Krise bei der Lufthansa Nachwuchspiloten gehen auf die Straße

Hunderte Lufthansa-Nachwuchspiloten haben keine Aussicht auf einen Job bei der angeschlagenen Fluggesellschaft. Heute demonstrieren sie in Bremen gegen "die Kaltschnäuzigkeit des Managements".

Lufthansa-Flugsimulator: Schieflage bei der Ausbildung
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Lufthansa-Flugsimulator: Schieflage bei der Ausbildung

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Reisen in ferne Länder, Übernachtung im Luxushotel und dazu noch ein Jahresgehalt von bis zu 200.000 Euro inklusive Spesen und Zulagen. Ein Arbeitsplatz als Pilot bei der Lufthansa gilt bei Jugendlichen noch immer als Traumjob.

Rund 7000 junge Männer und Frauen absolvieren jedes Jahr den Lufthansa-Einstellungstest beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR). Wer ihn besteht, und das sind gerade mal sechs Prozent der Teilnehmer, kann sich zu Recht zur Elite der Lüfte zählen. Ausgerechnet die kleine, aber feine Truppe beschert der Lufthansa Chart zeigen nun zusätzlichen Ärger.

Gut hundert Nachwuchsflugzeugführer, im Firmenjargon "NFF" genannt, wollen heute Nachmittag vor der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule in Bremen demonstrieren, um stellvertretend für mehrere hundert Kollegen auf die missliche Lage der Cockpitanwärter aufmerksam zu machen. Eine solche Aktion hat es in der sechzigjährigen Geschichte des Unternehmens noch nicht gegeben. Allerdings war die Ausgangslage für die Pilotenanwärter auch noch nie so düster.

Ungewisse Zukunftsaussichten

Weil die Lufthansa-Flotte deutlich langsamer wächst als geplant und Konzernchef Carsten Spohr das Passagiergeschäft sukzessive auf günstigere Ableger wie die neue Billigmarke Eurowings verlagern will, schrumpft auch der Bedarf an Piloten für die angestammte Haupt- und Hausmarke Lufthansa.

Die Folgen sind drastisch:

  • In diesem Jahr finden an der Bremer Verkehrsfliegerschule überhaupt keine neuen Lehrgänge für Cockpitnovizen statt.
  • Wer die DLR-Prüfung in der Tasche hat, kann frühestens 2016 mit der Ausbildung im hohen Norden beginnen, vorausgesetzt, es gibt bis dahin überhaupt wieder neue Kurse.

Alles in allem verharren derzeit mehr als 700 Nachwuchspiloten in der Warteschleife - mit unterschiedlichem Ausbildungsstand und ungewissen Zukunftsaussichten. Manche schieben in der Kabine als Flugbegleiter Dienst, wieder andere jobben in der Bodenabfertigung oder als Gerüstbauer. Einige haben auch ein Studium aufgenommen.

Junge Piloten wollen Öffentlichkeit erreichen

Bereits in der Vergangenheit gab es immer mal wieder kurze Phasen, in denen die Ausbildung an der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule stockte, etwa, wenn die Geschäftsleitung sich beim Bedarf verrechnet hatte oder Krisen aufs Geschäft drückten. So viele Cockpitanwärter wie zur Zeit waren allerdings noch nie betroffen. Deshalb gehen die enttäuschten jungen Männer und Frauen nun in die Offensive.

Schon vor einigen Monaten haben sie eine eigene Organisation, den sogenannten NFF-Rat gegründet, der ihrem künftigen Wunsch-Arbeitgeber ordentlich Dampf machen soll. Mit ihrer geplanten Demo wollen die Cockpit-Youngster nun erstmals auch eine breitere Öffentlichkeit auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen.

Zumindest die altgedienten Piloten der Lufthansa haben sie mit ihren Argumenten schon überzeugt. "Der Umgang mit unseren Nachwuchsflugzeugführern", heißt es im jüngsten Rundschreiben der Personalvertretung der Kapitäne, sei "beschämend" und lasse "die Kaltschnäuzigkeit des Managements auf ganzer Linie erkennen".



insgesamt 83 Beiträge
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Alfred Ahrens 02.07.2015
1. Die NFF können machen, was sie wollen, der Kranich fliegt weiter!
Der Markt bestimmt das Geschäft und nicht ein paar NFF, die sich einen freien Nachmittag machen wollen. Wie unlogisch ist das denn, gegen den vorzugehen, der die Ausbildung ermöglicht ???
flashgordon79 02.07.2015
2. Gut so!
Beste Grüße an die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Ihr sollt wissen, dass wir hinter Euch stehen und dafür kämpfen, dass Ihr einen sicheren Arbeitsplatz in UNSEREM Unternehmen bekommt. Ich verstehe nicht, dass aus dem Mord in den Alpen offenbar nicht gelernt worden ist und Ihr so hingehalten werdet. Wir brauchen weiterhin gut ausgebildete und motivierte Piloten um unseren Gästen Sicherheit an Bord verkaufen zu können. Keinen Eurowings billig Müll!
errorinpersona 02.07.2015
3. Luxushotel und 200k Jahresgegalt
Für etwas bessere Busfahrer. Willkommen in der Realität Freunde! Die fetten Jahre sind vorbei. Aber tröstet euch! Allen anderen geht es schon immer so. Fette Einkommen gibt's nur noch mit Spitzenqualifikationen (= Uni-Abschluss) und Selbstausbeutung.
andneu 02.07.2015
4. @Alfred Ahrens
Zitat von Alfred AhrensDer Markt bestimmt das Geschäft und nicht ein paar NFF, die sich einen freien Nachmittag machen wollen. Wie unlogisch ist das denn, gegen den vorzugehen, der die Ausbildung ermöglicht ???
Falsch. Das Geschäft bestimmt der Vorstand. Sollten Sie weiterhin der Meinung sein, der "Markt" sollte die Lufthansa leiten, teilen Sie uns bitte dessen vollständigen Vor- und Nachnamen, sowie dessen genaue Geschäftsanschrift mit.
dankegut 02.07.2015
5. Ursache und Wirkung
"Weil die Lufthansa-Flotte deutlich langsamer wächst als geplant und Konzernchef Carsten Spohr das Passagiergeschäft sukzessive auf günstigere Ableger wie die neue Billigmarke Eurowings verlagern will,..." ...als kämen diese Maßnahmen aus dem Nichts. Die Herleitung könnte auch beginnen mit "Weil die etablierten Piloten nicht bereit scheinen, auf Pfründe zu verzichten..."
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