Verflüssigtes Erdgas LNG-Terminal Wilhelmshaven soll noch vor Weihnachten starten

Der Energiekonzern Uniper sieht seine Großbaustelle an der Nordsee im Plan: Im Dezember könnte das Wilhelmshavener LNG-Terminal den Betrieb aufnehmen. Damit hätte die deutsche Gasversorgung eine Alternative zu Pipelines.
Ein Schiff wird kommen: Baustelle des LNG-Importterminals in Wilhelmshaven

Ein Schiff wird kommen: Baustelle des LNG-Importterminals in Wilhelmshaven

Foto: Sina Schuldt / dpa

Das erste schwimmende Terminal für verflüssigtes Erdgas (LNG) vor der deutschen Küste könnte schon vor den Weihnachtsfeiertagen den Betrieb aufnehmen.

»Wenn alles gut läuft, ist Wilhelmshaven vor Weihnachten bereit«, sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach dem SPIEGEL am Rande der Ölkonferenz Adipec in Abu Dhabi. »Aber alles hängt am Wetter.« Winterstürme oder schwerer Wellengang auf hoher See könnten Maubach zufolge die Fertigstellung des Projekts um einige Wochen verzögern.

Die Eröffnung des schwimmenden LNG-Terminals im Tiefwasserhafen von Wilhelmshaven wäre ein Meilenstein im Kampf gegen den drohenden Gasmangel. Laut Uniper sollen pro Jahr bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas umgeschlagen werden: gut acht Prozent des gesamten deutschen Gasbedarfs.

Auch Terminal Lubmin soll im Dezember fertig werden

Bislang hat Deutschland kein einziges LNG-Terminal – und ist damit vollständig abhängig von Gaslieferungen durch Pipelines, etwa aus Russland oder Norwegen. Um den Jahreswechsel herum sollen nun gleich drei provisorische Anlagen loslegen: Neben Uniper in Wilhelmshaven wollen auch RWE in Brunsbüttel sowie die Deutsche Regas in Lubmin an der Ostsee starten. Der Geschäftsführer der Deutschen Regas, Stephan Knabe, zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL am Wochenende ebenfalls optimistisch, dass es im Dezember so weit sein könnte.

Die Bundesregierung, die mehrere LNG-Terminals in Auftrag gegeben hatte, hofft darauf, mit Flüssigerdgas die Lieferungen aus Russland dauerhaft ersetzen zu können. Obgleich derzeit in Deutschland kein akuter Brennstoffmangel herrscht und die Gasspeicher nahezu voll sind, ist die Krise noch lange nicht vorbei.

Selbst wenn der Brennstoff für diesen Winter reichen sollte, könnte er im Winter 2023/24 knapp werden. Denn anders als in diesem Jahr, als Russland selbst nach seinem Überfall auf die Ukraine monatelang erhebliche Mengen Gas lieferte, wird der staatliche Pipelinemonopolist Gazprom 2023 voraussichtlich kaum noch nach Deutschland exportieren.

Umso wichtiger werden die Lieferungen per Schiff. Bis Anfang 2024 sollen daher an der deutschen Nord- und Ostseeküste bis zu drei weitere schwimmende LNG-Terminals in Betrieb gehen.

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