Lloyds Rätsel um Auszeit von britischem Bankchef

Er wurde als der "Mourinho der Finanzwelt" gefeiert - in Anspielung auf den portugiesischen Trainer von Real Madrid. Doch nun legt der Chef der britischen Bank Lloyds eine krankheitsbedingte Pause ein, Vertraute sagen, weil er völlig überarbeitet sei.

Lloyds-Chef Horta-Osorio: Er setzte zuletzt ein hartes Sanierungsprogramm durch
AFP

Lloyds-Chef Horta-Osorio: Er setzte zuletzt ein hartes Sanierungsprogramm durch


London - Einer der prominentesten Bankchefs in Großbritannien muss eine Auszeit nehmen. Der als harter Sanierer bekannte Chef von Lloyds, Antonio Horta-Osorio, ziehe sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, teilte die größte britische Filialbank am Mittwoch mit. Der 47-jährige Portugiese sei krank, Ärzte hätten ihm deshalb zu einer Pause geraten.

Mehrere mit den Hintergründen vertraute Personen sagten, Horta-Osorio sei überarbeitet und völlig ausgelaugt. Lloyds zufolge will er aber noch vor Jahresende auf den Posten zurückkehren. Bis dahin soll er vom altgedienten Finanzchef Tim Tookey vertreten werden, der Anfang 2012 einem seit längerem geplanten Stühlerücken im Vorstand zum Opfer fallen wird.

An der Börse ging die Sorge um, dass der erst seit acht Monaten amtierende Konzernchef den eingeschlagenen Sanierungskurs nicht mehr fortsetzen kann. Die Lloyds-Aktie brach zeitweise um knapp sechs Prozent ein. "Er hat Lloyds in die richtige Spur gebracht", sagte Fondsmanager Paul Mumford von Cavendish Asset Management.

Burnout unter Managern ein Tabu

Eine portugiesische Zeitung nannte den energiegeladenen Manager einmal den "Mourinho der Finanzwelt" genannt, in Anspielung auf den impulsiven Trainer von Real Madrid. Horta-Osorio war Ende 2010 von der britischen Tochter des spanischen Rivalen Santander zu Lloyds gewechselt. Dort hatte er seit 1993 gearbeitet.

Unter dem Sanierungsprogramm des Portugiesen verlieren 15.000 Mitarbeiter den Job. 630 Filialen sollen verkauft und die Präsenz im Ausland eingedampft werden. Damit will Horta-Osorio die Kosten bis 2014 um 1,5 Milliarden Pfund senken.

Trotz der großen Belastung von Top-Managern, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, gelten Erschöpfungszustände nach wie vor als Tabu. Unternehmenskreisen zufolge waren sie auch ein Grund für den kürzlichen Rücktritt von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski. Kurz zuvor hatte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, Ralf Rangnick, mit Verweis auf ein Burn-out seinen Job aufgegeben.

cte/Reuters



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