Tarifkonflikt in den Sommerferien Arbeitgeber kritisieren Lufthansa-Streik scharf

Mitten in der Urlaubssaison hat Ver.di einen eintägigen Streik des Lufthansa-Bodenpersonals angekündigt. Der Arbeitgeberverband findet das »schamlos«, der Konzern selbst »unzumutbar«.
Lufthansa-Mitarbeiterin in Münster (Archivbild): »Sie brauchen dringend mehr Geld und sie brauchen Entlastung«

Lufthansa-Mitarbeiterin in Münster (Archivbild): »Sie brauchen dringend mehr Geld und sie brauchen Entlastung«

Foto: Guido Kirchner / dpa

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat scharfe Kritik am angekündigten Warnstreik der Gewerkschaft Ver.di bei der Lufthansa geäußert. Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter sagte: »Die Lufthansa und vor allem deren Passagiere mit Lohnforderungen mitten im Sommer zu belasten, ist absolut unverhältnismäßig. Hier wird der nachvollziehbare Urlaubswunsch der Menschen schamlos ausgenutzt, um einen Vorteil zu erlangen.«

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte vor Kurzem bereits Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi in Seehäfen kritisiert und eine Brechung des Streikrechts ins Gespräch gebracht.

In den laufenden Tarifverhandlungen für rund 20.000 Beschäftigte des Bodenpersonals hatte Ver.di zuvor für Mittwoch zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Zum Bodenpersonal gehören unter anderem Techniker und Logistiker, ohne deren Dienstleistungen die Flugzeuge nicht abheben können. Aufgerufen sind Beschäftigte in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, München, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln. Die Warnstreiks sollen am Mittwoch um 3.45 Uhr beginnen und bis Donnerstag, 28. Juli, um 6.00 Uhr dauern.

Die Lufthansa selbst bezeichnete den geplanten Ausstand als »unzumutbar« für Kundschaft und Mitarbeitende. Eine Arbeitsniederlegung von dieser Dauer über alle Standorte hinweg könne kaum noch als Warnstreik bezeichnet werden, sagte Personalvorstand Michael Niggemann laut einer Mitteilung. »Das ist umso unverständlicher, als die Arbeitgeberseite bereits hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhungen angeboten hat – trotz der nach der Coronakrise wirtschaftlich für die Lufthansa weiter angespannten Situation, hoher Schuldenlasten und unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft.«

Das in der zweiten Verhandlungsrunde vorgelegte Angebot des Arbeitgebers sei aus Sicht der Ver.di-Mitglieder unzureichend, gab die Gewerkschaft zur Begründung an. Ver.di fordert eine Lohnerhöhung von 9,5 Prozent oder mindestens 350 Euro mehr pro Monat. Die Gewerkschaft argumentierte, die enorme Arbeitslast der Beschäftigten in der Krisenzeit rechtfertige eine kräftige Lohnerhöhung. »Sie brauchen dringend mehr Geld und sie brauchen Entlastung – für sich selber und für die Passagiere. Dazu reicht das Arbeitgeberangebot vorne und hinten nicht«, sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die Passagiere bat sie um Verständnis.

Chaotischer Neustart der Branche

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock kommt vor dem Hintergrund eines teilweise chaotisch verlaufenen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben schon ohne Streiks zu erheblichen Abfertigungsproblemen in diesem Sommer geführt. Verdi macht dafür vor allem Missmanagement bei Flughäfen und Airlines verantwortlich.

Wie viele zusätzliche Flugausfälle der Ausstand verursachen werde, sei noch nicht klar, teilte die Lufthansa mit. Da im Luftverkehr an allen Ecken und Enden Personal fehlt, musste die Airline bisher schon rund 6000 Flüge im Sommer streichen. Aber auch andere Fluggesellschaften werden betroffen sein, so wie vom generellen Engpass während des Reisebooms nach der Pandemie.

Am Airport Düsseldorf erledigt die Lufthansa-Gesellschaft LEOS rund drei Viertel aller »Push-Backs«, also das Herausschieben der Flugzeuge aus der Parkposition in Richtung Startbahn. Bei 430 für Mittwoch geplanten Flügen mit rund 57.000 Passagieren seien gravierende Beeinträchtigungen zu erwarten, kündigte der Flughafen Düsseldorf an. In Frankfurt ist die Lage weniger kritisch: Neben LEOS schleppen dort die eigenen Bodenverkehrsdienste des Betreibers Fraport sowie der Dienstleister Wisag die Flieger, sagte ein Sprecher.

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Die Lufthansa liegt derzeit mit zweien ihrer drei Gewerkschaften über Kreuz. Bei der »Vereinigung Cockpit« (VC) läuft bereits die Urabstimmung über unbefristete Pilotenstreiks bei den Airlines Lufthansa und Lufthansa Cargo, die am 31. Juli ausgezählt wird. Bei der als sicher eingeschätzten Zustimmung der Stammpiloten wäre die VC ab August voll streikfähig. Das muss nicht automatisch zu einem schnellen Arbeitskampf führen, sondern soll zunächst den Druck auf das Unternehmen in den festgefahrenen Tarifverhandlungen erhöhen.

Auch die Flugbegleiter-Organisation Ufo berichtet von einer aufgeheizten Stimmung unter ihren Mitgliedern, weil Lufthansa beim Neustart den Bogen überspannt habe. Mit dem jüngst abgeschlossenen »Tarifvertrag Sommer« hat die Ufo-Tarifkommission aber einen Streikverzicht bis Ende Oktober akzeptiert. Die Kabinengewerkschaft will die grundlegenden Themen im Herbst angehen.

dab/dpa/Reuters
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