Milliardenkosten Lufthansa weiß nicht, wie sie bestellte Flugzeuge bezahlen soll

Die Lufthansa muss im kommenden Jahrzehnt mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr für bestellte Flugzeuge ausgeben. Wo das Geld herkommen soll, ist nach SPIEGEL-Informationen unklar.

Lufthansa-Maschinen: Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr
AP/dpa

Lufthansa-Maschinen: Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr


Hamburg - Die Führung der Lufthansa erhöht trotz des jüngsten Streiks ihrer Piloten den Druck auf die Belegschaft - um ihr weitere Zugeständnisse abzuringen. Erst vor gut einer Woche hatte der Vorstand in einem Brandbrief an die Beschäftigten gewarnt, ohne zusätzliche Sparmaßnahmen drohten die Gewinne einzubrechen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Nun legt Finanzchefin Simone Menne nach Informationen des SPIEGEL nach - und gewährt dabei tiefe Einblicke in die Kassenlage der Fluglinie: Allein durch Zusatzbelastungen wie sinkende Ticketpreise und steigende Gebühren "schmelzen uns jedes Jahr 700 Millionen Euro weg", warnt die Managerin in der Mitarbeiterzeitschrift "Lufthanseat".

Die Summe müsse erst einmal erwirtschaftet werden. Doch selbst wenn das gelänge, so Menne, sei die Lufthansa "immer noch nicht liquide genug, um die bereits bestellten Flugzeuge zu bezahlen". Allein dafür müssten in der kommenden Dekade jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Euro ausgegeben werden, rechnet die Finanzchefin vor.

Auf Pump wollen Menne und ihre Vorstandskollegen die neuen Jets nicht kaufen. "Schulden bleiben Schulden", argumentiert sie, "auch bei niedrigen Zinsen." Außerdem müsse man das Geld ja auch irgendwann zurückzahlen.

Vorerst keine neuen Streiks der Flugbegleiter

Die Lufthansa befindet sich derzeit in mehreren Tarifauseinandersetzungen. Am prominentesten ist dabei der Konflikt mit der Vereinigung Cockpit. Die durch Cockpit vertretenen Lufthansa-Piloten streikten in den vergangenen Monaten bereits mehrfach. Am Donnerstag und Freitag befanden sich die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings im Ausstand. Mehr als 300 Flüge mussten gestrichen werden.

Im Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und den Flugbegleitern sind Streiks indes vorerst vom Tisch. In der Nacht zum Freitag sei eine Einigung über die weitere Vorgehensweise erzielt worden, erklärte die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) am Freitag im hessischen Mörfelden-Walldorf. Streiks werden demnach in den nächsten Monaten ausgeschlossen.

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ssu/AFP



insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
salkin 13.02.2015
1.
Wenn man selbst sagt, dass man nicht liquide genug ist um bestellte Flugzeuge zu bezahlen ist das dann nicht Eingehungsbetrug? Eigentlich müsste hier ein Insolvenzverfahren von Amtswegen eingeleitet werden. Wie sieht die Verschuldung aus, wenn man die Pensionsrückstellungen an die aktuellen Kapitalmarktzinsen anpasst? Ist das alles nicht ein Grund für ein Insolvenzverfahren?
VacekKacek 13.02.2015
2. Sowas
aber auch. Da muss doch aber der Staat einspringen. Das kann ja wohl nicht angehen, das so ein schöner Konzern wie die Lufthansa durch die unverschämten Forderungen der gemeinen Angestellten an den Rand der Pleite getrieben wird. Also, her mit den Steuergeldern. Und die Löhne von dem Beschäftigtenpack müssten sofort um 20% gesenkt werden. Dann verhungert immer noch keiner und die Vorstände können sich endlich einmal wieder moderat die Entschädigung erhöhen. Frau Merkel, übernehmen sie. Und diese widerliche Gewerkschaft können sie auch gleich abschaffen.
Spiegelleserin57 13.02.2015
3. naja...
sobald die Tarifauseinandersetzungen vorbei sind wird der Kauf mit sicherheit getätigt und so gaaaaanz plötzlich aus unerfindlichen Gründen ist da Geld aufgetaucht...
Leser1000 13.02.2015
4. Verstehe ich nicht!
Hat die Lufthansa keine langfristige Investitionsplanung oder fehlt es an der Marktbeobachtung? Dass der Wettbewerb zunimmt war doch allen - auch der Lufthansa - seit Jahren klar. Da wird wahrscheinlich nur ein "Popanz" aufgebaut.
aktenzeichen 13.02.2015
5. Gelegenheit zur Gegendemo!
Ja, diese Gelegenheit zur sinnvollen Gegendemonstration sollte sich die Berufsgegendemonstration nicht entgehen lassen. Da ruinieren die Piloten das Unternehmen, welches sie bereits jetzt ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, und keiner sagt etwas. 6000 Euro monatlich, dass ist das Einstiegsgehalt bei einer "Billig-Air-Line". Bei Lufthansa und Co. ist es natürlich mehr. Und die Piloten? Die wollen Regelungen aus Zeiten, in denen keine faktische Konkurrenz existierte, bis in alle Zeit festschreiben: 60% des letzten Bruttos ab dem 55. Jebensjahr. Das dürften dann wohl 6000 Frührente pro Monat bedeuten! Nicht zu fassen, dass sich da kein Widerstand regt!
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