Umbau bei Lufthansa Wings of Change

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich durchgesetzt. Der Aufsichtsrat billigt sein Konzept für eine neue Billigfluglinie namens Eurowings. Doch die Zustimmung war keineswegs so groß wie erhofft - und die Piloten wollen weiter streiken.
Lufthansa-Chef Spohr: "Jung, frech, dynamisch" soll der Billigflieger werden

Lufthansa-Chef Spohr: "Jung, frech, dynamisch" soll der Billigflieger werden

Foto: Daniel Reinhardt/ picture alliance / dpa

Berlin/Frankfurt - Wer am Mittwoch auf eine Telefonkonferenz mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr wartete, der hörte in der Warteschleife eine Instrumentalversion von "Clocks" der britischen Band Coldplay. Darin fragt sich Sänger Chris Martin: "Bin ich Teil der Kur? Oder bin ich Teil der Krankheit?"

Dieselben Fragen werden sich viele Lufthansa-Mitarbeiter mit Blick auf ihren Chef stellen. Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Spohr den Umbau des Konzerns vorangetrieben. Für die wichtigste Neuerung bekam er am Mittwoch nun die Rückendeckung des Aufsichtsrats: Unter dem bereits für Regionalflüge eingeführten Namen Eurowings gründet Lufthansa eine neue Billigfluglinie für Langstrecken.

Starten soll Eurowings mit drei Langstreckenjets vom Typ Airbus A330, die von Köln aus unter anderem Ziele in Florida oder dem Indischen Ozean anfliegen. Betrieben wird die neue Fluglinie von der Ferienfluggesellschaft Sun Express, einem Joint Venture mit Turkish Airlines. Falls das Angebot angenommen wird, könnten bald vier weitere Maschinen hinzukommen.

Spohr war bemüht, die Neugründung als Kur für sein schwächelndes Unternehmen zu präsentieren. Eurowings soll "jung, frech, dynamisch" sein und Kunden ansprechen, denen das herkömmliche Lufthansa-Angebot zu teuer ist. Auf Interkontinentalflügen sollen die Kosten der Eurowings-Flüge bis zu 40 Prozent unter denen von Lufthansa-Verbindungen liegen, innerhalb von 12 bis 18 Monaten soll das Angebot profitabel werden. Der Schwerpunkt des Konzerns blieben aber Premiumangebote, das zeige auch die für kommendes Jahr geplante Einführung einer neuen ersten Klasse.

Viele Lufthansa-Piloten wollen dieses Versprechen aber nicht glauben. Die aktuellen Streiks der Vereinigung Cockpit (VD) richten sich aus arbeitsrechtlichen Gründen offiziell nur gegen Einschränkungen der Altersversorgung. Doch VC macht keinen Hehl aus der Ablehnung für die neuen Billigflieger. "Das kann nicht funktionieren, weil wir unsere eigenen Preise kannibalisieren", sagte Sprecher Jörg Handwerg der Deutschen Presseagentur.

Kannibalisierung fürchten die Mitarbeiter aber auch untereinander - und Spohr tat am Mittwoch wenig, um solchen Sorgen entgegenzutreten. Er ließ zwar offen, wie genau die enormen Einsparungen gegenüber Lufthansa-Flügen gelingen sollen. Die geringeren Betriebskosten von Eurowings ergäben sich aber natürlich auch durch "günstigere Konditionen in Cockpit und Kabine", sagte der Lufthansa-Chef.

"Genug Interessenten am Arbeitsmarkt"

Von den üppigen Pilotengehältern der Lufthansa wird man bei Eurowings also nur träumen können. Spohr sagte zwar, er sei zuversichtlich, dass sich auch innerhalb des Lufthansa-Konzerns Interessenten für die Jobs bei Eurowings finden. Aber: "Wenn nicht, wird es genug Interessenten am Arbeitsmarkt geben, die in dieser Konstruktion für uns fliegen wollen."

All das ist kaum geeignet, die Sorgen der Mitarbeiter zu entkräften. Und so verwundert es nicht, dass VC an weiteren Streiks am Donnerstag festhält - obwohl Spohr und Personalvorstand Bettina Volkens eine Schlichtung zur umstrittenen Altersvorsorge anboten.

Dieser Schlichtungsvorschlag war in der Aufsichtsratssitzung gar kein Thema gewesen. Auch so verlief das Treffen aber weniger glatt als von Spohr und seinen Vorstandskollegen erhofft. Das Eurowings-Modell für Langstreckenflüge wurde als eine Nummer zu klein, zu windig und zu wenig beherzt kritisiert, auch von Kontrolleuren der Kapitalseite. Mit gerade mal gut einem halben Dutzend Jets könne man Konkurrenten wie Condor oder Air Berlin  kaum das Fürchten lehren. Allenfalls die Preise werde der neue Ableger der Lufthansa   weiter in den Keller drücken, daran könne doch niemand Interesse haben. Neben den beiden VC-Vertretern votierten noch einige weitere Mitglieder der Arbeitnehmerbank gegen das Projekt, konnten aber keine Mehrheit hinter sich bringen.

Vor allem Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, aber auch anderer Arbeitnehmerorganisationen, mäkelten zudem an der geplanten Abtrennung von Teilen der IT-Sparte herum, die an den Computerkonzern IBM verkauft werden soll. Es sei unfair und entspreche nicht dem Stil der Lufthansa, die Beschäftigten in eine ungewisse Zukunft zu entlassen. Am Ende stimmten gut ein halbes Dutzend Belegschaftsvertreter gegen das Vorhaben. Spohr setzte sich jedoch auch in diesem Punkt durch.

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