Gestrichene Flüge 1,2 Millionen Lufthansa-Kunden warten auf Ticketerstattungen

Bis Ende August wollte die Lufthansa alle Ticketerstattungen aus der ersten Jahreshälfte bearbeitet haben. Doch viele Kunden warten weiterhin auf ihr Geld.
Lufthansa-Flugzeuge auf einem Rollfeld: Massenhafte Stornierungen durch Coronakrise

Lufthansa-Flugzeuge auf einem Rollfeld: Massenhafte Stornierungen durch Coronakrise

Foto: Soeren Stache / DPA

Rund 1,2 Millionen Passagiere der Lufthansa warten immer noch auf die Erstattung ihrer Tickets im Wert von 600 Millionen Euro. Seit Jahresbeginn habe man bereits 2,5 Milliarden Euro an insgesamt 5,6 Millionen Kunden gezahlt, teilte das Unternehmen mit. In den vergangenen sieben Tagen seien 140.000 Anträge bearbeitet und ausgezahlt worden. Ginge es im gleichen Tempo ohne neue Stornierungen weiter, wäre der Berg allerdings erst Ende Oktober abgearbeitet.

Die Lufthansa steht - wie andere Airlines auch - in der Kritik, dass die Rückzahlung zu lange dauert. Nachdem der Luftverkehr wegen der Reisebeschränkungen im März zusammengebrochen war, hatte die Lufthansa automatische Erstattungsprozesse abgestellt und auf Einzelfallprüfungen bestanden. Konzernchef Carsten Spohr hatte sich auf der Hauptversammlung im Juni bereits für die Verzögerungen entschuldigt. Vor Kurzem gab die Airline das Ziel aus, bis Ende August alle berechtigten Ansprüche zu begleichen, die bis Ende Juni eingegangen seien. Wie viele der 1,2 Millionen offenen Erstattungen nach diesem Zeitpunkt beantragt wurden, teilte der Konzern nicht mit.

Sieben-Tage-Frist bei Rückzahlungen

Rechtlich müssen Fluglinien Ticketpreise binnen sieben Tagen zurückzahlen, wenn sie für Stornierungen verantwortlich sind. Vor Kurzem mahnte auch die für Verbraucherschutz zuständige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: "Die Airlines dürfen die Geduld der Kunden jetzt nicht überstrapazieren und ihr Vertrauen nicht aufs Spiel setzen." Die Verpflichtung, die Tickets sehr zügig zu erstatten, sei "glasklar" europarechtlich vorgeschrieben.

Airlines und Reiseveranstalter hatten versucht, statt Barerstattungen Gutscheine an Kunden auszugeben, um ihre Liquidität zu sichern. Das Vorgehen löste scharfe Kritik von Verbraucherschützern und Anzeigen bei den Luftaufsichtsbehörden aus. Für weite Teile des Lufthansa-Konzerns gilt bis Ende 2020 die Möglichkeit, Flüge - weitgehend kostenfrei - beliebig oft umzubuchen.

caw/dpa-AFX/Reuters
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