Lieferdienste, Flugtaxis und Co. Geldschwemme für deutsche Start-ups

Deutschlands Gründerszene wird laut einer Untersuchung trotz der Coronakrise mit frischem Kapital überschüttet. Von Januar bis März haben Unternehmen 2,2 Milliarden Euro eingesammelt.
Fahrradkurier des Lieferdiensts Gorillas: 245 Millionen Euro für Lebensmittel

Fahrradkurier des Lieferdiensts Gorillas: 245 Millionen Euro für Lebensmittel

Foto: Arnulf Hettrich / IMAGO

Die Investitionen in deutsche Start-ups sind im ersten Quartal 2021 auf den höchsten jemals aufgezeichneten Wert gestiegen. Das hat eine Untersuchung des Datenanbieters Refinitiv ergeben. Von Januar bis März haben deutsche Unternehmen demnach in 165 Deals 2,2 Milliarden Euro eingesammelt. Bereits im Schlussquartal 2020 war mit 1,2 Milliarden Euro eine vergleichsweise hohe Summe geflossen.

Deutschland lag im ersten Quartal erneut hinter Großbritannien, wo vier Milliarden Euro vergeben wurden, und deutlich vor Frankreich, wo 1,1 Milliarden Euro flossen. »Die Wirtschaft erholt sich und zuversichtliche Investoren in Deutschland und ganz Europa investieren Kapital in Start-ups, als gäbe es kein Morgen«, sagte der für das Deutschland-Geschäft verantwortliche Refinitiv-Manager Carl-Johan von Uexküll.

Die größte Finanzierungsrunde stemmte das Lebensmittel-Lieferdienst-Start-up Gorillas, das 245 Millionen Euro bei Investoren einsammelte. Dahinter folgten der Flugtaxi-Anbieter Volocopter mit 200 Millionen Euro und das Logistik-Start-up Sennder, das inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar wert ist. Am aktivsten unter den deutschen Geldgebern war Global Founders Capital mit Ausgaben in Höhe von 98 Millionen Euro in 22 Deals. Dahinter folgten HTFG sowie HV Holtzbrinck Ventures.

Milliardensumme für europäische Start-ups

Der Optimismus kommt für die Branche unverhofft. Noch im vergangenen März prophezeite der Deutsche Start-up-Verband ein schwieriges Jahr, weil sich zahlreiche internationale Kapitalgeber angesichts der Coronakrise zurückzogen. Sieben von zehn Jungunternehmen fürchteten damals laut einer Umfrage, das nächste halbe Jahr nicht zu überleben. Diese Sorgen haben sich offenbar nicht bewahrheitet.

Europaweit sammelten Start-ups zuletzt Wagniskapital im Umfang von 11,7 Milliarden Euro in 644 Runden ein, was einem Plus zum Vorjahreszeitraum von 128 Prozent entsprach. In dem bisher gemessen am Transaktionswert stärksten vierten Quartal 2020 waren es 7,5 Milliarden Euro.

rai/Reuters
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