Flugbegleiterstreik Lufthansa streicht 1300 Flüge, 180.000 Passagiere betroffen

Die Gewerkschaft UFO hat Flugbegleiter der Lufthansa zum Streik an diesem Donnerstag und Freitag aufgerufen. Ein Gericht hat einen Eilantrag dagegen abgelehnt. Die Airline will in Berufung gehen - hat aber schon Flüge gestrichen.

Darf die Gewerkschaft UFO zum Streik aufrufen?
Silas Stein / DPA

Darf die Gewerkschaft UFO zum Streik aufrufen?


Die Flugbegleiter der Lufthansa dürfen an diesem Donnerstag und Freitag streiken. Das Arbeitsgericht Frankfurt lehnte die einstweilige Verfügung der Fluggesellschaft gegen den angekündigten 48-Stunden-Streik der Gewerkschaft UFO ab. Lufthansa will einem Unternehmenssprecher zufolge nun beim Landesarbeitsgericht in Berufung gehen.

Die Tarifverträge sind nach Auffassung des Gerichts wirksam gekündigt, es gebe damit keinen Verstoß gegen die Friedenspflicht. Der geplante Streik sei auch nicht unverhältnismäßig.

Vor der Entscheidung des Arbeitsgerichts Frankfurt hatte die Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden UFO-Vorstand ab dem 15. Februar 2020 finalisiert werden könnten. UFO lehnte das ab.

Die Fluggesellschaft sagt deshalb insgesamt 1300 Flüge mit rund 180.000 betroffenen Passagieren ab. Am Donnerstag sollen in der Gruppe 700 von 3000 geplanten Flügen gestrichen werden und am Freitag 600, teilte das Unternehmen mit.

Was Lufthansa-Passagiere jetzt wissen müssen, lesen Sie hier.

Am Freitagmittag will die Gewerkschaft einen Protestmarsch und eine Kundgebung vor der Konzernzentrale am Flughafen abhalten. Grund sei die Weigerung der Lufthansa, über Tarife zu verhandeln. UFO-Vizechef Daniel Flohr kündigte an, die Arbeitskampfwelle könne auf die Tochtergesellschaften des Konzerns - Eurowings und Sunexpress - ausgeweitet werden.

In einer Urabstimmung bis Ende vergangener Woche konnten UFO-Mitglieder über unbefristete Streiks bei allen Lufthansa-Betrieben entscheiden. Die Lufthansa vertrat in der Gerichtsverhandlung über den Eilantrag die Auffassung, der Streikbeschluss sei nicht rechtmäßig, weil UFO die Abstimmungsregeln während des laufenden Votums geändert habe. Statt 70 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder gelte jetzt, dass 70 Prozent der Abstimmenden als Quorum ausreichten. Das Gericht teilte jedoch das Argument von UFO, dass es eine interne Angelegenheit ist, wie ein Streikbeschluss zustande kommt.

Nach einem internen Streit ist bei UFO ein neuer Vorstand im Amt, den die Mitgliederversammlung im Amt bestätigte. Die Lufthansa ist dagegen der Ansicht, der nur noch aus zwei Personen bestehende Vorstand sei nicht vertretungsberechtigt. Unterdessen prüft das Unternehmen die Aufnahme von Tarifverhandlungen für das Kabinenpersonal mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, eine große Mehrheit der UFO-Mitglieder habe sich bei der Urabstimmung für Streiks ausgesprochen. Tatsächlich ist über das Quorum ein Streit mit der Lufthansa entbrannt. Wir haben die Stelle präzisiert.

