Nach der Pleite TV-Traditionsmarke Loewe verliert ihren Namen

Loewe ist pleite, rund 400 Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz. Nun sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer für das Unternehmen - doch ohne den bekannten Markennamen dürfte das schwierig werden.

David-Wolfgang Ebener/ DPA

Erst kein Geld und nun offenbar auch keinen Namen mehr: Der vor dem Aus stehende Fernsehhersteller Loewe hat laut Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß den Zugriff auf seine Markenbezeichnung verloren. Die Marke sei an die Beteiligungsfirma RiverRock verpfändet, die dem Loewe-Eigentümer Kredite gegeben hatte, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Loewe hatte am Dienstag angekündigt, die Produktion zum 1. Juli einzustellen, weil dem Unternehmen das Geld ausgegangen sei. Auf den Konten habe sich nach Angaben des Insolvenzverwalters weniger als eine halbe Millionen Euro befunden. Einen Kredit über neun Millionen Euro hatte RiverRock verweigert, den hätte Loewe aber zur Fortführung des Geschäfts gebraucht. Einem Großteil der rund 400 Beschäftigten droht nun die Kündigung.

IG Metall erhebt schwere Vorwürfe

Insolvenzverwalter Weiß versucht nun, einen Käufer für das restliche Geschäft von Loewe, das auch Kommunikationstechnik produziert, zu finden. Für das weitere Vorgehen sei die Wirtschaftsprüfungsfirma PwC vom Gläubigerausschuss als Berater angeheuert worden, sagte er.

Der Verlust des Markennamens könne die Suche aber erschweren. Er gehe davon aus, dass RiverRock versuchen werde, die Marke in Lizenz an einen anderen Hersteller zu vergeben. Die Gewerkschaft IG Metall hatte RiverRock bereits am Dienstag vorgeworfen, Loewe ausbluten zu lassen, um "mit den Trümmern Geld zu verdienen".

Die Firma aus dem fränkischen Kronach habe zuletzt tief in den roten Zahlen gesteckt, sagte Insolvenzverwalter Weiß. Um schwarze Zahlen zu schreiben, wäre ein Umsatz von 180 Millionen Euro nötig gewesen, tatsächlich seien es nur rund 110 Millionen gewesen. Das habe nicht einmal gereicht, um die angeblich überdurchschnittlich hohen Lohnkosten für die Mitarbeiter zu decken.

ptz/rtr

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insgesamt 17 Beiträge
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timtom2222 26.06.2019
1.
Es stinkt bis zum Himmel, ich denke River Rock war nur auf den Markennamen aus! Um dann LOEWE Made in China daraus zu machen.
foerster.chriss 26.06.2019
2. Ohne Marke ist Loewe praktisch nichts mehr wert.
"Der Verlust des Markennamens könne die Suche aber erschweren." Das ist eine sehr euphemistische Einschätzung. Das Unternehmen besitzt ohne den Markennamen keinerlei Wert. Würd mich interessieren, wie viel die Investoren dafür vorher zahlten. Eigentlich müsste jedem klar sein, dass mit so einem "Pfändungsvertrag" von Anfang das Interesse des Investoren bestand, jederzeit den Stecker ziehen können, um die Marke meistverbietend weiter zu verkaufen.
schorsch_69 26.06.2019
3. Och Joh!
So ist das halt, wenn Kreti und Pleti nach "Geiz-ist-Ultrageil" Maxime ihr leben meinen zu fristen. Da kaufen eben genau diese Deppen in Zukunft ein Asien-Ramsch Produkt unter dem Namen eines bis zum Untergang dank Asien "Mitbewerbs" ehemals absolutem Qualitätsprodukt. Ging auch vielen anderen namhaften Marken hierzulande bereits exakt genau so... Wer heute z.B. AEG oder Grundig noch kauft, ist eindeutig extrem zu heiß gebadet worden.
spon-4am-dlr9 26.06.2019
4. Versagen von allen Beteiligten
Das River Rock keine gute Figur abgibt und "Heuschrecken-Erinnerungen" hervorruft, braucht man sicherlich nicht weiter ausführen. Das die ihren Job so machen, wie sie ihn machen, mag man moralisch fragwürdig finden, ist aber Teil ihres Geschäftsmodells. Und ganz ehrlich: das wusste man vorher. Die Unternehmensleitung kann Niemanden glaubhaft machen, dass Sie nicht wussten auf was für eine Art von Investor man sich da einlässt. Die IG Metall sollte sich auch mal an die eigene Nase fassen und ihren eigenen Beitrag zur Insolvenz hinterfragen. Wer ständig zwischen 6,5 und 8% mehr Lohn fordert, auch für die Unternehmen, für die es wirtschaftlich nicht tragbar ist, muss sich nicht wundern, wenn Unternehmen dicht machen. Und wo war der Betriebsrat als es um die Beteiligung des Investors ging ? Gerade die IG-Metall sollten mal ganz ruhig sein! Die haben mindestens einen so hohen Anteil an der Misere wie die Unternehmensleitung.
whitewisent 26.06.2019
5.
Was sollen die Vorwürfe der Gewerkschaft? Loewe ist eigentlich seit Juli 2013 Pleite. Und seitdem wurde natürlich auf verschiedensten Wegen versucht, das Unternehmen zu retten. Auch auf Kosten der Arbeitnehmer, da die Belegschaft nach und nach abgebaut wurde. Das man sich bei Krediten Sicherheiten übertragen lässt, ist nunmal der Sinn von Pfändern, um sie aus der Konkursmasser herauszuhalten. So dürfte man den Weg anderer Unternehmen wie Philipps und Grundig gehen, deren Produkte auch schon seit langem Made in China sind, aber immer noch aus Nostalgiegründen Senioren zum Kauf animiert, weil man damit alte Erwartungen verbindet.
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