Lufthansa-Umbau Direktflüge künftig mit Germanwings

Kurz nach Berichten über einen Beinahe-Crash sorgt Germanwings erneut für Diskussionen: Die Lufthansa will die meisten ihrer Kurz- und Mittelstreckenflüge künftig über die Billigtochter abwickeln. Gewerkschafter fürchten Stellenabbau und drohen indirekt mit Streik.
Airbus von Germanwings am Flughafen Köln/Bonn: "Ganz neues Erpressungspotenzial"

Airbus von Germanwings am Flughafen Köln/Bonn: "Ganz neues Erpressungspotenzial"

Foto: Oliver Berg/ dpa

Frankfurt am Main - Jetzt ist es offiziell: Die Lufthansa fliegt auf den meisten ihrer Kurz- und Mittelstrecken abseits der Drehkreuze Frankfurt und München künftig nur noch unter ihrer Billigflieger-Marke Germanwings. Die Kernmarke Lufthansa soll sich künftig auf die Langstreckenflüge ab Frankfurt, München und Düsseldorf konzentrieren, teilte die größte deutsche Fluggesellschaft an diesem Donnerstag in Frankfurt mit und bestätigte damit einen Bericht von SPIEGEL ONLINE.

Die Nachricht kommt nur knapp zwei Wochen nachdem bekannt wurde, dass ein Germanwings-Flugzeug im November 2010 am Flughafen Köln/Bonn nur knapp einem Crash entging. Offenbar hatte giftige Luft im Cockpit die beiden Piloten an den Rand einer Ohnmacht gebracht - und der Zwischenfall soll nicht der Einzige gewesen sein. Die Fluggesellschaft sprach zwar von einem "gravierenden Zwischenfall" - allerdings erst, nachdem Medien darüber berichtet hatten.

Wegen der Umstrukturierung der Lufthansa befürchten die Mitarbeiter jetzt, dass sich ihre Arbeitsbedingungen und die Gehälter dem niedrigeren Niveau bei Billigfluglinien annähern. Nach Aussagen der Gewerkschaft Ufo hat der Konzern in den Tarifverhandlungen für die Flugbegleiter bereits mit einem bislang nicht bekannten Stellenabbau gedroht. "Angeblich gibt es bei der Lufthansa Passage wegen nicht erreichter Wachstumsziele bereits jetzt zu viele Leute", sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies.

"Ganz neues Erpressungspotential"

Gemeinsam mit dem Vorgehen beim Ausbau der Billigfluglinie Germanwings ergebe sich damit "ein ganz neues Erpressungspotential", das die laufende Schlichtung für die rund 18.000 Lufthansa-Flugbegleiter in Frage stelle, sagte Baublies. Die Unternehmensführung um Chef Christoph Franz suche offenbar die Konfrontation mit der Belegschaft in der Kabine wie auch am Boden.

Ufo hatte vor wenigen Wochen den ersten Flugbegleiterstreik in der Lufthansa-Geschichte gestartet, bei dem mehr als 1000 Flüge ausfielen. Nun habe sich die Geschäftsgrundlage massiv geändert, sagte Baublies. Ob die Schlichtung unter Leitung des Wirtschaftsexperten Bert Rürup wie geplant an diesem Wochenende weitergehen könne, sei offen.

Es müsse Ufo nun vorrangig darum gehen, Entlassungen zu verhindern und Nachteile für die Kollegen zu vermeiden, die in die Billigtochter abgeschoben werden sollten. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass rund 1200 Flugbegleiter der Lufthansa für das neue Direktflugangebot in die mit schlechteren Tarifbedingungen ausgestattete Germanwings wechseln müssten.

Auch die Piloten sehen bei der geplanten Verlagerung von 30 Lufthansa-Maschinen samt Besatzungen auf die Billigtochter noch Verhandlungsbedarf. "Wir sind gespannt auf die Vorschläge der Geschäftsführung", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Jörg Handwerg. Den Lufthansa-Plänen zufolge sollen rund 300 Piloten wechseln. Grundsätzlich könne aber niemand gegen seinen Willen dazu gezwungen werden, zumal bei Germanwings ein niedrigeres Tarifgefüge gelte, sagte Handwerg.

nck/dpa