Lufthansa-Streik Ab Montag herrscht an Flughäfen das Chaos

Die Lufthansa steht vor einem harten Streik: Die Piloten der Airline wollen die Arbeit niederlegen, mehr als 90 Prozent stimmten dafür. Schon am Montag soll der Ausstand beginnen - auf den Flughäfen droht Chaos, die Airline rechnet mit massiven Erlösverlusten.

Stimmenauszählung der Pilotenvereinigung Cockpit: Mehr als 90 Prozent für Streik
Reuters

Stimmenauszählung der Pilotenvereinigung Cockpit: Mehr als 90 Prozent für Streik


Frankfurt am Main - Die Entscheidung hatte sich bereits abgezeichnet: Die Piloten der Fluggesellschaft Lufthansa wollen streiken. Die Mitglieder der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) stimmten in einer Urabstimmung mit über 90 Prozent für einen Arbeitskampf bei der größten deutschen Fluglinie, wie die Gewerkschaft am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Damit wurde die erforderliche Mehrheit von 70 Prozent deutlich überschritten.

Cockpit hat die Lufthansa-Piloten nun für die kommende Woche zu einem viertägigen Streik aufgerufen. Der bundesweite Ausstand soll am Montag um Mitternacht beginnen und bis einschließlich Donnerstag dauern. "Wir rufen alle auf, die an dem Tag im Einsatz sind", sagte Tarifexpertin Ilona Ritter.

Eine Chance, den Streik abzuwenden, gibt es aber noch: Cockpit hält sich weiter eine Tür zu Gesprächen mit der Arbeitgeberseite offen. Noch habe die Lufthansa Zeit, mit einem substantiellen Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren, betonte von Thomas von Sturm, Verhandlungsführer von Cockpit.

Welche Flüge im Falles eines Ausstands konkret ausfallen, sei derzeit noch unklar, so von Sturm. Die Gewerkschaft erwarte jedoch massive Auswirkungen auf den Flugverkehr. Maschinen, die sich zu Streikbeginn im Ausland befänden, sollten aber noch nach Deutschland zurückfliegen. Betroffene Passagiere könnten ihre Flüge stornieren oder umbuchen. Reisende innerhalb von Deutschland sollten die Bahn nehmen und erhielten später die Differenz zum Preis des Flugtickets zurück.

Lufthansa bezeichnete den Streik in einer ersten Reaktion als "unverhältnismäßig". "Ein Streik schadet dem Unternehmen, seinen Kunden und Mitarbeitern in hohem Maße", erklärte der Konzern.

Tarifverhandlungen bereits im Dezember gescheitert

Von dem Streik betroffen sind etwa 4500 Piloten bei der Lufthansa selbst, der Frachttochter Lufthansa Cargo und bei Germanwings. Die Piloten werfen dem Konzern vor, auf angestammten Lufthansa-Strecken zunehmend Flugzeuge ihrer dazugekauften Tochtergesellschaften wie Brussels Airlines oder Austrian Airlines einzusetzen. Die Piloten dort verdienten bis zu einem Viertel weniger als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. "Das haben wir uns zwei Jahre angeschaut, irgendwann ist Schluss", sagte von Sturm.

Die Piloten fordern nun von der Lufthansa die Auslagerung der Stellen zu stoppen. Für eine derartige Zusage wären sie auch zu einer Nullrunde beim Gehalt bereit. Außerdem wollen sie mehr Mitbestimmung und eine Arbeitsplatzgarantie unter dem bestehenden Konzerntarifvertrag.

Die Lufthansa bezeichnete die Forderungen von Cockpit als inakzeptabel. Eine Sicherung der Arbeitsplätze in Verbindung mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen sei ein Eingriff in die Geschäftsführung.

Die Tarifverhandlungen waren bereits im Dezember 2009 von der Gewerkschaft für gescheitert erklärt worden. Cockpit hatte 6,4 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert.

"Wir müssen jeden Tag mit massiven Erlösausfällen rechnen"

Die Gewerkschaft, die als gut organisiert gilt, könnte die Lufthansa mit einer Arbeitsniederlegung ähnlich hart treffen wie beim großen Pilotenstreik 2001. Damals hatten die Piloten die Arbeit für drei Tag niedergelegt und sorgten für chaotische Zustände auf deutschen Flughäfen. Die Lufthansa musste Hunderte Flüge streichen, was die Airline rund 200 Millionen Euro kostete. Seitdem gab es auch Ausstände bei der günstigeren Tochter CityLine, die aber keine Interkontinentalverbindungen anbietet.

