Milliardenhilfen Lufthansa-Rettung könnte noch teurer werden

Die Lage der Lufthansa ist vermutlich dramatischer als bislang bekannt. Die Finanzen reichen nach SPIEGEL-Informationen nur bis zum 15. Juni - und selbst bei einer Einigung auf die Milliardenhilfen dürfte es dabei nicht bleiben.
Foto: Michael Probst/ AP

Die Rettung der von Insolvenz bedrohten Lufthansa spitzt sich dramatisch zu: Nachdem der Aufsichtsrat sich gegen den Einstiegsplan der Bundesregierung entschieden hat, laufen derzeit hektische Verhandlungen zwischen dem Management, dem Bund und der EU-Kommission.

Neun Milliarden Euro würde der Staat dem Unternehmen zur Verfügung stellen, im Gegenzug dafür 20 Prozent der Aktien und die Option auf fünf weitere Prozent erhalten. Doch selbst wenn der Verhandlungspoker erfolgreich zu Ende gebracht wird, ist die Lufthansa damit noch lange nicht raus aus den wirtschaftlichen Turbulenzen.

In der Bundesregierung wächst bereits die Sorge, schon bald weitere Staatshilfen nachschießen zu müssen. Das erfuhr der SPIEGEL aus Regierungskreisen. Momentan hängt eine Einigung über die Verstaatlichung des Luftfahrtunternehmens an der Zustimmung der EU-Kommission, die zur Auflage gemacht hat, Flugzeuge und Landerechte an Konkurrenten abzutreten. Der Aufsichtsrat weigert sich deshalb, dem Rettungsplan zuzustimmen. Dadurch spitzt sich die finanzielle Lage der Lufthansa dramatisch zu. Das Geld reiche nur bis zum 15. Juni, danach drohe die Insolvenz. So hat es das Unternehmen nach Informationen des SPIEGEL dem Bund mitgeteilt.

DER SPIEGEL 23/2020

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Großer Andrang beim Wirtschaftsstabilisierungsfonds

Rund 30 Unternehmen wollen bislang ähnlich wie die Lufthansa in den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) aufgenommen werden. Dazu gehört nach Angaben eines Insiders beinahe die gesamte Zuliefererindustrie des Flugzeugbauers Airbus in Deutschland. Auch Werften, Textilunternehmen und Reiseveranstalter strebten unter den Rettungsschirm.

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Die Bundesregierung hat im Rahmen des WSF insgesamt 600 Milliarden Euro für Unternehmen bereitgestellt, mit denen sowohl Garantien für Kredite finanziert werden. 100 Milliarden Euro davon stehen zur Verfügung, damit sich der Staat direkt an einem Unternehmen beteiligen kann. Ein Lenkungsausschuss mit sechs Staatssekretären und einem Vertreter des Kanzleramts entscheidet über die Vergabe der Gelder.

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