Ultimatum im Tarifstreit Lufthansa-Flugbegleiter drohen mit Streiks in Ferienzeit

Ein neues Angebot bis Ende Juni - oder wir streiken am 1. Juli: Nach der gescheiterten Schlichtung stellt die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo der Lufthansa ein Ultimatum. Nun drohen Ausstände in der Urlaubszeit.

Ufo-Streik im September 2012 am Flughafen München: Ausstände in Ferienzeit?
DPA

Ufo-Streik im September 2012 am Flughafen München: Ausstände in Ferienzeit?


Bereits im Januar hatte sich die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo mit einer eindeutigen Mehrheit bei der Urabstimmung das Recht zum Streikaufruf gesichert - nun könnte es schon bald soweit sein: Im Tarifkonflikt mit der Lufthansa hat Ufo eine lange Streikserie in der Urlaubszeit angedroht. Erster Streiktag werde der 1. Juli sein, an dem dann die weiteren Streiktage bis mindestens zum 16. September genannt würden, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Montag.

Gleichzeitig stellte Ufo der Lufthansa ein Ultimatum: Die Fluggesellschaft könne den Arbeitskampf noch abwenden, wenn sie bis 30. Juni ein neues Angebot vorlege und anerkenne, dass die gekündigten Regeln zu den Betriebs- und Übergangsrenten bis zu einer Neufassung weiter gelten, sagte Baublies. Bereits für diesen Mittwoch hat Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens den Ufo-Chef zu einem Gespräch eingeladen, teile ein Sprecher des Unternehmens mit.

Der Renten-Tarifstreit der Flugbegleiter mit der Lufthansa ist auch wegen der seit Jahren mickrigen Zinsen eskaliert. Dadurch muss die Fluggesellschaft Rückstellungen in Milliardenhöhe in ihrer Bilanz bilden. Sie will daher das System von festen Pensionszusagen auf feste Beiträge des Arbeitgebers umstellen, wozu Lufthansa die entsprechenden Tarife zum Jahresende 2013 einseitig gekündigt hat. Über eine Neuregelung verhandelt Lufthansa mit den Gewerkschaften Ufo, Ver.di und Vereinigung Cockpit (Piloten) getrennt.

Die Lufthansa will den angedrohten Ufo-Streik nun mit neuen Gesprächen abwenden. Das Unternehmen appellierte an Ufo, ihre Frist bis zum 30. Juni für einen konstruktiven Weg zu nutzen und in die angekündigten Gespräche einzusteigen. "Unser gemeinsames Ziel muss sein, Streiks unbedingt zu vermeiden", teilte die Fluggesellschaft mit.

Warnung vor "leerer Holding ohne nennenswerte Arbeitsplätze"

Am Wochenende war die von Herta Däubler-Gmelin und Friedrich Merz geleitete Schlichtung zu der komplexen Materie gescheitert. Ufo-Chef Baublies warf der Lufthansa vor, den Einigungsprozess gezielt gesprengt zu haben, indem man frühere Verhandlungsergebnisse aus dem Jahr 2014 nicht mehr anerkennen wollte. Dass dies wieder geschehe, sei eine zusätzliche Vorbedingung, um den Streik noch abzuwenden.

Der auch gewerkschaftsintern umstrittene Versuch einer friedlichen Einigung mit der Lufthansa sei gescheitert, sagte Baublies. Lufthansa vergebe eine historische Chance, den notwendigen Konzernumbau mit den Mitarbeitern und nicht gegen sie zu organisieren. Der Gewerkschaftschef warnte die Lufthansa davor, Arbeitsplätze im großen Stil auszulagern und aus dem Unternehmen nur noch "eine leere Holding ohne nennenswerte Arbeitsplätze in Deutschland" zu machen.

Bereits im Sommer 2012 hatte Ufo den ersten Flugbegleiterstreik in der Geschichte der Lufthansa während der Urlaubszeit organisiert und an drei Tagen zusammen rund 1500 Flüge ausfallen lassen.

