Ifo-Index Lockdown-Ende hebt Stimmung in der Wirtschaft deutlich

Nach dem Auslaufen monatelanger Corona-Einschränkungen ist der Ifo-Index auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. »Das Aufatmen im Einzelhandel ist laut hörbar«, sagt ein Analyst.
Passanten in Düsseldorf

Passanten in Düsseldorf

Foto: Michael Gstettenbauer / imago images

Nach dem Ende des monatelangen Corona-Lockdowns macht sich in den Chefetagen der Firmen zusehends Optimismus breit. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juni auf 101,8 Punkte von 99,2 im Mai, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Das ist das höchste Niveau seit November 2018. »Die deutsche Wirtschaft schüttelt die Coronakrise ab«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Lage erheblich besser als zuletzt, und auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate.

Im Handel führten die Öffnungen zu einer deutlichen Verbesserung des Geschäftsklimas. Dies war laut dem Ifo auf merklich besser laufende Geschäfte zurückzuführen. Insbesondere im Einzelhandel war die Entwicklung steil nach oben gerichtet. Der Index zur aktuellen Lage legte so stark zu wie noch nie zuvor. »Das Aufatmen im Einzelhandel ist laut hörbar. Pandemie war gestern, Impffortschritt und Erholung sind heute, lautet die Devise«, kommentierte Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Im Verarbeitenden Gewerbe erreichte das Ifo-Stimmungsbarometer den höchsten Wert seit April 2018. Alle Bereiche der Industrie befänden sich zwar im Aufwind, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. »Wermutstropfen bleiben aber die stark gestiegenen Einkaufskosten.« Diese seien zum Teil auf Engpässe bei wichtigen Vorprodukten zurückzuführen, die ein großes Problem blieben. »Sehr viele Unternehmen wollen wegen der gestiegenen Kosten ihrerseits die Preise erhöhen«, sagte Wohlrabe. Die Exporterwartungen seien weiter gestiegen, auch die Binnennachfrage sei gut.

Auch das Institut IHS Markit hatte bei seiner Firmenumfrage zuletzt kräftige Wachstumssignale festgestellt. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft stieg im Juni auf den höchsten Wert seit März 2011. Laut Ifo-Experte Wohlrabe dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 1,3 Prozent zulegen. Im Sommer könnte demnach sogar ein Plus von 3,6 Prozent herausspringen. Zu Jahresbeginn war das BIP wegen des coronabedingten Konsumeinbruchs um 1,8 Prozent geschrumpft.

dab/Reuters
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