Berechnung in der Coronakrise Lufthansa hat in Deutschland angeblich 11.000 Stellen zu viel

Die Lufthansa-Gruppe hat errechnet, dass sie einen Personalüberhang von 22.000 Stellen hat - die Hälfte davon fällt auf Deutschland. Die ersten Kündigungen sollen bereits beantragt worden sein.
Arbeiten bei Lufthansa Technik: 300 Kündigungen sollen bereits beantragt worden sein

Arbeiten bei Lufthansa Technik: 300 Kündigungen sollen bereits beantragt worden sein

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Die Coronakrise trifft Lufthansa hart: Das Unternehmen hat errechnet, dass es allein in Deutschland 11.000 Stellen zu viel hat. Insgesamt bezifferte das Unternehmen die rechnerischen Überkapazitäten bereits vergangene Woche auf 22.000 Vollzeitstellen in der Gruppe. Die Hälfte davon in Deutschland, wie das Unternehmen nun mitteilte. Gut eine Woche vor der entscheidenden Abstimmung der Aktionäre über das staatliche Rettungspaket nannte die Airline am Montag genauere Zahlen.

Nach Angaben von Lufthansa gibt es im gesamten Flugbetrieb von Lufthansa Airline einen rechnerischen Überhang von knapp 5000 Stellen:

  • 2600 entfallen davon auf Flugbegleiter,

  • 1500 auf Bodenmitarbeiter

  • und 600 auf Piloten.

"Nach unseren aktuellen Annahmen über den Geschäftsverlauf der kommenden drei Jahre haben wir allein bei Lufthansa perspektivisch keine Beschäftigung für jeden siebten Piloten und jeden sechsten Flugbegleiter sowie zahlreiche Mitarbeiter am Boden", sagte Personalvorstand Michael Niggemann laut einer Mitteilung . Lufthansa wolle möglichst viele Mitarbeiter über die Krise hinweg halten und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. "Dazu müssen die Verhandlungen über die Krisenvereinbarungen gemeinsam zum Erfolg führen", sagte Niggemann.

  • Betroffen sind den Angaben zufolge weitere 1400 Stellen in der Zentrale und bei anderen Konzerngesellschaften in der Administration. 

  • Lufthansa Technik hat demnach weltweit einen Personalüberhang von rund 4500 Stellen, davon 2500 in Deutschland. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di hat die Unternehmensführung beim Betriebsrat bereits die Kündigung von 300 Mitarbeitern von Lufthansa Technik beantragt.

  • Im Cateringgeschäft der LSG Group sind von der Überkapazität weltweit 8300 Stellen betroffen, davon 1500 in Deutschland.

Lufthansa will mehr als 100.000 Arbeitsplätze sichern

Die Fluggesellschaft und die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit, Ufo und Verdi ringen derzeit um ein Sparpaket. Das Unternehmen will mit den Tarifpartnern bis zum 22. Juni 2020 zu konkreten Ergebnissen kommen. Der Lufthansa-Konzern beschäftigt rund 138.000 Mitarbeiter.

"In der größten Krise der Luftfahrtgeschichte wollen wir trotz aller Herausforderungen über 100.000 Arbeitsplätze in der Lufthansa Group langfristig sichern. Dafür sind schmerzhafte Restrukturierungen unumgänglich, die wir möglichst sozial verträglich umsetzen wollen", sagte Niggemann.

Der Konzernumbau trifft auch die Töchter im In- und Ausland. Der Flugbetrieb von Germanwings wird nicht wiederaufgenommen, wie Lufthansa bereits mitgeteilt hatte. Eurowings verringert den Angaben zufolge die Personalkapazität in der Verwaltung um 30 Prozent und streicht dafür 300 Stellen. Bei Austrian Airlines gibt es aufgrund der Flottenverkleinerung einen Personalüberhang von 1100 Stellen. Brussels Airlines wird ihre Kapazitäten um 1000 Stellen reduzieren, bei Lufthansa Cargo sind es 500 Stellen.

Die Corona-Pandemie mit den Reisebeschränkungen hatte die Geschäfte der Lufthansa mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Der Konzern benötigt daher staatliche Hilfe. Im Gegenzug für ein neun Milliarden schweres Rettungspaket einschließlich Beteiligung des Bundes an dem Unternehmen muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Die Aktionäre müssen das Paket auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni noch bestätigen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will den Anteilseignern ein Sparkonzept präsentieren.

ptz/dpa
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