche Beschwerden zu haben. Im Falle eines Schädlingsbefalls setze das Unternehmen "ausschließlich auf namhafte und zertifizierte Schädlingsbekämpfer". Lidl nehme die Kritik ernst und werde sich "umgehend mit unseren Dienstleistern in Verbindung zu setzen". In diesem Zusammenhang werde man sich auch "intensiv mit den relevanten Betriebsprozessen auf allen Ebenen auseinandersetzen".


ARD-Magazin "Kontraste", Donnerstag, 21.45 Uhr

cte/AFP/dpa
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