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29. April 2015, 12:49 Uhr

Tarifstreit

Lufthansa bietet Piloten Gesamtschlichtung an

"Wir reichen ihnen die Hand": Die Lufthansa geht im verfahrenen Tarifstreit auf die Pilotengewerkschaft Cockpit zu. Konzernchef Spohr hat ihr eine Schlichtung über alle offenen Fragen angeboten. Sie könnte noch diese Woche starten.

Seit einem Jahr tobt der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten, bereits zwölfmal traten die Flugzeugführer in den Streik, mehr als 220 Millionen Euro kostete das Deutschlands größte Fluggesellschaft. Nun hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) eine Gesamtschlichtung über alle offenen Tariffragen angeboten. Der Konzern machte sein Entgegenkommen am Tag der Hauptversammlung in Hamburg öffentlich.

VC hatte eine solche Schlichtung über alle offenen Tariffragen seit Langem gefordert, die Lufthansa hatte das stets mit dem Argument abgelehnt, man habe zu einzelnen Punkten noch gar nicht verhandelt. Hintergrund des festgefahrenen Konflikts ist auch die umstrittene Einführung der neuen Billig-Plattform Eurowings, die von der VC kritisiert wird, aber als Unternehmensentscheidung nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein kann.

Lufthansa zufolge sind mit der VC sechs Tarifverträge offen, unter anderem zum Gehalt, zur Übergangsversorgung und zu den Betriebsrenten der rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Noch in dieser Woche könne man mit Gesprächen über die Person eines Schlichters beginnen. Es gehe im Sinne der Kunden darum, weitere Streiks zu vermeiden, teilte der Konzern mit.

Vor einer Woche hatte VC-Präsident Ilja Schulz von einer Chance gesprochen, "noch einmal neu über die Sache nachzudenken". Nun reagierte die Pilotengewerkschaft abwartend auf die Offerte der Lufthansa . Sie forderte die Fluggesellschaft auf, das Angebot am Tariftisch detailliert zu unterbreiten. "Sobald das geschehen ist, werden wir das prüfen und schauen, ob das Hand und Fuß hat", sagte ein Sprecher.

"Wir alle sind enger zusammengerückt"

Zur möglichen Annäherung hat auch der Schock über den Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich mit 150 Toten Ende März beigetragen. Bei der Hauptversammlung stand zunächst die Trauer um die Opfer im Mittelpunkt. Die Aktionäre konnten sich im Hamburger Congress-Centrum in ein Kondolenzbuch eintragen, um der Opfer des schlimmsten Absturzes in der Unternehmensgeschichte zu gedenken.

"Die gesamte Lufthansa- und Germanwings-Familie trauert um die Opfer", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber und leitete eine Schweigeminute ein. Spohr sagte den Hinterbliebenen erneut Beistand und Hilfe zu. "Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen. Wir alle sind enger zusammengerückt."

Wegen des zunehmend knappen Kapitals hat die Lufthansa ihre Investitionen für die Jahre 2016 und 2017 auf jeweils 2,5 Milliarden Euro begrenzt. Aus diesem Grund werde der für 2015 geplante Neubau des Frankfurter Frachtzentrums um zunächst zwei Jahre verschoben, sagte Spohr.

Die Aktionäre sollen für 2014 keine Dividende erhalten. Bei rund 30 Milliarden Euro Umsatz schrieb die Lufthansa lediglich einen Gewinn von 55 Millionen Euro. Gründe sind dem Konzern zufolge unter anderem der stärkere Wettbewerb, stark steigende Pensionslasten und hohe Kosten für die Pilotenstreiks.

fdi/dpa

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