Interne Befragung Lufthansa-Mitarbeiter unzufrieden mit Vorstand und Service

Kurz vor dem Germanwings-Streik werfen die Ergebnisse einer internen Befragung von Flugbegleitern ein schlechtes Licht auf die Lufthansa-Führung. Auch bei den Produkten sehen Befragte massive Schwächen.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Es mangele an Ehrlichkeit im Umgang mit den Flugbegleitern, so eine Aussage der Befragung

Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Es mangele an Ehrlichkeit im Umgang mit den Flugbegleitern, so eine Aussage der Befragung

Foto: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Hört das denn nie auf mit den Streiks bei der Lufthansa? Das dürften sich viele Kunden gefragt haben, als die Kabinengewerkschaft UFO ausgerechnet zum Jahresabschluss einen dreitägigen Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings ankündigte. Sie betreibt 30 Maschinen für den Billigableger Eurowings.

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Bis mit den ständigen Ausständen Schluss ist, dürfte es wohl noch etwas dauern. Und die Stimmung zwischen der Geschäftsführung und den Flugbegleitern ist auch in anderer Hinsicht mies, wie eine interne Befragung unter den in Frankfurt und München stationierten Kabinenkräften und ihren jeweiligen Einsatzchefs, den sogenannten Pursern, zeigt.

Teilgenommen haben mehr als 60 Prozent aller Kabinenmitarbeiter. Demnach funktioniert die Zusammenarbeit mit den direkten Vorgesetzten noch relativ gut. Düster sieht es dagegen bei der Bewertung des Konzernvorstands um CEO Carsten Spohr aus. Rund 60 Prozent der Befragten meinten, dass es Spohr und Co. an Ehrlichkeit im Umgang mit den Flugbegleitern mangeln ließen.

Immerhin gut 50 Prozent der Befragten monierten, die oberste Führungsriege sei zu wenig sichtbar und präsent. Fast 60 Prozent der beteiligten Bordmitarbeiter kritisierten zudem die Ausrüstung der Jets. Sie sei nicht ausreichend geeignet, um einen guten Service für die Kunden sicherzustellen. Reparaturen würden oft nicht zeitnah ausgeführt, Spiegel zuweilen nur provisorisch an die Wand geklebt. Häufig gebe es kein Heißwasser, auch die Toiletten fielen viel zu häufig aus.

Die Flugzeuge seien teilweise sehr schmutzig

Schlechte Noten bekommt insbesondere das spritsparende und deshalb stark nachgefragte Modell Airbus A320 Neo. Die Kabine sei viel zu eng, es fehle an Stauraum, was wiederum Aggressionen bei den Reisenden schüre. Manche Lufthanseaten sehen Lufthansa nicht als "Fünf-Sterne"-Fluglinie, der Kunde stehe nicht mehr im Mittelpunkt. Die Bodenprodukte würden schlechter, die IT sei mangelhaft.

Auch komme es laut Meinung von Mitarbeitern zu einem Verlust an Statuskunden. Die Flugzeuge seien teilweise sehr schmutzig, etwa unter den Business-Class-Sitzen oder auch die Teppiche. Kabinenmitarbeiter seien zu einem Stoßdämpfer zwischen dem Kunden und dem Vorstand geworden.

In der Auswertung weiterer Kommentare zeigt die interne Studie bedenkliche Mitarbeiter-Résumés: Der Konzernvorstand der Lufthansa bringe den eigenen Kabinencrews "keine Wertschätzung" und "kein Vertrauen" entgegen, eine "langfristige Arbeitsbeziehung scheint nicht mehr gewünscht" und würde nicht mehr "gelebt".