Flugstreichungen Täglich Zehntausende Passagiere von Pilotenstreik bei SAS betroffen

Fast tausend Piloten der skandinavischen Fluggesellschaft SAS wollen ihre Arbeit niederlegen, etwa die Hälfte aller Flüge soll ausfallen. Auch bei einer Lufthansa-Tochter drohen Hunderte Flugstreichungen.
SAS-Maschinen am Flughafen von Kopenhagen: Streik trifft Airline in wirtschaftlich heikler Phase

SAS-Maschinen am Flughafen von Kopenhagen: Streik trifft Airline in wirtschaftlich heikler Phase

Foto: Andrew Kelly / REUTERS

Die angeschlagene Fluggesellschaft SAS steht nach gescheiterten Schlichtungsgesprächen vor einem Pilotenstreik. Wegen des Ausstandes würde etwa die Hälfte aller Flüge gestrichen, teilte das Unternehmen mit. Täglich sind demnach ungefähr 30.000 Passagiere beziehungsweise rund 250 Flüge betroffen.

Der Ausstand sei zum jetzigen Zeitpunkt für SAS verheerend und setze die Zukunft des Unternehmens und Tausende Arbeitsplätze aufs Spiel, kritisierte Konzernchef Anko van der Werff. »Die Entscheidung, jetzt in den Streik zu treten, zeigt das rücksichtslose Verhalten der Pilotengewerkschaften und ein erschreckend geringes Verständnis für die kritische Lage, in der sich SAS befindet.«

Der Ausstand war bereits angekündigt, wurde aber mehrfach verschoben. Das Unternehmen und die schwedischen, norwegischen und dänischen Piloten verhandeln seit Wochen über einen Tarifvertrag.

Die schwedische Pilotenvereinigung wirft dem Unternehmen vor, die Pandemie genutzt zu haben, um fast die Hälfte der Piloten zu entlassen – mit einem vereinbarten Recht auf Wiedereinstellung. Dieses Recht habe die Airline aber außer Kraft gesetzt.

Brussels Airlines will durch Streichungen offenbar Streik verhindern

SAS kündigte Anfang des Jahres zudem ein Sparprogramm an. Dabei verwies das Unternehmen auf die Pandemie sowie Kosten, die nicht wettbewerbsfähig seien. Nachdem eine Verhandlungslösung gescheitert war, würden nun fast tausend Piloten streiken, berichtete der Sender DR unter Berufung auf van der Werff.

Sie gehören demnach zur Muttergesellschaft des Unternehmens – und kritisierten, dass SAS neue Piloten zu schlechteren Konditionen in ihren Tochterfirmen SAS Link und SAS Connect einstelle.

Nicht nur Passagiere von SAS müssen mit Flugausfällen rechnen. Wie viele andere Airlines schränkt nun auch die belgische Lufthansa-Tochter Brussels Airlines das Angebot während der Sommerferien ein. Fast 700 Flüge und damit etwa sechs Prozent ihres geplanten Programms würden ausfallen, berichteten die belgischen Medien »Belga« und »L’Echo«. Ziel sei es, die Arbeitsbelastung zu verringern und Streiks zu vermeiden.

Brussels Airlines hat bislang nicht auf die Berichte reagiert.

Die Gewerkschaften der Piloten und des Kabinenpersonals von Brussels Airlines hatten im vergangenen Monat einen dreitägigen Streik geplant. Die Belegschaftsvertreter hatten sich darüber beschwert, dass der Arbeitsdruck zu hoch sei und das Unternehmen seit etwa einem Jahr über die Situation Bescheid wisse, ohne eine Lösung anzubieten.

Die Luftfahrt steckt europaweit in einem Dilemma. Mit Abebben der Coronapandemie, die den Wirtschaftszweig lange lahmgelegt hat, beabsichtigt die Branche, endlich durchzustarten. Doch stattdessen kommt es zu Flugstreichungen, Verspätungen und Warteschlangen.

Als Knackpunkt gelten neben Tarifauseinandersetzungen insbesondere Personalmangel und Engpässe bei Sicherheitskontrollen, Check-in und Flugzeugabfertigung. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV ist in diesen Bereichen in Deutschland etwa jede fünfte Stelle unbesetzt.

apr/dpa/Reuters
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