LSG-Verkauf Ende des Projekts "Optimus"

Der Verkauf des Lufthansa-Caterers LSG verärgert die Mitarbeiter - und er beendet ein bizarres Experiment: Die Produktion von Flugzeugessen im Ausland und dessen Transport per LKW zurück nach Deutschland.
LSG-LKW am Frankfurter Flughafen

LSG-LKW am Frankfurter Flughafen

Foto: Daniel Reinhardt/ DPA

Samstagnacht kam der Durchbruch in Form der erwarteten Vertragsunterzeichnung: Lufthansa verkauft das Deutschland- und Europageschäft seines Flugzeugessen-Herstellers LSG Sky Chefs an die Schweizer Firma Gategroup. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, doch auch ohne die endgültige Entscheidung rumort es im Unternehmen.

Denn die Arbeitnehmervertreter sind alles andere als zufrieden mit dem Wechsel, weil sie den Verlust einiger Privilegien fürchten. Strittig sind etwa zukünftige Regelungen für vergünstigte Lufthansa-Flüge, sogenannte ID-Reisen. Ver.di will erreichen, dass diese noch mindestens ein Jahrzehnt lang genutzt werden dürfen. Bei der Lufthansa-Führung hofft man, dass noch heute eine Einigung erzielt werden kann.

Eines steht immerhin schon jetzt fest: Die Abspaltung der LSG vom Lufthansa-Konzern dürfte ein umstrittenes Projekt beenden, das mit dem guten Ruf der selbsternannten Premium-Airline ohnehin nur schwer zu vereinbaren war: Ausgelagerte Garküchen hinter der Grenze zu Tschechien. Um Geld zu sparen, hatte Konzernchef Carsten Spohr der LSG unter dem Arbeitstitel "Optimus" dieses ziemlich gewöhnungsbedürftige Sparprogramm verordnet.

Teile der Essens- und Häppchenproduktion wurden ins tschechische Nova Haspoda bei Bor verlegt, wo bis zu 400 philippinische Angestellte für die Küchenarbeit zuständig sein sollten. Die Tabletts sollten dann per Lkw nach Frankfurt und München zu den Flughäfen transportiert werden, trotz der dadurch bedingten zusätzlichen CO2-Belastung. Der SPIEGEL berichtete damals über das skurrile Projekt . Die ersten Arbeitskräfte sind schon da, trotzdem soll das Vorhaben nach SPIEGEL-Informationen nicht weiterverfolgt werden.

Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren war, wird die gerade erst gestartete Produktion in Tschechien wohl noch eine Zeitlang weitergeführt, danach aber aufgegeben. Gategroup kann durch günstigere Tarifverträge ohnehin billiger produzieren als die Lufthansa. Deshalb braucht sie das Sparmodell in Bor nicht. Der neue Eigentümer könnte die Kapazitäten stattdessen in Deutschland aufbauen und so die Arbeitnehmervertreter und Ver.di für sich gewinnen. Da die Jobs quasi reimportiert würden, entfiele der logistische Aufwand, die Tabletts über Autobahnen Hunderte Kilometer zum Flugzeug zu transportieren.

Immerhin bleibt Lufthansa der größte Kunde der Gategroup hierzulande. Man einigte sich auf einen langjährigen Cateringvertrag für die Standorte Frankfurt und München, am Montag morgen informierte LSG-Chef Erdmann Rauer die Belegschaft auch offiziell per Brief über den besiegelten Verkauf des Unternehmens. Die Arbeitsverträge blieben durch den Verkauf unverändert bestehen, versuchte er die Mitarbeiter zu beruhigen. Gleich im nächsten Satz musste er seine Aussage jedoch schon wieder einschränken. "Nach der Integration durch Gategroup" , so Rauer, könnten die Kontrakte "gegebenenfalls geändert" werden.

Ebenfalls verkauft wurden auch die Bereiche Lounge-Catering, die Aviationmitarbeiter-Einkaufskette Ringeltaube, der Fertigessen-Hersteller Evertaste oder der Bordverkaufsbereich Spiriant.

Vor allem das Catering-Geschäft unterliegt einem strukturellen Wandel. Immer mehr Fluglinien verzichten auf kostenloses Essen. Denn trotz der ständigen Preisdrückerei seitens der Airlines ist die Verpflegung auf den Flügen ein erheblicher Kostenfaktor. Bei einem Boeing-Jumbo werden bis zu sechs Tonnen Verpflegung an Bord gehievt.

Ein Menü in der Economyclass wird mit rund fünf Euro für Langstreckentrips kalkuliert. In der Business darf es das Doppelte kosten, in der First das Vierfache, also immerhin rund 20 Euro pro Mahlzeit. Hinzu zahlen die Airlines Servicegebühren für die Lieferung des Essens an Bord.