FTC-Chefin Lina Khan Amazon greift Amerikas höchste Kartellwächterin an

Lina Khan leitet ab sofort die mächtige US-Handelskommission und gilt als Jägerin der Techkonzerne. Amazon fordert nun, die Juristin solle sich aus Untersuchungen zur Marktmacht heraushalten – sie sei befangen.
Die jüngste Vorsitzende in der Geschichte der FTC: Die 32-jährige Lina Khan

Die jüngste Vorsitzende in der Geschichte der FTC: Die 32-jährige Lina Khan

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GRAEME JENNINGS / AFP

Die Juristin Lina Khan gehört zum neuen Führungsgremium der US-Kartellaufsichtsbehörde FTC und gilt als ausgewiesene Kartellrechtsexpertin. Der weltgrößte Online-Händler Amazon verlangt nun, dass Khan sich aus Untersuchungen seiner Wettbewerbsposition heraushalten soll, weil sie voreingenommen sei. Amazon reichte am Mittwoch einen entsprechenden offiziellen Antrag bei der FTC ein.

Die FTC ist in den USA für Verbraucherschutz zuständig und führt auch Wettbewerbsuntersuchungen durch. Die 32-jährige Khan machte vor einigen Jahren mit einem Papier zu Amazon auf sich aufmerksam, in dem sie argumentierte, dass gängige US-Ansätze zur Einschätzung der Wettbewerbslage im Bezug auf Internet-Unternehmen versagten.

Die ausschlaggebende Frage in solchen Verfahren ist oft, ob Verbraucher durch höhere Preise benachteiligt würden. Khan kritisierte jedoch, das reiche nicht aus. Denn ein Unternehmen wie Amazon könne eine erhebliche Kontrolle über verschiedene Wirtschaftsbereiche gewinnen, während die Kunden oberflächlich gesehen von niedrigen Preisen profitierten, argumentierte sie.

Warnschuss an das Silicon Valley

Die kürzliche Berufung von Khan zur FTC-Chefin wurde als Signal gesehen, dass die Regierung von US-Präsident Joe Biden über die Marktmacht großer Tech-Konzerne besorgt ist und dagegenhalten will. Im Fall von Amazon dürfte demnächst speziell die geplante Übernahme des Hollywood-Studios MGM geprüft werden.

»Selbst große Unternehmen haben ein Recht auf unparteiische Untersuchungen«, betonte Amazon in einer Stellungnahme. Khans bisherige Äußerungen und Texte zeigten aber, dass sie sich bereits eine Meinung über den Konzern gebildet habe. Amazon verwies in dem Antrag unter anderem darauf, dass Khan angesichts ihrer Analyse eine Zerschlagung des Unternehmens für gerechtfertigt halte. Khan hatte bei der Anhörung zu ihrer Ernennung im US-Senat versichert, dass sie keine Interessenkonflikte habe und unvoreingenommen den Fakten folgen werde.

mjm/dpa
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