beb/kko/dpa/Reuters



insgesamt 70 Beiträge
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Gluehweintrinker 06.11.2019
1. Die Zeit der juristischen Winkelzüge ist vorbei
Gut so! Das Klima zwischen Lufthansa und ihren Besatzungsmitgliedern ist vergiftet und seit Jahren sind von Seiten der Gesellschaft keine Bemühungen erkennbar daran etwas zu ändern. Taschenspielertricks, Drohungen und keine erkennbaren Verbesserungen bei Arbeits- und Dienstplanbedingungen haben zu weit verbreitetem Frust bei Beschäftigten geführt. Und nun nehmen wir unsere Arbeitnehmerrechte auf einen Arbeitskampf in Anspruch. Verwunderlich, aber inzwischen erwartbar ist die nicht existente Solidarität aus der Bevölkerung, wie wir in Kürze wieder an entsprechenden Einträgen in den Kommentaren sehen werden. Offenbar erwartet man, dass Dienstleister gar nicht streiken, weil sonst der Kunde betroffen sei. Was ist das für eine Einstellung? "Auf dem Rücken der Passagiere" heißt es da, und es wird von "armen Bürgern" fabuliert, die nun ihr Kreuzfahrtschiff zu verpassen drohen. Es wird von "überbezahlten Hilfskräften" gepöbelt und keine denkbare Herabwürdigung ausgelassen, und das in einem der reichsten Länder Europas, in dem das hochwertige Produkt Flugreise für ein Taschengeld zu haben ist. Es läuft einiges schief bei uns, besonders im Verständnis um Tarifautonomie, und es wird höchste Zeit, dass wir Kabinenbesatzungen klar machen, dass der Flugbetrieb wie auch jede andere Dienstleistung einer Arbeit zugrunde liegen die tagtäglich und rund um die Uhr von Menschen getätigt werden. Wir sind keine anonyme Manövriermasse, die man nach Belieben kreuz und quer durch die Welt schicken und deren Bedürfnisse man über viele Jahre unberücksichtigt lassen kann, ausgestattet mit unzureichenden Arbeitsmitteln und zusätzlich belastet durch absurd rudimentäre Verhältnisse, wie wir es 2019 im Zuge der Cateringeinschränkungen erleben mussten. Gute Leistung gibt es nicht zum Nulltarif. Und nun, liebe Neider, und Bevorzuger jener Airlines, die "niemals streiken", Feuer frei für Eure Wut. Ich wette, wir lesen die selben Platitüden wie immer.
ID Fake 06.11.2019
2.
Was mir immer wieder extrem sauer aufstößt ist, dass mittlerweile bei fast jedem angekündigten Streik zu Gericht gerannt wird. Das zeigt doch nur auf, dass man kein wirkliches Interesse hat oder hatte, kompromissfähige Angebote zu unterbreiten. Nunja, viel Erfolg, UFO.
aktiverbeobachter 06.11.2019
3.
"Tarifautonomie" "Gute Leistung gibt es nicht zum Nulltarif." "Und nun nehmen wir unsere Arbeitnehmerrechte auf einen Arbeitskampf in Anspruch" und Sie sprechen von Plattitüden. Klasse.
MisterD 06.11.2019
4. Da haben Sie vollkommen Recht...
Zitat von GluehweintrinkerGut so! Das Klima zwischen Lufthansa und ihren Besatzungsmitgliedern ist vergiftet und seit Jahren sind von Seiten der Gesellschaft keine Bemühungen erkennbar daran etwas zu ändern. Taschenspielertricks, Drohungen und keine erkennbaren Verbesserungen bei Arbeits- und Dienstplanbedingungen haben zu weit verbreitetem Frust bei Beschäftigten geführt. Und nun nehmen wir unsere Arbeitnehmerrechte auf einen Arbeitskampf in Anspruch. Verwunderlich, aber inzwischen erwartbar ist die nicht existente Solidarität aus der Bevölkerung, wie wir in Kürze wieder an entsprechenden Einträgen in den Kommentaren sehen werden. Offenbar erwartet man, dass Dienstleister gar nicht streiken, weil sonst der Kunde betroffen sei. Was ist das für eine Einstellung? "Auf dem Rücken der Passagiere" heißt es da, und es wird von "armen Bürgern" fabuliert, die nun ihr Kreuzfahrtschiff zu verpassen drohen. Es wird von "überbezahlten Hilfskräften" gepöbelt und keine denkbare Herabwürdigung ausgelassen, und das in einem der reichsten Länder Europas, in dem das hochwertige Produkt Flugreise für ein Taschengeld zu haben ist. Es läuft einiges schief bei uns, besonders im Verständnis um Tarifautonomie, und es wird höchste Zeit, dass wir Kabinenbesatzungen klar machen, dass der Flugbetrieb wie auch jede andere Dienstleistung einer Arbeit zugrunde liegen die tagtäglich und rund um die Uhr von Menschen getätigt werden. Wir sind keine anonyme Manövriermasse, die man nach Belieben kreuz und quer durch die Welt schicken und deren Bedürfnisse man über viele Jahre unberücksichtigt lassen kann, ausgestattet mit unzureichenden Arbeitsmitteln und zusätzlich belastet durch absurd rudimentäre Verhältnisse, wie wir es 2019 im Zuge der Cateringeinschränkungen erleben mussten. Gute Leistung gibt es nicht zum Nulltarif. Und nun, liebe Neider, und Bevorzuger jener Airlines, die "niemals streiken", Feuer frei für Eure Wut. Ich wette, wir lesen die selben Platitüden wie immer.
Aber ich denke nicht, dass man bei der Lufthansa von "Nulltarif" sprechen kann. Für einen Flug von HAJ nach GOT und zurück zahle ich im Jahresdurchschnitt um die 600 EUR. Das ist weit entfernt von einem Billigpreis... Da mich die Lufthansa nun schon zum dritten Mal (durch Streik, durch Verspätungen noch viel öfter) genau dann stehen lässt, wenn ich wegen Terminen am Wochenende dringend nach Hause muss, bin ich natürlich mehr als angepisst... Denn ich frage mich, warum ausgerechnet die gut bezahlte Lufthansa bestreikt wird und nicht die Billigflieger Germanwings und Eurowings? ICH bin als doch als derjenige, der die hohen Lufthansa-Ticketpreise löhnt, nicht verantwortlich für die Billigkonkurrenz im eigenen Hause oder gar für RyanAir? Hier schießt sich UFO ins eigene Knie, denn man vergrault seine treue und gut zahlende Stammkundschaft. Der Kampf gegen Billiglöhne bei Germanwings und Eurowings ist berechtigt. Aber dann legen Sie bitte DIESE Flüge lahm und nicht die der Lufthansa... denn die Angestellten der Lufthansa Kernmarke, verdienen mehr als gutes Geld, von denen braucht sich keiner beschweren...
spon.20.jpiranha 06.11.2019
5. Natürlich auf dem Rücken der Kunden
...hier sogar auf dem Rücken der Stammkunden, die dem Unternehmen die höchsten Umsätze bescheren. Denn Donnerstags und Freitags fliegen die meisten Pendler und Firmenkunden zurück nach Hause, die üblicherweise auch die teuren, flexiblen Tarife nutzen. Diese kommen jetzt nicht mehr nach Hause, bzw. nur mit massiven Verspätungen (ich fliege z.B. HAM-MUC, was mit dem Zug fast einen ganzen Tag dauert). Das wird leider von der UFO liebend gerne in Kauf genommen. Warum findet dieser Streik nicht Mo+Di statt? Die Konsequenzen für die LH wären dieselben. Die "Berufsflieger" könnten ein paar Tage Home Office einschieben und wären meistens bereit, den Streik zu akzeptieren. Hier wird auf eine möglichst große Breitenwirkung und Verärgerung der Kunden abgezielt. Das ist einfach nur dumm. j
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