Schnelllieferdienst Gorillas entlässt Hunderte Mitarbeiter und verkleinert Geschäft

Der Express-Lieferdienst Gorillas trennt sich von rund der Hälfte seiner Beschäftigten in der Zentrale. Das Unternehmen will sein Geschäft auf fünf Länder konzentrieren, um Kosten zu sparen.
Gorillas-Filiale in Düsseldorf: Chef Sümer will profitabler werden

Gorillas-Filiale in Düsseldorf: Chef Sümer will profitabler werden

Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGO

Die Schnelllieferdienste für Lebensmittel in Deutschland liefern sich seit Jahren einen erbitterten Wettbewerb. In diesem Kampf hat Gorillas nun wegen explodierender Kosten die Reißleine gezogen – und entlässt 300 Beschäftigte in der Verwaltung. Betroffen sind damit die Hälfte der dort tätigen Mitarbeiter.

Zudem würden alle strategischen Optionen für das Geschäft in Italien, Spanien, Dänemark und Belgien geprüft, gab das erst vor zwei Jahren gegründete Berliner Start-up bekannt. Was genau das heißt, ließ Firmenchef Kağan Sümer offen.

»Seit Oktober haben wir unser Geschäft verdreifacht und die Effizienz verneunfacht. Aber mit Blick auf die Kapitalmärkte im Moment müssen wir weitere Schritte unternehmen, um den Weg zur Profitabilität zu beschreiten«, sagte Sümer. Inzwischen steht für Sümer nicht mehr rasantes Wachstum an erster Stelle, sondern die Vorgabe, in die schwarzen Zahlen zu kommen: »Das ist der nächste Meilenstein. Wenn wir an die Börse gehen, wollen wir das als profitables Unternehmen tun.«

860 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt

Lange Zeit ging es in dem Wettbewerb darum, in mehr Länder zu expandieren und möglichst viele Kunden zu gewinnen, die möglichst viele Supermarktartikel über die App ordern und sich innerhalb kürzester Zeit aus den Minilagern von Gorillas nach Hause liefern lassen. Allerdings ist die Konkurrenz groß, und in Städten wie Berlin bieten auch Flink, die Doordash-Tochter Wolt  und Getir ähnliche Dienste an . Nun will sich Gorillas auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und die USA konzentrieren, um Kosten zu sparen. Laut Sümer machen diese Länder aktuell rund 90 Prozent des Geschäfts aus.

Im Oktober hatte Gorillas bei einer Finanzierungsrunde noch rund 860 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und war dabei mit 2,5 Milliarden Euro bewertet worden – ähnlich hoch wie der ebenfalls aus Berlin stammende Konkurrent Flink, aber deutlich weniger als Getir aus der Türkei. Damals kam auch der weltweit tätige Essenslieferdienst Delivery Hero als Investor mit einer Kapitalspritze von 200 Millionen Euro an Bord.

Unklar ist, wie lange das Geld angesichts der hohen Ausgaben reicht, um den Betrieb zu sichern. Sümer sagte: »Wir sind hier, um zu bleiben. Wir haben genug Puffer.« Aber er ist sich auch sicher: »Risiko ist inzwischen irritierend für Investoren, und niemand will im Moment Unsicherheit. Das macht es aktuell ziemlich schwer, Geld einzusammeln.« Deswegen müssen die Fixkosten sinken, und die Berliner Zentrale soll zum Dreh- und Angelpunkt werden.

Die rund 14.000 Fahrer sollen von den angekündigten Entlassungen nicht betroffen sein.

apr/Reuters