Kampf gegen das Coronavirus Lufthansa-Tochter Swiss ignoriert Maskenpflicht auf Deutschlandflügen

Laut Infektionsschutzgesetz müssen Passagiere auf allen Flügen aus und nach Deutschland Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber die Schweizer Airline schert aus.
Swiss-Airbus am Flughafen Zürich (Archivbild)

Swiss-Airbus am Flughafen Zürich (Archivbild)

Foto: Michael Buholzer / AFP

Die Lufthansa-Tochter Swiss hält bei Operationen in Deutschland die vorgeschriebene Maskenpflicht an Bord nicht ein.

Auf mindestens zwei Flügen der Airline von Hamburg und Berlin nach Zürich an diesem Sonntag wies das Swiss-Kabinenpersonal nicht ein einziges Mal auf die Maskenpflicht hin – obwohl laut dem Infektionsschutzgesetz auf allen Flügen von und nach Deutschland sämtliche Reisenden einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen.

In einem Airbus A320 von Hamburg nach Zürich waren geschätzte 40 Prozent der rund 200 Passagiere ohne Gesichtsbedeckung unterwegs. Darauf angesprochen sagte eine Flugbegleiterin: »Wir haben bei Swiss keine Maskenpflicht mehr.«

Als sie darauf hingewiesen wurde, dass auf allen Routen mit Start oder Landung in Deutschland noch immer ein Mund-Nasen-Schutz obligatorisch sei, antwortete sie: »Die Swiss hat das so entschieden.« Die Kabinencrew selbst trug Masken.

Die zur Lufthansagruppe gehörende Schweizer Airline hat Anfang April die Maskenpflicht an Bord aufgehoben. Dennoch muss sie sich an die Coronavorschriften der Länder halten, die sie ansteuert.

Swiss beruft sich auf Schweizer Gesetzgebung an Bord

Die Gesetzeslage in Europa ist höchst unterschiedlich: Während Staaten wie Frankreich, Polen oder die Schweiz die Maskenpflicht in der Kabine aufgehoben haben, besteht sie in Deutschland fort – und damit auch in den Maschinen der Lufthansa und allen Airlines, wenn sie die Bundesrepublik ansteuern oder hier abfliegen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) begründet dies mit den immer noch hohen Fallzahlen, die ihm zufolge solche Maßnahmen im öffentlichen Verkehr unumgänglich machen.

Im Infektionsschutzgesetz heißt es wörtlich: »Die Verkehrsmittel des Luftverkehrs […] dürfen von Fahr- oder Fluggästen […] nur benutzt werden, wenn diese Personen während der Beförderung eine Atemschutzmaske (FFP2 oder vergleichbar) oder eine medizinische Gesichtsmaske (Mund-Nasen-Schutz) tragen.« Ausgenommen sind nur Kinder bis zum Alter von sechs Jahren und Passagiere mit bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Vorschrift gilt noch bis einschließlich 23. September.

Ein Sprecher der Swiss hingegen teilte dem SPIEGEL auf Anfrage mit: »Die Maskentragepflicht gilt auf Flügen an (sic!) Destinationen, wo diese vorgeschrieben ist. Somit müssen unsere Gäste beispielsweise die Maske auf Flügen nach Deutschland tragen, auf Flügen in die Schweiz jedoch nicht. Unsere Flugzeuge sind in der Schweiz immatrikuliert, somit gilt an Bord auch die Schweizer Gesetzgebung.«

Die Pressestelle des Bundesgesundheitsministeriums hingegen bestätigte gegenüber dem SPIEGEL, dass die Maskenpflicht für sämtliche Flüge gilt, die in Deutschland starten oder landen. Zum konkreten Fall der Swiss wollte sich das Ministerium nicht äußern.

Andere ausländische Airlines halten sich an die Maskenpflicht in Deutschland. Ryanair und Easyjet etwa verlangen auf Flügen mit Start oder Landung in der Bundesrepublik von allen Passagieren einen Mund-Nasen-Schutz: wegen der deutschen Gesetzgebung.

Bei der Lufthansa sorgten Mitarbeiter kürzlich für Aufruhr, als sie einer jüdischen Reisegruppe mit mehr als 130 Menschen pauschal den Zugang zu einer Maschine von Frankfurt nach Budapest verweigerten, nachdem sich einige der Gruppenmitglieder auf dem Flug davor geweigert hatten, Masken zu tragen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr entschuldigte sich daraufhin beim Zentralrat der Juden für diese Diskriminierung.

Umso bemerkenswerter ist der gänzlich andere Umgang der Schweizer Schwesterairline mit den deutschen Coronavorschriften. Die Lufthansagruppe fordert neuerdings, die Maskenpflicht an Bord ganz zu streichen.