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19. Juni 2011, 12:44 Uhr

Luftfahrtmesse Le Bourget

Technische Panne vermasselt Militärairbus-Show

Airbus glaubt an eine rosige Zukunft, auch wenn die Entwicklung einiger Langstrecken-Jets A350 sich verzögert. Kummer bereitet dem Konzern die Rüstungssparte - gekürzte Verteidigungsbudgets sorgen für Unruhe. Wegen Triebwerksproblemen mussten nun auch noch Showflüge des A400M abgesagt werden.

Paris - Die Luftfahrtmesse Paris Air Show beginnt für den Flugzeughersteller Airbus mit einer Blamage: Aufgrund von Problemen mit dem Getriebe der Triebwerke wurden Flugvorführungen des Militärtransporters A400M auf der Luft- und Raumfahrtschau im französischen Le Bourget abgesagt. Statt am regulären Show-Programm teilzunehmen, wird der Militär-Airbus nun lediglich zur Eröffnung der Branchenmesse am Montag einen kurzen Vorbeiflug entlang des Flughafens vollführen und danach nur noch am Boden zu besichtigen sein. Einen Zeitplan zur Lösung des technischen Problems legte Airbus nicht vor. Eine Verzögerung des Termins für die Erstauslieferung Anfang 2013 wird aber nicht erwartet.

Abgesehen von dieser Malaise blickt der Airbus-Mutterkonzern EADS aber optimistisch in die Zukunft. Vom weltweiten Aufschwung der Luftfahrt beflügelt, erwartet das Unternehmen eine Auftragsflut für seine Flugzeuge. "Die A320neo hat sich in nur sechs Monaten zu einem Kassenschlager entwickelt - das wird auch die Air Show zeigen", sagte EADS-Chef Louis Gallois am Samstag in Le Bourget bei Paris. In den vergangenen Wochen hatten sich bereits neue Großaufträge für die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenfliegers angekündigt, der im Herbst 2015 erstmals ausgeliefert werden soll.

Für zwei Versionen des neuen Langstrecken-Jets A350 wird es aber deutlich später. Die längste und die kürzeste Variante des zweistrahligen Flugzeugs würden jeweils zwei Jahre später ausgeliefert, sagte Airbus-Manager Fabrice Brégier. Dafür soll die Leistung der für 350 Passagiere ausgelegten Langversion A350-1000 durch den neuen Trent-XWB-Antrieb von Rolls-Royce deutlich gesteigert werden. Während die Grundversion A350-900 nach wie vor ab Ende 2013 ausgeliefert werden soll, verschiebt sich der Marktstart der Langversion nun auf Mitte 2017. Auch die kleinere Schwester A350-800 soll zwei Jahre später kommen - Mitte 2016.

Beim Mega-Flieger A380 sieht sich Airbus im Plan. Die Produktion soll ab 2014/15 kostendeckend sein, sagte Gallois. Die Dauer der Endmontage sei innerhalb von zwei Jahren von 14 auf zehn Monate verkürzt worden. Im laufenden Jahr sollen 25 Exemplare des doppelstöckigen Flugzeugs die Werkshallen verlassen. Die Probleme mit dem Trent-900-Triebwerk, das 2010 auf einem Qantas-Flug zu einem Zwischenfall geführt hatte, sind laut Brégier gelöst.

"Probleme schaffen Märkte"

Angesichts der immensen Nachfrage nach Flugzeugen droht Airbus ihren EADS-Schwestergesellschaften davonzufliegen. EADS-Chefstratege Marwan Lahoud erwartet, dass der Airbus-Umsatz bis 2016 jährlich um sieben bis acht Prozent wächst. Um das auszugleichen, müssten die anderen EADS-Töchter (Militär, Raumfahrt, Helikopter) jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro mehr einnehmen. In Zeiten knapper Budgets gebe es weniger europäische Entwicklungsprogramme als zuvor, klagte Gallois. Bei der Entwicklung unbemannter militärischer Fluggeräte forderte er stärkere Kooperation. Gallois: "Wenn alle Länder ihre Budgets zusammenstreichen, müssen sie mehr zusammenarbeiten."

Den Sparkurs vieler europäischer Staaten beim Verteidigungsetat will EADS mit verstärktem Engagement in Schwellenländern und im Sicherheitsbereich wie Grenzüberwachung oder der Absicherung gegen Internetpiraterie (Cyber-Crime) kompensieren. "Der Sicherheitsmarkt wird in den kommenden Jahren explodieren; Cyber-Crime ist ein Problem, aber Probleme schaffen Märkte", sagte Gallois, der Zukäufe und Partnerschaften in den USA und anderen Ländern ankündigte. Für den deutschen Zulieferer Premium Aerotec sucht Eigentümer EADS langfristig Partner, doch habe mittelfristig eine ungestörte Produktion des Unternehmens für das A350-Programm Priorität.

Angesichts des geplanten Ausstiegs der Großaktionäre Daimler und Lagardere macht sich die EADS-Spitze Gedanken um die künftige Eigentümerstruktur. Gallois warnte vor kurzfristigen Lösungen. Nötig sei eine Struktur, die gegen feindliche Übernahmen schütze und die Balance zwischen deutschen und französischen Interessen sichere.

mak/dpa

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