Auch dieses Mal rechnet die Lufthansa mit deutlichen Belastungen. Nach Einschätzung der LBBW könnte der Pilotenstreik für die Fluggesellschaft täglich einen Verlust von zehn Millionen Euro oder mehr bedeuten. Allein die Streikdrohung habe bereits zu einem Rückgang der Buchungen geführt, sagte der für die Tarifverhandlungen zuständige Passagiervorstand Roland Busch Anfang des Monats. "Wenn dann tatsächlich gestreikt würde, dann müssen wir jeden Tag mit massiven Erlösausfällen rechnen." Die Einsparziele der Gesellschaft wären dadurch "massiv gefährdet". Die Fluggesellschaft will ihre Kosten bis 2011 jährlich um eine Milliarde Euro senken.

Die Lufthansa hat seit der Finanzkrise mit gesunkenen Passagierzahlen und einem Gewinnrückgang zu kämpfen, weil immer mehr Geschäftsreisende die lukrativen First- und Business-Klassen meiden und Economy fliegen. Eine Besserung ist nach Ansicht des Unternehmens nicht in Sicht.

fro/apn/Reuters



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
camba 17.02.2010
1. Wir befinden uns in der Globalisierung...
Zitat von sysopDie Lufthansa steht vor einem harten Arbeitskampf. Erstmals seit neun Jahren wollen die Piloten streiken, fast 90 Prozent stimmten dafür. Schon am Montag soll der Ausstand beginnen - auf den Flughäfen droht Chaos, die Airline rechnet mit massiven Erlösverlusten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,678437,00.html
...und wenn andere Airlines-Mitarbeiter für weniger Geld arbeiten, so ist dies - leider - eine traurige Wirklichkeit. Im Wettbewerb geht nun mal das Angebot nach unten. Nicht nur bei den Airlines, sondern in allen Branchen.
donron 17.02.2010
2. Lufthansa Piloten: Selbstüberschätzung & Gier
Im Gegensatz zum Grossteil der weltweiten Piloten haben fast alle Lufthansa-Piloten ihre sündhaft teure Ausbildung von der LH quasi geschenkt bekommen (bis auf eine geringe Eigenteiligung). Bei kaum einer anderen Airline haben die Piloten ein so schönes Leben, sprich viel Freizeit, flexible und kulante Arbeitsregelungen, sehr hohes Gehalt usw. Der jetige Streik zeigt (wieder mal) wohin das führt. Und es geschieht der LH recht! Die meisten LH-Piloten glauben ja (da sie oft noch nie "richtig" geabeitet haben), dass sie der Nabel der Welt und was ganz Besonderes sind. Dabei ist der Beruf des Piloten wohl einer der am meisten überschätzten (dies sagt jemand der selber Pilot ist).
ADie 17.02.2010
3. Plattitüden
Zitat von camba...und wenn andere Airlines-Mitarbeiter für weniger Geld arbeiten, so ist dies - leider - eine traurige Wirklichkeit. Im Wettbewerb geht nun mal das Angebot nach unten. Nicht nur bei den Airlines, sondern in allen Branchen.
Oh weh, o weh, damit kann man ja Alles erklären. Tatsache ist, dass die Lufthansa sich schwer tut, ihr qualitativ hochwertiges Angebot auch zu entsprechend höheren Preisen umzusetzen. Aber das nicht wegen der Globalisierung, sondern weil es offensichtlich zu wenig Bedarf dafür gibt. Diesmal werden die Piloten wohl dran glauben müssen, denn wenn es nicht gelingt, die Personalkosten durch Auslagerung auf billigere Gesellschaften zu senken, wird die Lufthansa ihre berechtigten Einsparziele nicht durchsetzen können.
bürger01 17.02.2010
4. Negativspirale
Zitat von camba...und wenn andere Airlines-Mitarbeiter für weniger Geld arbeiten, so ist dies - leider - eine traurige Wirklichkeit. Im Wettbewerb geht nun mal das Angebot nach unten. Nicht nur bei den Airlines, sondern in allen Branchen.
und genau das ist das Problem! Die ewige Negativspirale muss gestoppt werden. Das gilt auch für andere Berufe. Wir sparen uns kaputt. Irgendwann wird keiner mehr Steuern und Sozialabgaben entrichten. Dann gibt es auch nichts mehr zu verteilen! Da bin ich mit Westerwelle einer Meinung.
nightquest89 17.02.2010
5. Finde ich gut!
Richtig so!! Ich finde es nicht gut, das selbst bei der Lufthansa immer mehr Arbeitskräft in billigere Tochterfirmen verschoben werden. Und die Meldungen, Lufthanse ginge es schlecht und müsste sparen, halte ich für Unsinn. Lufthansa geht es so gut wie keinem anderem europäischen Airliner. Es geht nur darum das die Dividende stimmt... auf Kosten der Mitarbeiter. Diesen Trend sieht man leider in viel zu vielen Aktienunternehmen...
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