Pilotengewerkschaft Cockpit Schlichtung bei Lufthansa gescheitert

Mit dem Start der Ferienzeit sind bei der Lufthansa ab sofort wieder Pilotenstreiks möglich. Der Konzern und die Vereinigung Cockpit konnten sich im Streit über Frührenten und die Konzernstrategie nicht auf eine Schlichtung einigen.

Maschinen der Lufthansa in Düsseldorf: Sondierung gescheitert
DPA

Maschinen der Lufthansa in Düsseldorf: Sondierung gescheitert


Lufthansa-Kunden müssen sich erneut auf Streiks der Piloten einstellen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die Vorgespräche mit dem Unternehmen zu einer Gesamtschlichtung zu allen offenen Tariffragen am Montag für gescheitert erklärt. Im Kern streiten die Piloten und der Konzern über die betriebsinterne Frührente für 5400 Piloten und die Konzernstrategie.

Cockpit und Lufthansa Chart zeigen hatten Sondierungsgespräche geführt, in denen eine Schlichtung vorbereitet werden sollte. Mit dem Ende der Sondierungen sei auch die Aussetzung von Streiks bis Ende Juli hinfällig, sagte Cockpit-Sprecher Markus Wahl. Einen Termin für einen erneuten Arbeitskampf gibt es aber noch nicht. Er soll in den Gremien beraten werden.

Cockpit warf der Lufthansa vor, die Arbeitsplatzthemen außen vor gelassen zu haben. Damit verkenne sie die elementaren Interessen des Cockpit-Personals. Das Angebot einer Gesamtschlichtung habe sich als "kurzfristiges taktisches Manöver" entpuppt, mit dem die Gewerkschaft, aber auch Kunden und Aktionäre getäuscht worden seien.

Die Lufthansa bedauerte den Abbruch der Gespräche und forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dem Unternehmen zufolge sind mit der Gewerkschaft sechs Tarifverträge offen - unter anderem zum Gehalt, zur Übergangsversorgung und zu den Betriebsrenten der etwa 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

Streit über Eurowings brachte offenbar Gespräche zu Fall

Als Vermittler in dem festgefahrenen Konflikt war der CSU-Politiker und frühere Finanzminister Theo Waigel auserkoren worden. Doch Lufthansa und Cockpit konnten sich nicht über den Inhalt der avisierten Gespräche verständigen. Knackpunkt war offenbar der Streit über den neuen Billigableger Eurowings. Die Vertreter der Vereinigung Cockpit verlangten, dass auch über die drohende Verlagerung von Jobs zu Eurowings diskutiert wird. Die Lufthansa lehnt das ab. Sie pocht auf ihre unternehmerische Freiheit und will die Maschinen teilweise sogar im Ausland anmelden. Damit aber wären sie dem Zugriff der deutschen Gewerkschaften entzogen. Entsprechend ungehalten reagieren Arbeitnehmerorganisationen wie die Kabinengewerkschaft Ufo und die Vereinigung Cockpit.

Ob und wann es zu weiteren Ausständen kommt und ob Piloten und Flugbegleiter womöglich sogar vereint zum Ausstand aufrufen, dürfte sich in den kommenden zwei bis drei Wochen entscheiden.

Deutschlands größte Fluglinie liegt seit mehr als einem Jahr mit ihren Piloten im Clinch. Um ihre schrumpfende Rendite zu steigern, will die Lufthansa das durchschnittliche Ruhestandsalter ihrer Piloten von 58 auf 61 Jahre anheben. Dagegen wehrte sich die Pilotengewerkschaft Cockpit mit gezielten Streiks, die den Konzern bereits mehr als 220 Millionen Euro gekostet haben. Bislang haben die Piloten in dem Konflikt zwölfmal gestreikt.

Auch mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo führt Lufthansa derzeit eine Tarifauseinandersetzung, hier geht es um die Neuregelung der Betriebsrenten. Eine Schlichtung dazu war gescheitert, Ende Juni drohte wieder ein Streik. Zuletzt hat Lufthansa das Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab.

dd/mmq/dpa/Reuters

insgesamt 75 Beiträge
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f_aus_m 06.07.2015
1. Arroganz
Ein wenig mehr Demut stünde den Piloten gut an: Mitglied eines Berufsstandes mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz, hohe bis höchste Gehälter, Riskoabsicherung. Auf der anderen Seite die drohende Konkurrenz aus Nah- und Fernost, mehrere europäische Luftlinien hats bereits zerissen (Alitalia usw). Emirates und die Billiglines blasen zum Sturm. Der Aktienkurs der Lufthansa spricht Bände, weit Underperformance. Und die Berufung auf besondere Qualität und Sicherheit ist seit dem Germanwings-desaster dahin. Kürzlich traf ich eine Äthopierin, die mir erzählte, daß sie sich letztes Jahr trotz des höheren Preises aus Sicherheitsgründen für einen Lufthansafluges von ihrer Heimat nach Italien entschieden hatte. Ob sie das in Zukunft auch noch tut? Jungs (und auch Mädels) im Cockpit: Beherrscht Euch.
deus-Lo-vult 06.07.2015
2.
Der Bundespräsident hat Gott sei Dank das Gesetz unterschrieben. Damit haben diese verwöhnten Wohlstandsjünglinge hoffentlich bald ausgestreikt.
Grodimo 06.07.2015
3. Richtig so
Eine Einigung durch das Lufthansa Management scheint nicht gewünscht. Die Arbeitnehmer sollen heutzutage das Nachsehen haben, um Renditen zu erhöhen. Dies kann und darf man sich nicht weiter gefallen lassen. Ist diese Abwärtsspirale erst einmal in Gang gesetzt, sieht es für alle Berufsgruppen düster aus. Lufthansa lagert immer weiter Jobs aus...würde ich das wollen, wenn meine Firma das macht? Nein. Von daher: Daumen hoch zum Streik!
ich-sach-ma 06.07.2015
4. Gerade mal 3 Monate
Vor gerade mal drei Monaten bringt ein Vertreter dieser Berufsgruppe 149 Menschen um - und jetzt wollen sie wieder streiken. Das ist wirklich sehr sehr traurig, was die Piloten aufführen.
Grodimo 06.07.2015
5.
Zitat von ich-sach-maVor gerade mal drei Monaten bringt ein Vertreter dieser Berufsgruppe 149 Menschen um - und jetzt wollen sie wieder streiken. Das ist wirklich sehr sehr traurig, was die Piloten aufführen.
Was hat denn das damit zu tun? Mein Gott, manche haben den Knall wirklich nicht gehört.
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