Lufthansa-Streik Sicher landen mit Christian Wulff

Die Lufthansa geht kaputt - entweder durch die knallharte Konkurrenz oder durch Dauerstreiks von Flugbegleitern und Piloten. Jetzt muss ein Vermittler mit Format ran.

Lufthansa-Flugzeuge am Frankfurter Flughafen: Gegen die Mitarbeiter, bald ohne Kunden?
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Lufthansa-Flugzeuge am Frankfurter Flughafen: Gegen die Mitarbeiter, bald ohne Kunden?


Erinnert sich noch jemand an Christoph Franz? Der Vorgänger von Carsten Spohr als Lufthansa-Chef wollte mit seinem Sparprogramm "Score" die Kosten im Konzern um anderthalb Milliarden Euro senken. Prompt avancierte er zum Buhmann Nummer eins im Unternehmen.

Franz ist längst weg. Einen Buhmann gibt es immer noch. Der heißt jetzt Spohr. Im Vergleich zu dem, was er plant, war Score reine Bilanz-Kosmetik. Der Lufthansa-Chef krempelt das Unternehmen um, wie es kein Konzernführer vor ihm gewagt hat. Spohr verschiebt Teile des Geschäfts zu einer neuen Billigtochter in Wien, neu angestellten Piloten und Flugbegleitern soll die Betriebs- und Frührente gekürzt oder womöglich sogar komplett gestrichen werden.

Die längste und härteste Streikserie in der sechzigjährigen Firmengeschichte gegen den Umbau erträgt Spohr ähnlich gelassen wie das Wetter. Das lässt sich schließlich auch nicht ändern. Trotzdem kann es so nicht weitergehen. Lufthansa ist ein Dienstleistungsunternehmen. Und das lässt sich auf Dauer nicht gegen jene Menschen führen, welche die Leistung erbringen sollen, die Mitarbeiter.

Sie haben ihre Interessen an eigene, gewählte Arbeitnehmervertreter delegiert, wie das in allen renommierten deutschen Großunternehmen der Fall ist. Doch Spohr will die deutsche Mitbestimmung mit Hilfe seiner österreichischen Tochter Eurowings abstreifen wie einen zu eng gewordenen Mantel. Das wird nicht funktionieren. Dann wird die Lufthansa halt nicht durch die knallharte Konkurrenz der Billigflieger und arabischen Wettbewerber ruiniert, sondern durch Dauerstreiks von Gewerkschaften wie UFO oder der Vereinigung Cockpit, die selbst ums Überleben kämpfen.

Will Spohr so lange warten, bis deren Streikkassen leer sind? Das kann dauern. Bis dahin sind dann wohl auch die letzten Kunden abgewandert, zum Beispiel zu Emirates. Die warben diese Woche schon mit dem Slogan: "Verlassen Sie sich jederzeit auf uns".

Es führt kein Weg daran vorbei. Die Streitparteien müssen sich zusammenraufen, und zwar schnell, am besten mit Hilfe eines Vermittlers. Wie wäre es mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff? Er kennt die spezielle Variante der deutschen Mitbestimmung noch aus seiner Zeit als VW-Aufsichtsrat. Außerdem verfügt er über Autorität, Zeit, eine juristische Ausbildung und das intellektuelle Format, die komplizierte Materie zu durchdringen. An seinen Empfehlungen käme keine der beiden Seiten so schnell vorbei. Höchste Zeit, dass ihn jemand fragt.

Zur Autorin
Dinah Deckstein ist Korrespondentin in der Münchner Redaktionsvertretung des SPIEGEL.

E-Mail: Dinah_Deckstein@spiegel.de

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insgesamt 122 Beiträge
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Loddarithmus 13.11.2015
1. Im IS-Artikel zuvor ...
... bitte ändern "...ein Video auf, das ..."
HerrStahl 13.11.2015
2. Die letzten Tage
frage ich mich immer öfter ob die Kolumnen und Kommentare wirklich ernst gemeint sind. Christian Wulff? Echt jetzt? Warum nicht gleich Niersbach oder Winterkorn?
savoy40 13.11.2015
3. Überbezahlte Piloten und frühverrentete Flugbegleiter
Für einen Außenstehenden sind die Privilegien der Lufthansa Mitarbeiter kaum nachzuvollziehen. Wenn die beiden Gewerkschaften das Unternehmen schließlich in den Ruin getrieben haben, kann ich mir aus einer Vielzahl von Wettbewerbern einen neuen Anbieter aussuchen. Die dann arbeitslosen ehemaligen Lufthanseaten werden sich von ihren Transferleistungen die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sicher nicht mehr leisten wollen oder können.
radioactiveman80 13.11.2015
4. Wenn Spohr...
...den Konzern radikal umbaut, hat das Cründe. Die heissen (wie richtigerweise erwähnt) z.B. Emirates, mit mächtigen Geldgebern im Hintergrund. Die Lufthansa kämpft ohnehin uns Überleben - und wird dennoch von der eigenen Belegschaft torpediert. Ist den Saft- und Flugzeugschubsen eigentlich klar dass sie gerade damit ihr eigenes Grab schaufeln? Kurzsichtig und naiv ist so etwas.
Gerd Palmdorf 13.11.2015
5. Für ein paar Bonusmeilen gewiss
VW-Aufsicht ist ein überzeugendes Stichwort. Wie wäre es mit Guttenberg? Was ist in der letzten Zeit los mit SPON?
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