Arbeitskampf der Flugbegleiter Lufthansa und Gewerkschaft vereinbaren Schlichtung

Kunden der Lufthansa müssen vorerst nicht mit weiteren Streiks rechnen: Die Airline und die Gewerkschaft Ufo haben sich auf ein Schlichtungsverfahren geeinigt. Zuvor hatte der Konzern den Flugbegleitern in dem Tarifkampf ein erstes kleines Zugeständnis gemacht.


Frankfurt am Main - Im Tarifkampf bei der Lufthansa entspannt sich die Lage etwas: Die Gewerkschaft Ufo und der Konzern haben eine Vorvereinbarung für ein Schlichtungsverfahren unterzeichnet. Die Streiks werden ausgesetzt, sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies am Freitag in Frankfurt.

Zuvor hatte die Flugbegleitergewerkschaft Ufo bereits einen ersten kleinen Erfolg gefeiert: Die Lufthansa will allen Leiharbeitern am Standort Berlin eine Festanstellung anbieten. Die rund 200 Kräfte der Zeitarbeitsfirma Aviation Power sollen im kommende Jahr ein Übernahmeangebot erhalten.

Kunden der Lufthansa müssen damit vorerst nicht mit neuen Streiks rechnen. Ab Mitternacht gilt die Friedenspflicht. Am Freitag waren rund 1000 von 1800 Flügen gestrichen worden. Rund 100.000 Passagiere waren betroffen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung.

Die Folgen des bundesweiten Streiks halten sich allerdings in Grenzen. Der Betrieb soll am Samstag wieder annähernd normal laufen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Bis kommenden Donnerstag werden nur noch vereinzelt Flüge ausfallen.

Ufo fordert eine Lohnsteigerung von fünf Prozent, bessere Einstiegsgehälter und eine deutliche Gewinnbeteiligung. Die Fluggesellschaft bietet Entgelterhöhungen von 3,5 Prozent an, den Verzicht auf Leiharbeit, auf betriebsbedingte Kündigungen und auf befristete Verträge.

Mehrere Kandidaten als Schlichter im Gespräch

Nach Lufthansa-Angaben sollen Eckpunkte des Schlichtungsverfahrens bis zum 12. September definiert werden. Über die Person des Schlichters soll möglichst bis Ende kommender Woche Einvernehmen erzielt werden.

Für den Posten kursierten am Freitag bereits erste Namen: Im Gespräch sind der frühere SPD-Chef Franz Müntefering, der Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) und der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier.

Im Schlichtungsverfahren wird es laut Lufthansa nur um Gehälter und Gewinnbeteiligungen gehen. Offiziell streikt auch Ufo nur zu diesen Themen. Allerdings werden andere Themen parallel weiterverhandelt.

So geht es der Gewerkschaft auch um den generellen Einsatz von Leiharbeitern und das Tarifsystem bei der für das kommende Jahr erwarteten internen Billigtochter mit dem Arbeitstitel "Direct4U".

Etwa 1200 Mitarbeiter der Lufthansa könnten zu dem neuen Unternehmen abgeordnet werden, sie sollen aber ihre alten Verträge behalten, verspricht das Unternehmen. Mittelfristig soll bei der Tochter aber der viel niedrigere Tarif der Lufthansa-Tochter Germanwings gelten. Auch diese Punkte dürften bei den künftigen Verhandlungen im Hintergrund eine Rolle spielen.

Ufo vertritt gegenüber den Fluglinien rund 36.000 Beschäftigte. Allein bei der Lufthansa arbeiten 19.000 Stewardessen und Stewards. Schätzungen zufolge sind zwei Drittel von ihnen bei der Gewerkschaft Ufo registriert.



