Insolvente Traditionsmarke Neue Hoffnung für Loewe

Bei Loewe steigen offenbar die Chancen auf einen Neustart. Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es zehn Interessenbekundungen für den insolventen TV-Hersteller. Es handelt sich demnach um mögliche Käufer, die auf Marke und Mythos setzen.

Loewe-Stand bei der Elektronikmesse IFA in Berlin (Archivbild)
Foto: Rainer Jensen/dpa

Loewe-Stand bei der Elektronikmesse IFA in Berlin (Archivbild)


Bei Loewe steht die Produktion seit einigen Tagen, die Mitarbeiter im oberfränkischen Kronach sind derzeit größtenteils freigestellt. Doch vielleicht können sie bald an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Denn laut einem Zeitungsbericht gibt es doch noch mehrere Interessenten für den insolventen TV-Hersteller. Es lägen zehn Interessenbekundungen vor, die noch im Detail geprüft werden müssten, sagte Insolvenzverwalter und Sanierungsexperte Rüdiger Weiß der "Welt am Sonntag". "Wir sind zuversichtlich, dass wir bis Ende Oktober etwas hinbekommen."

Komme es zum Abschluss, dann zeichne sich ein kompletter Neustart ab, ohne die Schulden und Belastungen der bisherigen Loewe Technologies. "Die angemeldete Insolvenz ist auch eine Chance, weil die Altlasten abgeschnitten werden", sagte Weiß. Er schätzt, dass die Gläubiger im Insolvenzverfahren Forderungen über etwa 50 bis 70 Millionen Euro anmelden werden.

Namen müssen vorerst geheim bleiben

Der Insolvenzexperte und Rechtsanwalt darf der Zeitung zufolge zwar keine Namen von Interessenten nennen. Er deutete aber an, dass es sich im Gegensatz zu den zwei Finanzinvestoren, die zuvor Eigentümer waren, nunmehr um Branchenunternehmen aus Deutschland und dem Ausland handele. "Es sind Interessenten, die auf die Marke und den Mythos Loewe setzen", sagte Weiß. Damit könnte die Positionierung von Loewe als Anbieter im Premium- und Mittelbereich mit einem Fertigungsstützpunkt in Deutschland erhalten bleiben.

Loewe hatte zum 1. Juli Insolvenz angemeldet. Von zuletzt 460 Beschäftigten sind die meisten freigestellt. Für Loewe ist es die zweite existenzbedrohende Krise innerhalb weniger Jahre. Die Firma habe zuletzt tief in den roten Zahlen gesteckt, hatte Weiß zuletzt gesagt. Um schwarze Zahlen zu schreiben, wäre ein Umsatz von 180 Millionen Euro nötig gewesen, tatsächlich seien es nur rund 110 Millionen Euro gewesen.

