Verdächtiger im CO2-Betrug Haftbefehl gegen Batman

Sogenannte Umsatzsteuerkarusselle haben den deutschen Fiskus fast eine Milliarde Euro gekostet. Nun wurde nach SPIEGEL-Informationen eine mutmaßliche Schlüsselfigur der Betrugsmasche gefasst: der Brite Peter V., Spitzname Batman.

Londoner Finanzdistrikt
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Auf dem Londoner Flughafen Heathrow ist der Polizei nach Informationen von SPIEGEL und ZDF der mutmaßliche Drahtzieher einer Betrugsmasche ins Netz gegangen, bei dem der deutsche Fiskus um 125 Millionen Euro erleichtert wurde. Peter V., ein Brite, kam aus Abu Dhabi und wollte zu seiner Geschäftsadresse im noblen Stadtteil Mayfair.

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Heft 3/2017
Das Problem mit der Liebe und dem Geld

Sogenannte Umsatzsteuerkarusselle mit CO2-Zertifikaten kosteten den deutschen Steuerzahler 850 Millionen Euro. Dabei wurden solche Zertifikate steuerfrei nach Deutschland eingeführt, beim Weiterverkauf über eigens dafür gegründete Firmen im Inland aber 19 Prozent Umsatzsteuer aufgeschlagen. Der Trick bestand darin, diese Steuer nie ans Finanzamt abzuführen, die Umsatzsteuer aber beim baldigen Export der Ware erstatten zu lassen.

V. soll Organisator und Finanzier einer solchen Kette gewesen sein, die Ende 2009 begann und Ende April 2010 mit einer groß angelegten Razzia der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beendet wurde. Bei dem Betrug spielte die Deutsche Bank Chart zeigen eine wichtige Rolle.

Sie war es häufig, die am Ende der betrügerischen Kette solche Zertifikate kaufte, exportierte und sich die Steuer erstatten ließ. Das Institut erhielt die Papiere zum Teil unter Börsenpreis und konnte sie deshalb schnell und mit Gewinn weiterverkaufen - mitunter an jene Firmen, die sie sofort wieder in die Betrugskette einspeisten.

Nach jahrelangen Ermittlungen von Steuerfahndung und Bundeskriminalamt erließ die Staatsanwaltschaft am 4. Oktober Haftbefehl wegen schweren Steuerbetruges gegen V. Der Brite bestreitet sowohl seine Festnahme als auch Kenntnis vom Haftbefehl. Zudem weist er alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Dabei kam er nach Angaben der Ermittler erst gegen Zahlung einer Kaution von 150.000 Pfund Kaution vorerst wieder auf freien Fuß. Deutschland will nun seine Auslieferung betreiben.

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insgesamt 12 Beiträge
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andreasm.bn 13.01.2017
1. 150.000 Pfund???
Lächerlich! Da lacht der doch drüber. Ich kenne die Gesetze in Großbritannien nicht, aber die Kaution sollte sich schon an der Höhe des Schadens orientieren. Grds. sollte der gar nicht auf freien Fuß kommen.
rgryf 13.01.2017
2. Diese Papiere als eine der scheinheiligsten Lösung im Umweltbereich
sind lange schon ein Bereicherungsform von Tradern. Da ist ein abstruser Markt entstanden, der keine Effekte zeitigt. Auch wenn einige Ökonomen weiter davon schwärmen.
jpinfact 13.01.2017
3. Volle Härte des Gesetzes...
... wenn Sie dem Finanzamt 5.ooo Euro schulden schlagen die mit der vollen Härte des Gesetzes zu. Egal ob Ihre Firma oder Ihre Familie auf dem Spiel steht. Wenn Sie des Fiskus um 1 Milliarde betrügen wird verhandelt. 150.000 Pfund Kaution? Das wäre dann beim normalen Bürger bei gleichem Maßstab dann ca. 50 Cent Kaution für Steuerbetrug. Und was dem Artikel komplett fehlt, was ist mit den Helfern? Was passiert den Verbrechern die im Haus der Deutschen Bank arbeiten oder gearbeitet haben. Knast? Wohl kaum. Millionen auf dem Konto als Belohnung! Auch Batman wird weiterhin fröhlich Business fliegen. CumEx und Steuerkarussell hat mein Vertrauen in den Staat nicht gerade gestärkt.
Schulterklopfer 13.01.2017
4. Steuersenkungen nicht möglich...
Jetzt verstehe ich auch, warum Herr Schäuble keine Möglichkeit sieht, die Steuern zu senken. Für Erhöhungen sieht er immer sofort einen Grund, ist der Grund nicht mehr da, dann vergißt er die Senkung.
Andraax 13.01.2017
5. Ökologen?
Zitat von rgryfsind lange schon ein Bereicherungsform von Tradern. Da ist ein abstruser Markt entstanden, der keine Effekte zeitigt. Auch wenn einige Ökonomen weiter davon schwärmen.
Sie meinen wohl Ökologen? Für die Ökonomen ist das weiterhin ein toller Markt, nur die Ökologie hat nichts davon.
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