insgesamt 17 Beiträge
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b.oreilly 07.09.2012
1. Phyrrussieg!?
naja, ob dass nun gut ist, wird die Zukunft beweisen. Air-Berlin hat ja schon vor einem Jahr mit dem Sehrumpfkurs begonnen. Nun könnte die LH folgen. Wirklich brauchen tut man die beiden Linien nicht. Im Inland gehts mit dem Zug oder Auto auch gut und schnell. Interkontinental gesehen, ist die Auswahl groß genug, meistens preiswerter und Qualitativ besser. Mein Wunsch für die Zukunft an das Kabinenpersonal der LH: Schön wäre es aber wenn die LH-Flugbegleiter in Zukunft weniger Arroganz an den Tag legen würden.
mallorcafan 07.09.2012
2. Ich
Zitat von sysopDPAKunden der Lufthansa müssen vorerst nicht mit weiteren Streiks rechnen: Die Airline und die Gewerkschaft Ufo haben eine Vereinbarung für ein Schlichtungsverfahren unterzeichnet. Zuvor hatte der Konzern den Flugbegleitern in dem Tarifkampf ein erstes kleines Zugeständnis gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854622,00.html
finde es auf jeden Fall positiv, dass hier endlich einmal von einer Gewerkschaft der Leiharbeitsmissbrauch an den Pranger gestellt wird. Hoffentlich wird die Abschaffung durchgedrückt.
h0rstcase 07.09.2012
3. Reloaded4U
Allen Unkenrufen zum Trotz: Unser Unternehmen ist gut aufgestellt. http://investor-relations.lufthansa.com/de/fakten-zum-unternehmen/konzernstrategie.html Neben unserem Ursprung Airline Passage dienen wir unseren Kunden professionell über die gesamte Wertschöpfungskette im Luftverkehr mit qualitativ hochwertigen Dienstleistungen: http://konzern.lufthansa.com/geschaeftsfelder.html Um die Ernsthaftigkeit unserer Absichten zu unterstreichen, ist die Geschäftsführung der Lufthansa Technical Training vom Konzernvorstand der Deutschen Lufthansa AG angewiesen worden, den Gesellschaftervertrag betreffend die Aviation Power GmbH mit sofortiger Wirkung zu kündigen und die ordentliche Abwicklung dieser Beteiligung zeitnah abzuschließen. Im zweiten Schritt werden wir unsere Lieferanten dahingehend prüfen, inwieweit sie unserem sozialen und ethischen Anspruch gerecht werden. Wir werden es zukünftig nicht akzeptieren, dass das angebotenen Preis-Leistungsverhältnis ausschliesslich über Lohndumping zustande kommt. Allerdings – und das können wir guten Gewissens sagen – sind auch wir bei der Lufthansa auf eine gewisse Flexibilität unserer Mitarbeiter und Partner angewiesen. Um es klar zu sagen: es ist uns – allen sorgfältigen Planungen zum trotz - schlichtweg nicht möglich hellseherisch tätig zu werden. So wird es immer Situationen und Phasen geben, in denen wir mal mehr, mal weniger Personal benötigen. Arbeit ist immer definiert als Kraft mal Weg – Leistung als Arbeit pro Zeiteinheit. Demnach sind wir alle Zeitarbeiter, denn wir leisten - einen Dienst an unseren Kunden! Wir sind bereit diesen Weg kraftvoll, vertrauenswürdig, zuverlässig und auch sozial zu gehen. Daher schliessen wir Leiharbeitsfirmen, welche nicht unsere Wertvorstellungen von guter, lohnender und gerechter Arbeit mittragen können oder wollen, mit sofortiger Wirkung konzernweit aus unserem Lieferantenstamm aus. Allerdings – und auch da machen wir uns alle bitte nichts vor – ist es dann an der Zeit, dass der Gesetzgeber das Teilzeit- und Befristungsgesetz flexibilisiert. Es kann z.B. nicht sein, dass ein befristet beschäftigter Mitarbeiter bei nächstem Bedarf unbefristet einzustellen ist, wenn der Bedarf dauerhaft nicht ableitbar ist, sondern aufgrund nicht vorhersehbarer Ereignisse und auch von einzelnen Interessensgruppen