Schrumpfkur Lufthansa streicht noch mehr Flüge und Stellen

Die Lufthansa muss in der Coronakrise noch stärker sparen als geplant. Mindestens 150 Flugzeuge werden dauerhaft nicht mehr abheben.
Lufthansa-Airbus A350 (Archivbild)

Lufthansa-Airbus A350 (Archivbild)

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Christof Stache/ AFP

Der von der Coronakrise schwer getroffene Lufthansa-Konzern will noch mehr Stellen als bislang geplant streichen. Außerdem werde eine größere Zahl an Flugzeugen stillgelegt als ursprünglich vorgesehen, teilte das Unternehmen mit. Grund sei die deutlich zu langsame Erholung des Luftverkehrs. So soll die Flotte der Lufthansa und der anderen Airlines des Konzerns bis zum - erst für Mitte des Jahrzehnts erwarteten - Ende der Krise um 150 Maschinen auf dann nur noch rund 650 Flugzeuge schrumpfen. Das sind 50 weniger als bislang vorgesehen.

Mit der Flotte plant Vorstandschef Carsten Spohr auch einen noch größeren Stellenabbau, um die Kosten zu senken. Die Zahl der wegfallenden Vollzeitstellen werde die bislang angekündigten 22.000 übersteigen, teilte das Unternehmen mit. Durch Krisenpakete mit den Gewerkschaften soll die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen begrenzt werden.

Lufthansa verbrennt jeden Monat 500 Millionen Euro

Ursprünglich wollte die Lufthansa zum Jahresende wieder die Hälfte ihrer Flugzeuge in der Luft haben. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Im laufenden Jahr wird wegen der fortgesetzten Reisebeschränkungen nur noch ein Flugangebot zwischen 20 und 30 Prozent des Vorkrisenniveaus erwartet. Unter anderem mottet der Konzern nun die Super-Jumbos vom Typ A380 langfristig ein , sofern er sie nicht an den Hersteller Airbus zurückgeben kann. Weitere Jets vom Typ A340-600 sollen dauerhaft am Boden bleiben oder gleich ganz ausgemustert werden. Dafür fallen im laufenden Quartal Wertberichtigungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro an.

Der Passagierluftverkehr hat sich von der vor einem halben Jahr ausgebrochenen Corona-Pandemie bisher kaum erholt. Nach einer leichten Belebung im Sommer sind die Buchungszahlen bei der Lufthansa seit September wieder gesunken, weil mit steigenden Infektionszahlen in Europa wieder mehr Reisewarnungen und Quarantäneauflagen verhängt wurden. Die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines mussten mit neun Milliarden Euro Staatshilfen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien vor der Pleite bewahrt werden. 

Dennoch verliert das Unternehmen in der anhaltenden Krise jeden Monat 500 Millionen Euro liquide Mittel. Diese Zahl soll bis zum Winter auf 400 Millionen Euro sinken, unter anderem mit dem Verzicht auf angemietete Büroflächen.

Anmerkung: In einer ersten Version hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, dass die Flotte der Lufthansa auf rund 610 Flugzeuge schrumpfen soll. Tatsächlich beträgt die künftige Flottengröße rund 650 Flugzeuge.

rai/Reuters/AFP/dpa
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