Zögerliche Ticketerstattung Lufthansa verärgert Bundesregierung

Zwischen Bundesregierung und Lufthansa kriselt es erneut. Nach SPIEGEL-Informationen ist man unzufrieden, dass die Airline trotz staatlicher Milliardenhilfe gestrichene Flüge nur zögerlich erstattet.
Lufthansa-Passagiere an einem Corona-Testzentrum am Frankfurter Flughafen

Lufthansa-Passagiere an einem Corona-Testzentrum am Frankfurter Flughafen

Foto: Michael Probst/ AP

Zwischen Bundesregierung und Lufthansa gibt es nach der mühsamen Einigung auf ein milliardenschweres Hilfsprogramm neue Spannungen. Nach SPIEGEL-Informationen ist das Wirtschaftsressort irritiert, dass die Airline trotz des gigantischen Hilfspakets von rund neun Milliarden Euro immer noch nicht allen Kunden die Kosten für ausgefallene und gestrichene Flüge erstattet hat. Die gesamte vergangene Woche tauschte das Ministerium deswegen teils geharnischte E-Mails mit dem Konzern aus.

Staatssekretär Ulrich Nußbaum bestätigte die Spannungen nach einer SPIEGEL-Anfrage. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahlt", so Nußbaum. Der Staatssekretär mahnte, es gehe um eine "Frage des Vertrauens". Schon bei den Verhandlungen über das Hilfspaket habe man über dieses Thema gesprochen, der Bundesregierung sei eine schnelle Erstattung "sehr wichtig", so Nußbaum.

In der Realität ist Lufthansa indes weiterhin säumig gegenüber vielen Kunden. Laut einer Stellungnahme gegenüber dem Luftfahrtbundesamt vom 3. August sind von 4,48 Millionen Erstattungsanträgen erst 3,24 bearbeitet, rund 1,24 Millionen Anträge indes sind damit noch offen. Bei Eurowings sind laut dem Schreiben erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden. Bei den sogenannten Refunds geht es um sehr viel Geld. Insgesamt, räumte Konzernchef Carsten Spohr kürzlich ein, summieren sich die Kosten für die zu erstattenden Tickets auf drei Milliarden Euro.

In dem siebenseitigen Schreiben räumt Lufthansa kleinlaut Defizite ein. "Trotz enormer Anstrengungen" sei es der Airline in vielen Fällen nicht gelungen, den Zahlungstermin "entsprechend unserer eigenen Ansprüche und der gesetzlichen Vorgaben einzuhalten". Gesetzlich sind alle Airlines verpflichtet, ihre Kunden sieben Tage nach einem ausgefallenen Flug zu entschädigen. Bei Lufthansa indes warten viele der rund drei Millionen betroffenen Kunden seit mehreren Monaten auf ihr Geld. Dass die deutsche Vorzeige-Airline damit hinter ihren internationalen Mitbewerbern hängt, sorgt in Berlin für Kopfschütteln.

In dem Schreiben gelobt Lufthansa Besserung. So führt die Airline als Grund für die Verzögerungen an, einer der wichtigsten Callcenter-Dienstleister in Indien sei wegen des dortigen Lockdowns lange nur eingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Zudem habe die große Zahl an Erstattungsanträgen die Fluggesellschaft schlicht überfordert. So sei das monatliche Refund-Aufkommen etwa siebenmal so hoch wie in normalen Zeiten. Kritiker indes argumentieren, dass die Airline die Erstattungswelle durch die Coronakrise früh absehen konnte, aber nichts zur Vorbereitung tat.

Folgen wird die langsame Bearbeitung in jedem Fall haben. Nach SPIEGEL-Informationen hat das Luftfahrtbundesamt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Nachdem die Lufthansa der Behörde erste Informationen übermittelt hat, halten die Beamten dort für die zögerliche Bearbeitung der Refunds eine Geldstrafe zwischen einer halben und einer Million Euro für angemessen. Im Vergleich zu dem von Lufthansa einbehaltenen Milliarden-Budget für die Millionen von zu erstattenden Tickets sind das fast noch nicht mal die sprichwörtlichen Peanuts.