ausgelösten Krisen schwankend Ebenso gebe ich zu bedenken, die Regelungen betreffend Lohnfortzahlung schnellstmöglich grundlegend zu überarbeiten und wettbewerbsfähig anzupassen. Fragen Sie doch mal einen selbständigen Unternehmer, wer ihm und vor allem wofür seine Rechnungen bezahlt. Für erbrachte Leistungen – natürlich. Das Risiko im Falle einer "leichten Erkrankung" nicht vergütet zu werden, müsste eigentlich jedem einleuchten. Zur Risikominderung sollte es jedem freistehen, entsprechende Versicherungen abzuschliessen, sofern angeboten. Ich möchte jedoch alle, wirklich alle, daran erinnern, dass es – vielleicht im Gegensatz zu früher – die Kernaufgabe unseres Unternehmens, der Deutschen Lufthansa AG ist, nicht nur gewinnorientiert zu arbeiten und zu leisten, sondern Gewinne auch zu realisieren. Hierzu müssen wir alle unseren Beitrag leisten, denn so, so wie sich "früher" im Senioritätsprinzip Gehälter überproportional entwickelt haben, so läuft es halt heutzutage nicht mehr. So funktioniert es nicht. Insofern zähle ich auf Ihr Verständnis ebenso wie Ihre Mitwirkung, einen der attraktivsten und begehrtesten Arbeitgeber Deutschlands nicht nur zu erhalten, sondern mitzutragen, diesen aktiv mit Ihrer Kraft auf dem Weg zu unterstützen. Unsere Kunden bitte ich ebenso, uns die Treue zu halten und unsere Werte zu unterstützen; auch was den Preisfaktor angeht. Jeder kann es sehen, dass die Margen im Luftverkehr schrumpfen. Teilweise ist dies in anderen Ländern durch staatliche Eingriffe / Subventionen gestützt; teilweise jedoch auch durch nicht vergleichbare Rahmenbedingungen in der sozialen Sicherheit und Steuer-/Abgaben Gesetze und Verordnungen Billig kann jeder! Wir sind nicht "jede/r", wir sind nicht "billig" und wollen es auch nicht sein! Niemand ist gezwungen, mit uns zu fliegen oder unsere weiteren Dienste in Anspruch zu nehmen. Wer es dennoch tut, ist bei uns gut aufgehoben. DAS ist unser Anspruch! Wir laden Sie ein, unseren Weg mitzugehen: als geschätzte Kunden, als unserem Unternehmensgedanken verbundene Aktionäre, als loyale, tatkräftige Mitarbeiter und zuverlässiger Lieferant, unseren Weg mitzugehen, zu begleiten und zu unterstützen.
pgu75 07.09.2012
4.
Also ich hab keine Ahnung wie sie sich in Europa fortbewegen aber ich bin auf lh angewiesen und kann Air Berlin als ernsthaften Konkurrenten nicht ernst nehmen. Man hätte allen beteiligten allerdings viel Ärger ersparen können wenn man sich früher geeinigt hätte. Muss es tatsachlich immer bis zum äußersten kommen das man als Arbeitnehmer ernst genommen wird. Kleiner reminder an alle Führungskräfte ... Ein Unternehmen besteht aus seinen Angestellten und nicht aus Aktionären.
pwbaumann 07.09.2012
5.
Zitat von sysopDPAKunden der Lufthansa müssen vorerst nicht mit weiteren Streiks rechnen: Die Airline und die Gewerkschaft Ufo haben eine Vereinbarung für ein Schlichtungsverfahren unterzeichnet. Zuvor hatte der Konzern den Flugbegleitern in dem Tarifkampf ein erstes kleines Zugeständnis gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854622,00.html
welch eine blamage für das lufthansa-management. erst mit grossen wort gegen die kleine gewerkschaft wettern, eine schlichtung ausschließen - und dann im tv-interview zugeben müssen man sei überrascht vom starken willen der mitarbeiter und den daraus folgenden auswirkungen des streiks. nun die totale wende inklusive schlichtung. mit eingeständnissen noch vor dieser schlichtung. unfähiger kann ein management wohl nicht sein.
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