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29. Mai 2018, 11:55 Uhr

Lufthansa

Kein Kartellverfahren - trotz hoher Ticketpreise

Nach der Insolvenz der Billigfluglinie Air Berlin hat die Lufthansa die Preise auf innerdeutschen Strecken zeitweise um 25 Prozent erhöht. Das Kartellamt plant trotzdem kein Missbrauchsverfahren.

Das Bundeskartellamt hat Beschwerden wegen Preiserhöhungen der Lufthansa zurückgewiesen. Das teilte die Behörde am Dienstag mit.

"Lufthansa Tickets waren nach der Insolvenz von Air Berlin im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 25 bis 30 Prozent teurer", räumte Kartellamtschef Andreas Mundt zwar ein. Dieser Preisanstieg sei zwar erheblich, rechtfertige aber nicht die Einleitung eines Missbrauchsverfahrens.

Nach der Pleite von Air Berlin hatte die Lufthansa auf einigen innerdeutschen Strecken für ein paar Monate ein Monopol inne. Durch konsequente Kontrollen sei aber der Markteintritt von easyJet ermöglicht worden, schrieb das Kartellamt in einer Pressemitteilung. Im Anschluss seien die Preise umgehend gefallen und lägen ungefähr wieder auf dem Preisniveau, das vor dem Ausscheiden Air Berlins festgestellt worden sei.

"Die Entwicklung der Flugpreise wäre bestimmt nicht so günstig verlaufen, wenn die Lufthansa dauerhaft Monopolist auf diesen Strecken geworden wäre", urteilt Mundt.

Air Berlin hatte im Oktober 2017 den Flugbetrieb eingestellt. Das Unternehmen wurde daraufhin in verschiedene Teile aufgeteilt. Zahlreiche Flugzeuge sowie die dazugehörigen Start- und Landerechte gingen an easyJet. Auch die Lufthansa wollte wesentliche Unternehmensteile erwerben, dies scheiterte jedoch in Bezug auf die Air-Berlin-Tochtergesellschaft Niki am Widerstand der Europäischen Kommission.

Das Kartellamt hat nach eigenen Angaben die Preisentwicklung auf den 13 passagierstärksten innerdeutschen Strecken untersucht. Auf diesen Strecken seien stichprobenartig insgesamt 412 Flüge an 44 Stichtagen analysiert worden. Insgesamt seien 56.064 Einzeltickets von Lufthansa und Eurowings in die Auswertung eingeflossen.

Das Bundeskartellamt will die Entwicklungen auf den innerdeutschen Flugmärkten weiterhin "intensiv beobachten". Bei etwaigen Hinweisen auf missbräuchlich überhöhte Preise, werde das Amt erneut eine Verfahrenseinleitung prüfen.

ssu

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