Verhandlungen bei Lieferdienst Lieferando-Fahrer fordern Stundenlohn von 15 Euro

Viele Lieferdienst-Kuriere sind tarifvertraglich nicht abgesichert. Die Beschäftigten des Marktführers Lieferando haben nun einen Forderungskatalog vorgelegt.
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Die Beschäftigten des Essenslieferdiensts Lieferando wollen einen flächendeckenden Tarifvertrag mit einem Stundenlohn von mindestens 15 Euro durchsetzen. Die Mitglieder der Tarifkommission beschlossen bereits am Freitag ein entsprechendes Forderungspaket, teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Zentrale Forderungen seien außerdem die Zahlung eines 13. Monatsgehalts, Zuschläge für Schichten am Abend sowie an Sonn- und Feiertagen, sechs Wochen Urlaubsanspruch und die volle Bezahlung der letzten Fahrt zurück an den Wohnort.

»Die Rider sind bei Wind und Wetter unterwegs - sie erwarten völlig zu Recht, dass ihre gefährliche Arbeit fair bezahlt wird«, sagte der NGG-Referatsleiter für das Gastgewerbe, Christoph Schink. Lieferando sei der »milliardenschwere Marktführer« in der Lieferdienstbranche. »Es ist Zeit, dass die Arbeitsbedingungen deutschlandweit einheitlich und fair geregelt werden.« Aktuell liege der Stundenlohn bei Lieferando zwischen zehn und elf Euro pro Stunde. Allerdings erhalten Lieferando-Fahrer zusätzlich Trinkgeld.

Lieferando will Fahrer unbefristet einstellen

Lieferando gehört zum niederländischen Konzern Just Eat Takeaway und ist in Deutschland de facto Monopolist. Das Unternehmen teilte dem SPIEGEL gegenüber mit, dass »Lieferando-Fahrer mit durchschnittlich mehr als 13 Euro pro Stunde in einer regulären, direkten und unbefristeten Anstellung in der Regel mehr verdienen als in anderen Servicebereichen, etwa der Gastronomie oder als ausgebildeter Einzelhandelsmitarbeiter«. Die Fahrerinnen und Fahrer hätten üblichen Urlaubsanspruch, erhielten Überstunden bezahlt und auch ihre Fahrt nach Schichtende zum Fahrradlager vergütet.

Im August hatte Lieferando angekündigt, alle neu angestellten Fahrerinnen und Fahrer unbefristet einzustellen. Die bestehenden Verträge der rund 10.000 angestellten Lieferanten sollten außerdem entfristet werden. Die NGG bezeichnete die Entscheidung als »wichtigen Schritt« und als Erfolg des durch »zahlreiche erfolgreiche Entfristungsklagen« aufgebauten Drucks.

Lieferandos Berliner Konkurrenz-Start-up Delivery Hero ist zwar weltweit erfolgreich, hat aber sein gesamtes Deutschlandgeschäft Ende 2018 an die Niederländer verkauft. Eine bundesweite Alternative gibt es nicht. Alternativen wie Deliveroo, Lieferheld oder Foodora wurden aufgekauft oder mit Milliardenkampagnen aus dem Markt gedrängt.Seit Mai dieses Jahres wagt Delivery Hero allerdings unter der Marke Foodpanda den Wiedereintritt auf dem schwer umkämpften deutschen Markt. Dabei bietet das Unternehmen sowohl Restaurant- als auch Lebensmittellieferungen des täglichen Bedarfs an.

hej/AFP
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