Lohndumping Schlecker-Methode weit verbreitet

Schlecker ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Gewinne mit billigen Leiharbeitern steigern will. Nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern versuchen viele Firmen auf die gleiche Weise, Tarifstandards zu unterlaufen. Selbst Kirchen und Wohlfahrtsverbände schrecken davor nicht zurück.

Stahlproduktion: Leiharbeiter müssen sich oft mit weniger Lohn zufriedengeben
ddp

Stahlproduktion: Leiharbeiter müssen sich oft mit weniger Lohn zufriedengeben


Duisburg - Niedriglöhne bei Leiharbeitern sind nach Angaben von Arbeitsmarktforschern in Deutschland kein Einzelfall. "Wie die Firma Schlecker haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmen ein eigenes Zeitarbeitsunternehmen gegründet, um geltende tarifliche Standards zu unterlaufen", sagte Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) am Donnerstag in Duisburg.

Nicht selten kehrten die Beschäftigten auf diesem Wege für weniger Geld und schlechtere Arbeitsbedingungen an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Nach geltender Rechtslage sei diese Praxis jedoch nicht illegal, so die Wissenschaftlerin der Universität Duisburg-Essen. Es sei möglich, Leiharbeiter nach eigenen Tarifverträgen zu entlohnen.

Damit sehe das Gesetz eine Ausnahme von dem Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" vor. Diese Ausnahme sei jedoch inzwischen vielfach zur Regel geworden, kritisierte Weinkopf. Die entsprechenden tariflichen Einstiegslöhne für Leiharbeiter lägen zwischen 6,15 Euro und 6,50 Euro je Stunde in Ostdeutschland und zwischen 7,35 Euro und 7,51 Euro in Westdeutschland. Dies sei deutlich niedriger als die vergleichbare Bezahlung in anderen tarifgebunden Betrieben.

Auch Wohlfahrtsverbände wollen Kosten sparen

Motive, um die ursprünglich zur Abdeckung von Auftragsspitzen gedachten Leiharbeitskräfte "mehr oder weniger" dauerhaft einzustellen, seien in der Regel erwartete Einsparungen bei den Lohn- und Gehaltskosten, so die Wissenschaftlerin. Betroffen seien nahezu alle Branchen von Banken und Versicherungen bis hin zu Handelsunternehmen und Anbietern im sozialen und medizinischen Bereich. Neben privaten Unternehmen versuchten auch kirchliche Pflegeeinrichtungen und große Wohlfahrtsverbände auf diese Weise, Personalkosten zu reduzieren.

Betroffen davon sei in der Regel jedoch nur ein Teil der Belegschaft. Eine Umfrage unter Betriebsräten aus dem Jahr 2007 habe ergeben, dass eigene Zeitarbeitsfirmen bereits in gut sieben Prozent aller Unternehmen mit betrieblicher Interessenvertretung existierten. Neuere Zahlen seien derzeit nicht verfügbar, sagte Weinkopf. Nach einem Einbruch der Zahlen der Leiharbeitskräfte durch die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr sei diese Form der Beschäftigung derzeit wieder auf dem Vormarsch.

mik/dpa-AFX



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marvinw 22.09.2009
1. Macht's endlich!
Ich frage mich warum wir fürs Thema Mindestlohn einen Artikel mit vier Mal Pro und Contra brauchen? Mindestlohn gibt es in ganz Europa, die Menschen in Deutschland im Niedriglohnsektor verdienen am wenigsten, was für eine Debatte braucht man da noch? Sollen wir noch als Drittel Welt Land enden? Dass sich die Marionetten der gierigen Kapitalisten hinter den "Konservativen" und "Neolibaralen" verstecken die Menschen für noch weniger Geld arbeiten lassen würden, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. Deshalb: macht es endlich! Führt Mindestlohn ein!
matthias schwalbe, 22.09.2009
2.
Natürlich Mindestlohn ! Beim Bäcker und Friseur muss man auch einen Mindestpreis zahlen... Aber Mindestlohn alleine reicht noch lange nicht. Berufstätige Menschen brauchen Planungssicherheit.Will sagen-Abschaffung mit diesen unsäglichen Zeitarbeitsverträgen. Wofür gibt es Probezeiten,gestaffelte Löhne je nach Betriebszugehörigkeit und Leistung ? Viele 100000ende Menschen können kaum noch ruhig schlafen,weil Sie sich ständig Sorgen machen ob ihr Arbeitsvertrag verlängert wird oder auch eben nicht und oft genug ist nach 2xliger Verlängerung SCHLUß. Viele gehen krank auf Arbeit und werden dadurch krank ! Das alles belastet unsere Sozialsysteme noch mehr als flexibles Personal was eh schon mit staatlicher Hilfe gefördert wird Wenn Unternehmen wie z.B. Quelle/Karstadt schlecht gemanagt werden "gehen diese trotzdem den Bach" runter. Ob mit Mindestlohn oder ohne ! 100% Sicherheit gibt es heute so oder so nicht mehr-gab es eigentlich noch nie. Nur ist es ein Unterschied ob ich deswegen jeden Morgen mit Ängsten und Ungewissheit zur Arbeit gehe oder ob man mir wenigstens diese Sorge zu einem Großteil nehmen kann. Dafür brauchen wir keine linken Parteien nur gesunden Menschenverstand von Unternehmen.
JamesBond006 22.09.2009
3.
Na ja, um wettbewerbsfähig zu bleiben in Europa, wird ein Mindestlohn aber nicht förderlich sein, oder ?
PeteLustig, 22.09.2009
4.
Die Forderung nach der flächendeckenden Einführung eines Mindestlohnes ist nicht links - sie ist menschlich. Und zwingend notwendig.
GrinderFX 22.09.2009
5.
Zitat von marvinwIch frage mich warum wir fürs Thema Mindestlohn einen Artikel mit vier Mal Pro und Contra brauchen? Mindestlohn gibt es in ganz Europa, die Menschen in Deutschland im Niedriglohnsektor verdienen am wenigsten, was für eine Debatte braucht man da noch? Sollen wir noch als Drittel Welt Land enden? Dass sich die Marionetten der gierigen Kapitalisten hinter den "Konservativen" und "Neolibaralen" verstecken die Menschen für noch weniger Geld arbeiten lassen würden, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. Deshalb: macht es endlich! Führt Mindestlohn ein!
Das löst nicht das Problem. In den 3. Welt Ländern haben die Menschen kaum Möglichkeiten sich zu bilden. Hier hat jeder die gleichen Chancen, nur nutzen sie die Meisten nicht und wollen das am Ende mit einem Mindeslohn ausgleichen. Das wird so zum Glück nicht funktionieren.
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