Bei einem Neustart könnten auch die Gehälter neu verhandelt werden. Die bisherigen Gehaltsstrukturen von Loewe passten nicht in die nordbayerische Region, sagte Insolvenzverwalter Weiß der Zeitung zufolge.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
ralfiboy1963 07.07.2019
1. Seltsam!
In dem letzten SPON Artikel zu diesem Thema wurde doch darauf hingewiesen, dass die Markenrechte bereits vor einem Jahr ausgegliedert wurden und daher nicht mehr von dem Insolvenzverwalter verwendet werden können? Was stimmt den nun? Ohne diese Markenrecht wird sich wohl kein Investor finden.
VadidWyle 07.07.2019
2. Genauso!
Es geht mir, informationsmäßig, genau, wie dem vorherigen Kollegen. Oder darf man erwarten, dass es bald Geräte mit dem Namen Loewe im Baumarkt geben wird; so wie es z. B. bei Nordmende war. Ewas mehr Erklärung wäre in diesem Bericht schon schön gewesen.
Sleeper_in_Metropolis 07.07.2019
3.
Zitat : ""Es sind Interessenten, die auf die Marke und den Mythos Loewe setzen", sagte Weiß" Die werden in der Tat Interesse an der Marke haben - aber sicher nicht an dem, was an dem Laden sonst noch an Verpflichtungen dranhängt. Vermutlich wird man alles in D zügig dichtmachen, Fernseher&Co. in Asien produzieren lassen und das Loewe-Logo draufkleben - so wie es bei fast allen deutschen Traditionsmarken aus dem Bereich passiert ist. Passable Riesenglotzen gibt's nun mal zu bezahlbaren Preisen von div. Herstellern - da wird man mit dem Mythos von der deutschen Wertarbeit nicht gegen ankommen. Auch wenn es immer ein paar Leute geben mag die sich das hochpreisige Zeug ganz bewußt kaufen, eine ganze Firma wird man damit hierzulande nicht dauerhaft betreiben können, zumindest nicht in einer Größenordnung, die Loewe jetzt hat. Das der Laden in den letzten Jahren immer wieder kurz vor der Pleite stand zeigt das doch ganz klar.
enfield 07.07.2019
4. Naja
Zitat von Sleeper_in_MetropolisZitat : ""Es sind Interessenten, die auf die Marke und den Mythos Loewe setzen", sagte Weiß" Die werden in der Tat Interesse an der Marke haben - aber sicher nicht an dem, was an dem Laden sonst noch an Verpflichtungen dranhängt. Vermutlich wird man alles in D zügig dichtmachen, Fernseher&Co. in Asien produzieren lassen und das Loewe-Logo draufkleben - so wie es bei fast allen deutschen Traditionsmarken aus dem Bereich passiert ist. Passable Riesenglotzen gibt's nun mal zu bezahlbaren Preisen von div. Herstellern - da wird man mit dem Mythos von der deutschen Wertarbeit nicht gegen ankommen. Auch wenn es immer ein paar Leute geben mag die sich das hochpreisige Zeug ganz bewußt kaufen, eine ganze Firma wird man damit hierzulande nicht dauerhaft betreiben können, zumindest nicht in einer Größenordnung, die Loewe jetzt hat. Das der Laden in den letzten Jahren immer wieder kurz vor der Pleite stand zeigt das doch ganz klar.
Kann aber muss nicht sein. Klar, dass ein solches Verfahren nicht transparent geführt werden kann und deshalb auch nur offiziell Beteiligte (mit Geheimhaltungspflicht) mitspielen können. Daher kann der Artikel auch nicht mehr liefern oder aber nur wild spekulieren. Mal spekuliert - eben ohne stichhaltige Informationen: es könnte ja auch sein, dass es tatsächlich mehr um Mythos/Historie/Kultur geht als den Markennamen selbst und z.B. Apple (ich weiß, das ist halt sehr einfach und nur scheinbar naheliegend und die haben ja auch wohl schon mal abgewinkt), extrem teuere aber sehr geile (Design, Technik, Funktionalität) Luxusteile anbieten will, die Klientel (aus San Francisco, Frankfurt, Dubai, Moskau, Singapur, Mumbai etc) wird sicher die Story von der wiederbelebten und neugeborenen Edelschmiede aus Deutschland goutieren und mitbezahlen, auch wenn ein Apfel statt dem Loewe-Logo darauf prangt und die Dinger oberhalb 10k über den Tisch und Teich gehen. Vielleicht mit ähnlichen Margen wie IPhones... Im Gegensatz dazu glaube ich, dass es für eine Verramschung, wie Sie es zeichnen, bei Loewe schon lange nicht mehr reicht - dazu ist die Marke schon lange nicht mehr stark genug aber eben auch nie richtig verschwunden. Ich glaube Heuschrecken haben darauf keinen Appetit mehr - was ich natürlich recht positiv fände. Vielleicht geht ja doch noch was :-)
yvowald@freenet.de 07.07.2019
5. Nur noch langlebige Produkte produzieren
LOEWE-Produkte waren und sind qualitativ hochwertig. Hoffentlich bleibt dies nach einem Neuanfang mit anderen Firmeneigentümern auch so. Denn Billig-Schrott wird bekanntlich zur Genüge produziert und läßt die Müllberge anschwellen. Und genau hier sollten alle Gerätehersteller einen neuen Weg einschreiten - mit langlebigen Produkten.
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