Teure Tickets nach Air-Berlin-Pleite Kartellamtschef fertigt Lufthansa ab

Die Lufthansa bestreitet vehement, ihre neue Marktmacht auszunutzen - doch den Chef des Bundeskartellamts kann sie bislang nicht überzeugen: Die Airline verstecke sich hinter Computeralgorithmen.
Lufthansa-Jumbojet auf dem Flughafen Berlin-Tegel

Lufthansa-Jumbojet auf dem Flughafen Berlin-Tegel

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Bereits Ende November hat das Bundeskartellamt eine Prüfung der teils drastisch gestiegenen Preise für Inlandsflüge der Lufthansa angekündigt. Das Ergebnis steht noch aus, doch nun hat sich der Chef der Wettbewerbsbehörde ausgesprochen skeptisch über die Argumentation des deutschen Marktführers geäußert. Das Unternehmen könne sich nicht hinter seinem computerbasierten Preissystem verstecken, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ").

Obwohl Experten schätzen, dass die Ticketpreise für manche Inlandsflüge nach der Pleite des Konkurrenten Air Berlin um bis zu 30 Prozent gestiegen sind, bestreitet die Lufthansa vehement, ihre Marktmacht auszunutzen. Sie habe die Preise nicht erhöht, beteuert die Fluggesellschaft. Vielmehr funktioniere das Tarifsystem über die Mechanismen von Angebot und Nachfrage, abhängig davon ermittle eine Software, wie viele Tickets in welcher Buchungsklasse verkauft würden.

Lesen Sie hier: Wie die Lufthansa vom Aus für Air Berlin profitiert

Kartellamtschef Mundt hält dem in der "SZ" nun entgegen: "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben." Der angekündigten Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde waren zahlreichen Beschwerden von Kunden vorausgegangen. Es werde untersucht, ob eine Preisschwelle übertreten worden sei, ab der Lufthansa ihre neue Macht missbraucht und die Preise unangemessen heraufgesetzt habe, sagte Mundt der Zeitung.

Auch ein weiteres Argument der Lufthansa   hält Mundt nicht für stichhaltig. Im kommenden Jahr werde der Engpass bei den innerdeutschen Flügen durch zusätzliche Kapazitäten überwunden, hatte der Marktführer mehrfach verlauten lassen. So soll ab Januar die Konzern-Billigtochter Eurowings mit übernommenen Air-Berlin-Fliegern weitere Flüge anbieten. "Wie ernst wollen Sie das nehmen?", kommentierte Mundt das. "Das wäre doch das erste Mal, dass sich ein Konzern selbst echte Konkurrenz macht."

Vor einigen Tagen hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Vorwürfe erneut scharf zurückgewiesen - allerdings zugestanden, dass das Unternehmen vom Aus für Air Berlin profitiere. Spohr nannte sogar Zahlen: Man rechne damit, etwa ein Viertel des Umsatzes zu gewinnen, im Zeitraum von Oktober bis Dezember dieses Jahres seien das rund 150 Millionen Euro an Mehrerlösen. Wie viel davon aber als Gewinn bei der Lufthansa verbleiben wird, bezifferte Spohr nicht.

fdi/Reuters
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