Zusage der Hersteller Lkw-Branche verspricht Abschied vom Diesel bis 2040

Europas Lkw-Hersteller wollen in 20 Jahren keine Diesellaster mehr produzieren. Das versprechen die führenden Konzerne – und stellen Forderungen an die Politik.
Lkw an der deutsch-polnischen Grenze: Diesel ist noch zu billig

Lkw an der deutsch-polnischen Grenze: Diesel ist noch zu billig

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Patrick Pleul/ dpa

Europa soll im Jahr 2050 klimaneutral sein, so haben es die EU-Regierungschefs beschlossen. Die Industrie jedoch reagierte bislang eher skeptisch. Nun zeigen ausgerechnet die Hersteller großer Lastkraftwagen, dass es auch anders geht. Sie kommen der Politik mit einer wichtigen Zusage zu Hilfe.

Ab 2040 wollen sie nur noch Fahrzeuge herstellen, die mit Strom, Wasserstoff oder Biosprit fahren, verspricht eine Industrie-Allianz von Daimler, Scania, MAN und vier weiteren Lkw-Herstellern in einer gemeinsamen Erklärung. »Wir müssen uns so schnell wie möglich vom Verbrennungsmotor verabschieden«, sagt Scania-Chef Henrik Henrikson, der zugleich der Nutzfahrzeugsparte im Verband der Europäischen Autoindustrie vorsteht. Das sei »nicht nur notwendig, sondern auch möglich«.

Aufgaben für die Regierungen

Bislang galt die Lkw-Branche als eine jener Industrien, denen der Abschied von fossilen Brennstoffen am schwersten fällt. Batteriebetriebene Fahrzeuge lieferten bislang nicht genügend Energie, um große Lasten über lange Strecken zu transportieren. Und die Wasserstofftechnik galt als noch nicht ausgereift. Umso mehr ist es nun ein klimapolitischer Durchbruch, dass die Hersteller den Übergang zu CO2-armen Technologien für machbar halten. Um das zu schaffen, seien »eine fundamentale Restrukturierung der Industrie« und »entschiedenes Handeln der Politik auf nationaler und europäischer Ebene« nötig, heißt es in der Erklärung.

Die Branche setzt die EU-Kommission in Brüssel und die nationalen Regierungen in den Mitgliedstaaten unter Druck. Gemeinsam mit dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben die Hersteller einen dicken Aufgabenkatalog für die EU-Regierungen ausgearbeitet – und ihrer Erklärung beigefügt. Die Politik müsse für Tausende von Lkw-gerechten Ladesäulen an Landstraßen und Autobahnen und ein entsprechend ausgerüstetes Elektrizitätsnetz sorgen, fordern die Hersteller. Dann könne die Zahl batteriebetriebener Lkw innerhalb von zehn Jahren auf ungefähr 200.000 steigen. Heute sind nur ein paar Hundert CO2-freier Laster auf europäischen Straßen unterwegs. Zugleich seien wirtschaftliche Weichenstellungen nötig, um die Klimawende voranzutreiben.

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»Null-Emissions-Fahrzeuge werden es so lange schwer haben, wie Diesel-Kraftstoff billiger ist«, sagen die Hersteller. Deshalb müsse die Politik für angemessene CO2-Preise sowie für klimafreundliche Mautsysteme und Energiesteuern sorgen. »Wir müssen alle verfügbaren Mittel einsetzen, um den Übergang zur Klimaneutralität zu schaffen«, sagt PIK-Chef Johan Rockström.

Für das Klimaversprechen der Industrie gibt es auch taktische Gründe. Die Lkw-Branche steht durch die Abkühlung der Weltkonjunktur, die schon vor Corona eingesetzt hatte, vor großen Herausforderungen. Einige Hersteller haben in den vergangenen Monaten Personal abgebaut und rufen nun nach finanzieller Hilfe. Der Branche ist offenbar klar: Wenn sie Unterstützung will, muss sie der Politik auch entgegenkommen.

Als ersten Schritt geben die Hersteller schon mal überaus optimistische Prognosen ab. Wenn die Politik die richtigen Entscheidungen treffe, so sagen sie voraus, könnten batteriebetriebene Fahrzeuge schon in wenigen Jahren genauso wirtschaftlich sein wie Diesel-Lkw.