Angst vor Konkurrenz Lufthansa buhlt um Alitalia

Lange sah es so aus, als würden die Deutschen der US-Gesellschaft Delta den Vortritt lassen. Nun will die Lufthansa offenbar doch bei Alitalia einsteigen - um sich den italienischen Markt zu sichern.

Flugzeuge von Lufthansa und Alitalia am Frankfurter Flughafen
Marc Tirl / DPA

Flugzeuge von Lufthansa und Alitalia am Frankfurter Flughafen

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Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft der insolventen Alitalia Chart zeigen versucht sich die Lufthansa Chart zeigen eine Beteiligung an der italienischen Fluggesellschaft zu sichern. Die Lufthansa-Gruppe sei bereit, "einen höheren Betrag als ... andere mögliche Partner" von Alitalia zu bieten, warben Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister und -Strategiechef William Willms in einem Brief an den Chef der italienischen Staatsbahn, der die Alitalia-Rettung koordiniert.

"In den Fällen Austrian und Swiss Airlines haben wir unsere Fähigkeit bewiesen", schrieben Hohmeister und Willms, "dass wir ikonische europäische Marken des Luftverkehrs ... in unser Netzwerk integrieren und Nutzen für alle schaffen können." Zuerst hatte die italienische Zeitung "La Repubblica" Auszüge aus dem Brief veröffentlicht.

Seit Alitalias Insolvenzerklärung im Frühjahr 2017 hatte Lufthansa wiederholt Interesse an einer Beteiligung gezeigt. Schließlich ist Italien einer der wichtigsten europäischen Märkte für die Kranich-Linie. Schon seit Jahren haben die Deutschen vor Ort eine Tochter: die Air Dolomiti.

Frist endet am 21. November

Einen möglichen Einstieg knüpfte die Lufthansa aber stets an einen umfassenden Stellenabbau sowie eine Verringerung der Flotte bei der Alitalia - die seit Jahren mit Staatskrediten am Leben gehalten wird. Zudem erklärte die Lufthansa, man wolle auch nicht Partner des Staates werden. Nach den Vorstellungen der Regierung in Rom soll jedoch die Staatsbahn künftig Gesellschafter von Alitalia werden: zusammen mit Atlantia, dem Infrastrukturkonzern der Familie Benetton. Auch eine Fluglinie soll als Partner mit dabei sein.

Am 21. November endet die mehrmals verschobene Angebotsfrist, bis zu der Interessenten Angebote einreichen können. Zuletzt sah es so aus, als würde Lufthansas Konkurrent Delta der Partner von Alitalia werden. Die US-Amerikaner boten Investitionen von 100 Millionen Euro an.

Die Lufthansa will dies nun doch noch toppen. Wie die Zeitung "Corriere della Sera" schreibt, bieten die Deutschen 150 Millionen Euro. Darüber hinaus seien sie bereit, sich auf einen deutlich geringeren Personal- und Flottenabbau einzulassen, als sie bisher verlangt hatten, schrieb die Zeitung. Unter anderem habe die Lufthansa vorgeschlagen, Piloten der Alitalia-Regionallinie Cityliner bei ihrer eigenen Tochter Air Dolomiti zu beschäftigen.

Italien als großer Markt und Mailand als Drehkreuz wichtig

"Lufthansa kann nicht einfach geschehen lassen, dass Delta Chart zeigen bei Alitalia einsteigt und die beiden Linien dann im großen Stil gemeinsame Verbindungen anbieten", sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt dem SPIEGEL. "Dafür sind Italien als großer Markt und ein Drehkreuz wie Mailand viel zu wichtig."

Ob das Angebot der Lufthansa genügt, um Delta auszustechen, ist allerdings fraglich. Laut "Corriere della Sera" ist Italiens Regierung der vorgeschlagene Stellenabbau noch immer zu hoch.

Ein Lufthansa-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Wir können uns eine Beteiligung an Alitalia vorstellen - aber nur an einer restrukturierten Alitalia." Auch eine kommerzielle Partnerschaft mit den Italienern sei denkbar. Zum Brief des Vorstands Hohmeister und den Umfang einer möglichen Beteiligung wollte sich der Sprecher nicht äußern.



insgesamt 2 Beiträge
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raoul2 01.11.2019
1. Leider wird es wohl kaum
so gute Meilen-Aktionen wie bei der Einführung der Lufthansa-Italia damals ... Was sind wir damals in der "Business-Class" für ein Appel und 'n Ei kreuz und quer durch Europa gekurvt; War unter'm Strich meist günstiger als die Holzklasse. Und zusätzlich die wunderbaren (und preislich unschlagbaren) Interkontinental-Flüge ab/an Mailand. Träum ... Diese Zeiten kommen wohl nie wieder (ganz ohne CO2-Hysterie).
foerster.chriss 03.11.2019
2. Die Lufthansa will Alitalia nicht, sie will nur den Preis erhöhen.
Lufthansa will dies, will das, und selbst eine seriöses Blatt wie der SPIEGEL fällt darauf rein. In erster Linie geht es Lufthansa darum, die Übernahme von Alitalia für jemanden anderen teurer zu gestalten, also den Preis für andere zu erhöhen. Die derzeitigen Übernahmeangebote kosten sie kaum was. Wenn die Konkurrenz dann abspringt und der Staat die Airline für Lufthansa vorsaniert und anschließend für ein Appel und Ei an Lufthansa verscherbelt, werden sie sicher nicht nein sagen. Vorausgesetzt, die Kartellämter spielen mit. Aber eine Übernahme ist nicht das derzeitige Ziel von Lufthansa. So war es auch bei Condor nicht, bei Norwegian nicht oder sonstige Airlines. Und trotzdem werden immer Übernahmepläne verbreitet. Bei Alitalia ist dieses Spiel längst ein bekannter Teil aus "Täglich grüßt das Murmeltier". Das alles spielte sich so schon vor zehn Jahren ab. Erst Verkaufspreis hochtreiben, dann Konkurrenzflieger auf den wichtigsten Strecken einsetzen. Oder beides. Damals hieß es "Lufthansa Italia". Bei Condor ist es Eurowings auf Langstrecken.
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