Nach Streit um Masken Jüdischen Passagieren den Flug verweigert – Lufthansa entschuldigt sich

Einige orthodoxe Juden hatten sich auf einem Flug gegen Coronamasken gesträubt. Nach bisherigem Stand schloss das Lufthansa-Personal danach alle erkennbar jüdisch-orthodoxen Personen vom Weiterflug aus. Das Unternehmen gibt sich zerknirscht.
Lufthansa-Maschinen (Archivbild)

Lufthansa-Maschinen (Archivbild)

Foto: Christof Strache / AFP

Ein Zwischenfall am Frankfurter Flughafen beschäftigt inzwischen die Unternehmensspitze der Lufthansa – und die Politik. Die Fluglinie hat sich dafür entschuldigt, dass sie in der vergangenen Woche rund 120 orthodoxen Juden den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest verweigert hat.

»Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen«, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Tweet der Fluggesellschaft. »Die Ereignisse stehen nicht im Einklang mit unseren Werten«, so das Unternehmen weiter. Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker forderte die Führungsspitze auf, Stellung zu beziehen.

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Der Vorfall hatte sich am vergangenen Mittwoch (4. Mai) in Frankfurt am Main ereignet. Vorangegangen sei die mehrfache Weigerung einiger Fluggäste auf dem Flug von New York nach Frankfurt, auch nach Aufforderung der Crew, Masken zum Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu tragen. So schilderte es die Lufthansa. Vor den Toiletten hätten sich Gruppen gebildet, was nach den Regeln der US-Flugaufsicht nicht erlaubt ist.

Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« schrieb unter Berufung auf einen Passagier der Lufthansa-Maschine aus New York, es seien alle Reisenden, die durch Hut und Schläfenlocken als Juden zu erkennen gewesen seien, von der weiteren Beförderung ausgeschlossen worden – und nicht gezielt die Passagiere, die sich falsch verhalten hätten.

Klare Worte des Antisemitismusbeauftragten

Im Lufthansa-Statement vom Dienstag heißt es weiter, der Vorfall werde sehr ernst genommen und es werde weiter intensiv an der Aufklärung gearbeitet. »Ungeachtet davon bedauern wir, dass der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken.«

Hessens Antisemitismusbeauftragter teilte am Dienstagabend mit, offensichtlich sei allein wegen ihres erkennbaren Glaubens eine ganze Gruppe von Menschen für etwas verantwortlich gemacht worden, das offensichtlich nur einzelne Reisende betraf.

»Dies ist diskriminierend und keine Bagatelle, und umso mehr sollte sich auch die Unternehmensspitze persönlich in der Verantwortung sehen, sich für diesen Vorfall zu entschuldigen und klar und unmissverständlich Stellung beziehen«, so Becker. Für Gespräche stehe er der Lufthansa gerne zur Verfügung. »So etwas darf sich nicht wiederholen«, sagte der Antisemitismusbeauftragte.

jok/dpa