Ankündigung der GDL Lokführer streiken frühestens im August

Streikchaos in der Ferienzeit? Das bleibt Bahnreisenden vorerst erspart. Die Lokführergewerkschaft GDL will zunächst eine Urabstimmung durchführen – am 9. August soll sie ausgezählt werden.
Lokführer in Niedersachsen

Lokführer in Niedersachsen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL plant nach den gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn vorerst keine Arbeitsniederlegungen. »Die GDL wird nicht zu Warnstreiks von einigen Stunden oder einem Tag aufrufen. Sie wird zunächst eine Urabstimmung durchführen«, teilte die Gewerkschaft mit. Die Auszählung sei für den 9. August 2021 vorgesehen. »Alle unsere Mitglieder werden zur Urabstimmung aufgerufen«, sagte GDL-Chef Claus Weselsky.

Vor wenigen Tagen hatte Weselsky angekündigt, dass neue Streiks härter und länger als in der Vergangenheit würden. In den Jahren 2014 und 2015 hatten GDL-Mitglieder in acht Wellen gestreikt und die Arbeit zunächst stundenweise und später über mehrere Tage niedergelegt.

Bahn und GDL machen sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Tarifverhandlungen verantwortlich. Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr.

Nach Lesart der Bahn summieren sich die gesamten Forderungen aber auf etwa das Dreifache davon. Das Unternehmen will sich wegen der Pandemie am »Notlagentarifvertrag« der Flughäfen orientieren, der eine ähnliche Erhöhung um 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum und spätere Stufenpunkte verteilen würde.

»Ohne verbessertes Angebot werden wir als GDL nicht in Verhandlungen einsteigen«, sagte Weselsky. Gebe es eine solche Offerte nicht, seien längere Arbeitskampfmaßnahmen nicht abzuwenden.

Bahn wirft GDL »Spaltung« vor

Die Deutsche Bahn hatte den angedrohten Arbeitskampf als unverantwortlich kritisiert. Streiks könnten nur das letzte Mittel sein, sagte Personalchef Martin Seiler. Die GDL wolle nicht verhandeln, ihr gehe es »um Spaltung, Konkurrenz, Macht«. Seiler forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und »jetzt nicht das Land mit Streiks zu bedrohen«.

Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hatte schon im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss unterschrieben. Ab Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld – wenig im Vergleich zu Tarifrunden in besseren Zeiten. Dafür sind bis Ende 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Die GDL will nun mit Streiks mehr herausholen.

Steigende Buchungszahlen hatten die Bahn gerade auf eine Atempause in der Coronakrise hoffen lassen. Eine Lücke von mehr als 4 Milliarden Euro habe die Krise allein 2020 gerissen, und bis 2024 rechnet der ohnehin stark verschuldete Konzern mit einem Gesamtschaden von rund 10 Milliarden Euro durch die Pandemie.

dab/Reuters/AFP/dpa
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