Nach Kritik von Großaktionär Lufthansa sieht Rettungspaket in Gefahr

Der Großaktionär Heinz Hermann Thiele hat diese Woche seine Unternehmensanteile an der Lufthansa aufgestockt. Dem Rettungspaket steht er skeptisch gegenüber. Die Fluggesellschaft fürchtet nun ein Scheitern der Milliardenstütze.
Lufthansa-Maschinen in Berin-Brandenburg

Lufthansa-Maschinen in Berin-Brandenburg

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Die Lufthansa hat vor einem Scheitern des milliardenschweren Rettungspaketes gewarnt. Dies würde bedeuten, dass die Fluglinie möglicherweise "zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt", teilte die Fluggesellschaft mit .

Hintergrund sind Äußerungen des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele in einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in denen er Kritik an dem Rettungspaket insbesondere an dem geplanten Einstieg des Bundes geäußert hat. Die Lufthansa hält es daher für möglich, dass das Stabilisierungspaket auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlen könnte, denn die Beteiligung wird wohl gering sein. Bei Lufthansa heißt es: "Der Vorstand geht aktuell davon aus, dass die Präsenz bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni unter 50 Prozent liegen wird." Das Gremium appelliere daher an alle Aktionäre, ihr Stimmrecht wahrzunehmen.

Thiele: Insolvenz nicht ausschließen

Lufthansa-Großaktionär Thiele hatte in den vergangenen Tagen seinen Anteil an dem Unternehmen von zehn auf 15 Prozent aufgestockt, wie er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte. Er übte in dem Interview scharfe Kritik am bis zu neun Milliarden Euro schweren staatlichen Finanzpaket für die Lufthansa in der Coronakrise - und wandte sich gegen die Staatsbeteiligung von 20 Prozent, für die eine Kapitalerhöhung notwendig ist. Diese dürfte den Wert seines Aktienpakets schmälern.

Thiele hatte in dem Interview angekündigt, das Rettungspaket nachverhandeln zu wollen. Er kritisierte, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht die mit dem Bund behandelten Alternativen benannt habe. Der Frage nach seinem Stimmverhalten auf der Hauptversammlung wich der Unternehmer aber mehrmals aus. Die Aufstockung seines Aktienpakets sei kein Signal, auf der Hauptversammlung gegen irgendetwas zu stimmen.

Wie hartnäckig jedoch Thiele seine Ziele verfolgt, demonstrierte der Eigentümer des Zulieferers Knorr Bremse vor vier Jahren. Die Münchner verhinderten in einer Bieterschlacht, dass der Autozulieferer ZF Friedrichshafen den schwedischen Bremsenhersteller Haldex übernehmen konnte.

Durch die Einigung auf den Staatseinstieg fühlt sich Thiele überrumpelt. Die Aktionäre seien "überfallartig" damit konfrontiert worden, dass sie durch die Kapitalerhöhung für den Staatseinstieg einen Wertverlust ihres Eigentums akzeptieren müssten, sagte er in dem Interview - und befürchtet, dass der Bund durch den niedrigen Einstiegskurs zum Profiteur werde und etwa den Abbau Tausender Arbeitsplätze erschweren könnte.

Statt der geplanten Staatsbeteiligung schlägt Thiele eine indirekte Staatsbeteiligung über die Förderbank KfW vor. Der Vorteil aus seiner Sicht: "Die hält sich zurück und befolgt strikte Regeln." Auch eine Insolvenz der Lufthansa dürfe man nicht ausschließen. "Es könnten sich daraus ebenso neue Möglichkeiten ergeben, auch wenn natürlich das Risiko steigt." Allerdings dürfte auch eine Insolvenz auf den Wert von Thieles Aktienpaket durchschlagen.

Um das Rettungspaket für die Lufthansa war wochenlang gerungen worden. Die EU-Kommission verlangt für ihre wettbewerbsrechtliche Freigabe, dass die Lufthansa Start- und Landerechte an den Drehkreuzen Frankfurt und München abgeben muss.

apr/Reuters/dpa-AFX
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