Tarifstreit Lufthansa bietet Piloten Gesamtschlichtung an

"Wir reichen ihnen die Hand": Die Lufthansa geht im verfahrenen Tarifstreit auf die Pilotengewerkschaft Cockpit zu. Konzernchef Spohr hat ihr eine Schlichtung über alle offenen Fragen angeboten. Sie könnte noch diese Woche starten.

Lufthansa-Chef Spohr in Hamburg: Start der Schlichtung diese Woche möglich
AP/dpa

Lufthansa-Chef Spohr in Hamburg: Start der Schlichtung diese Woche möglich


Seit einem Jahr tobt der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten, bereits zwölfmal traten die Flugzeugführer in den Streik, mehr als 220 Millionen Euro kostete das Deutschlands größte Fluggesellschaft. Nun hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) eine Gesamtschlichtung über alle offenen Tariffragen angeboten. Der Konzern machte sein Entgegenkommen am Tag der Hauptversammlung in Hamburg öffentlich.

VC hatte eine solche Schlichtung über alle offenen Tariffragen seit Langem gefordert, die Lufthansa hatte das stets mit dem Argument abgelehnt, man habe zu einzelnen Punkten noch gar nicht verhandelt. Hintergrund des festgefahrenen Konflikts ist auch die umstrittene Einführung der neuen Billig-Plattform Eurowings, die von der VC kritisiert wird, aber als Unternehmensentscheidung nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen sein kann.

Lufthansa zufolge sind mit der VC sechs Tarifverträge offen, unter anderem zum Gehalt, zur Übergangsversorgung und zu den Betriebsrenten der rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Noch in dieser Woche könne man mit Gesprächen über die Person eines Schlichters beginnen. Es gehe im Sinne der Kunden darum, weitere Streiks zu vermeiden, teilte der Konzern mit.

Vor einer Woche hatte VC-Präsident Ilja Schulz von einer Chance gesprochen, "noch einmal neu über die Sache nachzudenken". Nun reagierte die Pilotengewerkschaft abwartend auf die Offerte der Lufthansa Chart zeigen. Sie forderte die Fluggesellschaft auf, das Angebot am Tariftisch detailliert zu unterbreiten. "Sobald das geschehen ist, werden wir das prüfen und schauen, ob das Hand und Fuß hat", sagte ein Sprecher.

"Wir alle sind enger zusammengerückt"

Zur möglichen Annäherung hat auch der Schock über den Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich mit 150 Toten Ende März beigetragen. Bei der Hauptversammlung stand zunächst die Trauer um die Opfer im Mittelpunkt. Die Aktionäre konnten sich im Hamburger Congress-Centrum in ein Kondolenzbuch eintragen, um der Opfer des schlimmsten Absturzes in der Unternehmensgeschichte zu gedenken.

"Die gesamte Lufthansa- und Germanwings-Familie trauert um die Opfer", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber und leitete eine Schweigeminute ein. Spohr sagte den Hinterbliebenen erneut Beistand und Hilfe zu. "Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen. Wir alle sind enger zusammengerückt."

Wegen des zunehmend knappen Kapitals hat die Lufthansa ihre Investitionen für die Jahre 2016 und 2017 auf jeweils 2,5 Milliarden Euro begrenzt. Aus diesem Grund werde der für 2015 geplante Neubau des Frankfurter Frachtzentrums um zunächst zwei Jahre verschoben, sagte Spohr.

Die Aktionäre sollen für 2014 keine Dividende erhalten. Bei rund 30 Milliarden Euro Umsatz schrieb die Lufthansa lediglich einen Gewinn von 55 Millionen Euro. Gründe sind dem Konzern zufolge unter anderem der stärkere Wettbewerb, stark steigende Pensionslasten und hohe Kosten für die Pilotenstreiks.

fdi/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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raoul2 29.04.2015
1. Dann drücken wir allen
Dann drücken wir allen Beteiligten doch mal alle Daumen, daß auch die VC sich nicht mehr querstellt.
kuschl 29.04.2015
2. Ach, auf einmal geht's?
Na, wer hat denn da im Vorstand dieser Firma den Hebel auf " Einsicht " gelegt? Das hätte man, wenn ich das richtig verfolgt habe, schon einige "Streiks vorher" haben können! Nicht anderes wollten die Piloten! Ist dem Vorstand jetzt klar geworden, daß man ein Unternehmen nicht gegen wichtige Gruppen in der Belegschaft führen kann oder sind die amerikanischen Hedgefonds ausgestiegen, die die Pensionsrücklagen plündern wollten?
CPT retired 29.04.2015
3. raoul2, wenn man keine Ahnung hat, einfach die ... halten
Zitat von raoul2Dann drücken wir allen Beteiligten doch mal alle Daumen, daß auch die VC sich nicht mehr querstellt.
Der Vorschlag zu einer Gesamtschlichtung wurde von der VC bereits Anfang Dezember 2014 unterbreitet, damals aber von der Geschäftsleitung zurückgewiesen. Insofern fallen dümmliche Kommentare bezügl. Querstellens der VC auf den Foristen zurück. Erfreulich, dass die GL anscheinend erkannt hat, dass man Tarifverträge verhandeln muss und nicht diktieren kann. Leider kommt diese Erkenntnis recht spät, hoffentlich nicht zu spät! Millionen Kunden sinnlos vergrault und Millionen Euros sinnlos verbrannt.
RBHAM 29.04.2015
4. Klar,
hätte der Vorstand mal vorher nen anderen Kurs gefahren, hätten sie nicht so viele Millionen Abfindung für hochqualifizierte Mitarbeiter bezahlen müssen, die gerne das Unternehmen verlassen haben. Die Guten gehen, die....
gandhiforever 29.04.2015
5. Dann druecken wir alle mal die Daumen,
dass Herr Spohr es auf einmal ehrlich meint. Ich frage mich, warum er so lange gebraucht hat. Spuert er ploetzlich Gegenwind wegen schlechter Publicity?
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