Nach Kursabsturz Lufthansa rutscht aus dem Dax

Die Coronavirus-Pandemie hatte den Börsenkurs der Lufthansa einbrechen lassen. Nun fällt der Konzern deswegen aus dem größten deutschen Aktienindex. Ein Nachfolger steht schon fest.
Geparkte Lufthansa-Maschinen am Flughafen München

Geparkte Lufthansa-Maschinen am Flughafen München

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Der Kursabsturz in der Coronavirus-Krise kostet die Lufthansa ihren Platz im Deutschen Aktienindex (Dax). Wie die Deutsche Börse mitteilte, steigt Deutschlands größte Fluggesellschaft zum 22. Juni in den MDax der mittelgroßen Werte ab. Neu im Kreis der 30 Dax-Konzerne ist der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen.

Für die Zugehörigkeit zum Dax sind das Handelsvolumen an der Börse und die Marktkapitalisierung eines Unternehmens entscheidend. Beides reichte bei der Lufthansa nun nicht mehr aus, um weiter im Dax zu verbleiben. Die Airline war seit rund 32 Jahren ununterbrochenes Mitglied in dem Index.

Die Lufthansa steht schwer unter Druck, weil wegen der weltweiten Coronavirus-Pandemie seit Monaten kaum noch Flugverkehr möglich ist. In dem Konzern mit etwa 138.000 Beschäftigten stehen deswegen Tausende Jobs auf der Kippe. Die Bundesregierung brachte für den Konzern zuletzt ein neun Milliarden Euro schweres Hilfspaket auf den Weg. Der Aufsichtsrat hatte dem Paket nach zähen Verhandlungen zugestimmt.

Mit dem Abstieg der Lufthansa rückt zugleich erstmals seit Jahren wieder ein in Berlin ansässiges Unternehmen in den Dax auf. Die Deutsche Wohnen ist mit bundesweit 160.000 Wohnungen der zweitgrößte private Vermieter in der Republik. Zuletzt war vor 14 Jahren das Berliner Pharmaunternehmens Schering von Bayer übernommen worden und so in den Index gelangt. Der größte deutsche Vermieter, die Bochumer Vonovia, ist bereits seit fünf Jahren im Dax.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (wie etwa ETFs). Die Zugehörigkeit zum Dax ist aber auch eine Frage von Prestige: Gerade für internationale Investoren ist der Leitindex das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Die Zusammensetzung der Aktienindizes der Deutschen Börse wird regelmäßig geprüft: das nächste Mal am 3. September 2020.

Das auch große Unternehmen aus dem Dax absteigen, ist indes nicht ungewöhnlich. Im September 2019 musste das Industrie-Urgestein Thyssenkrupp den Börsenindex verlassen, ein Jahr zuvor erwischte es die Commerzbank.

Auch Thyssen und die Commerzbank gehörten wie die Lufthansa zum Kreis der 15 Unternehmen, die seit dem Start des Dax am 1. Juli 1988 bis dahin ohne Unterbrechung in dem Index gelistet waren.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es in der Bildunterschrift, es handele sich um den Flughafen Frankfurt. Tatsächlich ist auf dem Bild der Flughafen München zu sehen. Wir haben den Fehler korrigiert.

fek/dpa