Mit der parallelen Gesamtschlichtung zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat der Kabinenkonflikt nichts zu tun. Nach zwölf Streikrunden hatten die Piloten im Mai das Lufthansa-Angebot für eine Gesamtschlichtung angenommen. Bis Ende Juli will die Gewerkschaft auf Arbeitsniederlegungen verzichten.

fdi/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
aequalitas 22.06.2015
1. Bei allem Verständnis
für die ach so unterbezahlten Piloten und Flugbegleiter, aber die Lufthansa buche ich persönlich nicht mehr. Da bezahle ich schon erheblich mehr für einen Flug, um dann in Frankfurt am Main stundenlang zu warten und alle Anschlüsse zu verpassen. Ich verbinde diese Marke nur noch mit Frustration.
o.winkelmann 22.06.2015
2. Hoffentlich,
dann kracht die Lufthansa in den Konkurs und Schluss ist. Ich fliege ja eigentlich nie, daher lache ich über das alles. Fliegen ist zu billig. Es müsste zehnmal teurer sein, damit diese Umweltzerstörung endlich ein Ende hat.
loeweneule 22.06.2015
3.
Zitat von o.winkelmanndann kracht die Lufthansa in den Konkurs und Schluss ist. Ich fliege ja eigentlich nie, daher lache ich über das alles. Fliegen ist zu billig. Es müsste zehnmal teurer sein, damit diese Umweltzerstörung endlich ein Ende hat.
An Ihrem Wesen soll die Welt genesen, nicht wahr?
Gluehweintrinker 22.06.2015
4. Da meldet sich wieder einmal der Sozialneid zu Wort
Zitat von aequalitasfür die ach so unterbezahlten Piloten und Flugbegleiter, aber die Lufthansa buche ich persönlich nicht mehr. Da bezahle ich schon erheblich mehr für einen Flug, um dann in Frankfurt am Main stundenlang zu warten und alle Anschlüsse zu verpassen. Ich verbinde diese Marke nur noch mit Frustration.
Soso, was buchen Sie denn "persönlich"? Vielleicht die beliebteste Airline "Qatar"? Chapeau! Vieleicht haben Sie ausgeblendet, mit welchem menschenverachtenden Unternehmen Sie es da zu tun haben? Gerade erst vor wenigen Tagen lasen wir Berichte darüber, was einer Stewardess blüht, wenn sie sich erdreistet, schwanger zu werden. Toll. So etwas muss man unterstützen, nicht wahr? Wehe aber, wenn es dem Deutschen Wutbürger ans Portemonnaie geht, da hat er schnell die roten Plastiktüten von ver.di übergestreift, die Trillerpfeife parat und läuft vor Werkstoren auf und ab. Wenn sich aber eine Branche das Recht herausnimmt, einen Streik zu beginnen, der dem Wutbürger etwas Geduld abverlangt, da ist aber ganz schnell Schluss mit Lustig. Wenn das jeder machen würde - nun ist aber mal gut! Piloten und Flugbegleiter werden hier flott mal eben so in einer Schublade der Vorurteile untergebracht, obwohl zwischen diesen Gehaltsgruppen Welten - ach, was sage ich - Universen liegen. Wenn es Sie wirklich interessieren würde, klickten Sie einmal über die Website des Unternehmens auf "Jobs und Karriere" unten rechts und Sie könnten direkt nachsehen, wie denn Ihre "Überbezahlung" eines Flugbegleiters heute aussieht. Sie scheinen aber nur die Bestätigung ihrer dumpfen Wutbürger-Vorurteile im Sinn zu haben. Na, dann, weiter frohes Dahinwüten!
go-west 22.06.2015
5. Was dem einen recht ist,
ist dem anderen billig. Die Herren Piloten haben es ja vorgemacht. Die Lufthansa dürfte damit mittel-bis langfristig nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Ob man es nun will oder nicht, die Globalisierung ist da, und damit ein globaler Wettbewerb. Entweder stellt man sich dem oder man geht unter. Das Inseldasein, von dem viele träumen, gibt es nicht.
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