Drohende Streiks Lufthansa kündigt verbessertes Angebot für Piloten an

Schon am Mittwoch könnten die Piloten bei Lufthansa erneut die Arbeit niederlegen. Das will der Konzern jetzt mit einer neuen Offerte verhindern.
Anzeigetafel mit gestrichenen Lufthansa-Flügen am 2. September in München

Anzeigetafel mit gestrichenen Lufthansa-Flügen am 2. September in München

Foto: Peter Kneffel / dpa

Angesichts weiterer drohender Streiks der Lufthansa-Piloten hat die Fluglinie ein verbessertes Tarifangebot angekündigt. Man werde es am Dienstag unterbreiten, kündigte Lufthansa am Morgen in Frankfurt an. Die Verhandlungen sollen um zehn Uhr beginnen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte in der Nacht zu Dienstag eine zweite Streikwelle ab Mittwoch angekündigt, die nur noch durch ein »ernst zu nehmendes Angebot« seitens der Lufthansa verhindert werden könne. Die Piloten hatten bereits am vergangenen Freitag den kompletten Betrieb der Lufthansa-Kerngesellschaft lahmgelegt.

Bis spätestens zwölf Uhr muss laut Lufthansa entschieden werden, ob für die angedrohten Streiktage ab Mittwoch Flüge gestrichen werden. Dies sei sowohl für die Flugzeug- und Crewdisposition als auch für einen zumindest minimalen Vorlauf für die betroffenen Fluggäste notwendig.

Im Falle eines Streiks am 7. und 8. September sei erneut mit erheblichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Lufthansa zu rechnen, so die Airline. Die Lufthansa hatte bereits für den vergangenen Freitag den kompletten Betrieb der Lufthansa-Kerngesellschaft gestrichen, nachdem die Vereinigung Cockpit zum Streik aufgerufen hatte.

Lufthansa will fast 20.000 Mitarbeiter einstellen

Dank der Erholung der Luftfahrt von der Coronakrise plant Lufthansa unterdessen einen massiven Personalaufbau. »Fast 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden wir bis Ende nächsten Jahres einstellen, das heißt ganz grob tausend Mitarbeiter pro Monat«, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem Pressegespräch. Dabei handele es sich um 12.000 neue Beschäftigte und rund 8000, die als Ersatz für ausscheidende Mitarbeiter eingestellt werden sollen.

In der Pandemiekrise, die den Luftverkehr weltweit lange lähmte, war die Airline-Gruppe von knapp 140.000 auf rund 100.000 Beschäftigte geschrumpft. An manchen Stellen war zu viel Personal abgebaut worden, was zu generellen Problemen im Betriebsablauf in diesem Sommer aufgrund von Personalmangel führte. Doch die Lage habe sich nach den »dunklen Stunden im Juli« stabilisiert, wenn auch die Pünktlichkeitsquote mit nur zwei Dritteln der Flüge noch nicht hinnehmbar sei, so Spohr.

Spohr verspricht Hilfe gegen Inflation

In der aufziehenden Wirtschaftskrise will Lufthansa vor allem außerhalb Deutschlands wachsen. Das Unternehmen befinde sich weiter auf dem im Frühjahr eingeschlagenen Gewinnkurs, sagte Spohr. Er halte die Rezession im Heimatmarkt für »wahrscheinlich unausweichlich«. Deutschland wird härter getroffen werden als andere Märkte in Europa. »Da tröstet es schon fast, dass wir inzwischen nur noch ein Drittel unseres Umsatzes in Deutschland erzielen.«

Zu den verschiedenen Tarifkonflikten im Konzern sagte Spohr, dass man das Wort Partnerschaft wieder mit Leben füllen müsse. Zum Markenkern der Lufthansa gehöre die technische und fliegerische Kompetenz des Personals. In Zeiten der Inflation seien deutliche Gehaltssteigerungen insbesondere in den unteren Gruppen »absolut angemessen« und manche einstmals ausgehandelten Einstiegsgehälter so nicht mehr haltbar. »Wir haben unsere Mitarbeiter nicht allein gelassen in der Pandemie, und wir werden sie auch nicht allein lassen in der Inflation.«

dab/dpa/Reuters
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