Flugbegleiter-Tarife Lufthansa verhandelt nun auch mit Ver.di

Im Streit über die Tarife ihrer Flugbegleiter hat die Lufthansa mit einer zweiten Gewerkschaft offizielle Gespräche aufgenommen. Ver.di will für die Saisonkräfte höhere Löhne erreichen.

Ver.di vertritt bereits Flughafenpersonal wie die Bodenabfertigung
Marcel Kusch / DPA

Ver.di vertritt bereits Flughafenpersonal wie die Bodenabfertigung


Die Lufthansa hat offizielle Verhandlungen mit der Gewerkschaft Ver.di aufgenommen, um über die Tarifbedingungen der rund 3500 saisonalen Flugbegleiter zu sprechen. Diese sind ausschließlich an den Drehkreuzen München und Frankfurt stationiert und verdienen nach Ver.di-Darstellung deutlich weniger als die Stammbelegschaften in der Kabine.

Es lägen Fälle vor, in denen saisonale Flugbegleiter nicht über den monatlichen Mindestsatz von 1500 Euro brutto kämen, was Nettovergütungen von unter 950 Euro entspreche, sagte Ver.di-Verhandlungsführerein Mira Neumaier. "Mit diesem Niedriggehalt ist es in Ballungsräumen wie München und Frankfurt nahezu unmöglich, eine Wohnung zu finanzieren und die Existenz zu bestreiten."

Hintergrund der Verhandlungsaufnahme ist ein Streit der Lufthansa Chart zeigen mit der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) sowie die Frage, ob UFO überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Lufthansa hat mitgeteilt, künftig auch mit Ver.di und der in Gründung befindlichen Cabin Union sprechen zu wollen. Letztendlich strebe man aber einen einheitlichen Tarifvertrag für die Kabine an.

Bislang hat UFO die Tarifbedingungen für die rund 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kernmarke ausgehandelt und nach eigenen Angaben die meisten Beschäftigten bei sich organisiert. Lufthansa wollte bis zu einem zweitägigen Streik in der vergangenen Woche die neue UFO-Führung nicht anerkennen und hatte parallel Gespräche mit Ver.di geführt.

Noch unklar, ob neue Streiks drohen

Ver.di vertritt bislang vor allem die Bodendienste sowie die zum Verkauf stehende Catering-Sparte. Mit Christine Behle stellt die Gewerkschaft außerdem die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei der Lufthansa.

UFO hatte in der vergangenen Woche einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa organisiert, woraufhin rund 1500 Flüge abgesagt wurden. Lufthansa war zuvor mit einer Einstweiligen Verfügung gegen den Streik in zwei Instanzen gescheitert. Daraufhin stimmte der Konzern zu, eine Schlichtung des Tarifkonflikts auszuloten, die de facto einer Anerkennung der UFO als vertretungsberechtigte Gewerkschaft gleichkäme.

UFO fordert in dem Tarifkonflikt für die Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Derzeit sondieren die Lufthansa und UFO eine mögliche Schlichtung. Ergebnisse sollen an diesem Dienstag mitgeteilt werden. Kommt es nicht zu einer Einigung, drohen neue Streiks.

kko/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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therealhopsing 11.11.2019
1. Muhaha
Na, Glückwunsch. Ver.di erklärt seit Jahren, das die Tariferhöhungen im ö.D. ein super toller Megaerfolg sind. Dabei ist's aufs Jahr tatsächlich unter der Inflationsrate. Gewerkschaft war Mal anders, besser. allein schon die Friedenswahlen bei der Sozialversicherung sollte jedem zu denken geben, wo sich alle so toll einig sind, das alles gut läuft...
romanpg 12.11.2019
2. @1
Was glauben Sie warum die Lufthansa lieber mit Ver.di verhandeln will und versucht die UFO loszuwerden ;)
echobravo 12.11.2019
3. Lufthansa
Die Lufthansa befindet sich im harten Wettbewerb mit anderen Fluglinien. Wenn die Beschäftigten jetzt die Firma zu sehr ärgern, wird der Tarifvertrag gekündigt, und jeder darf sein Gehalt selber verhandeln. Kein Weihnachtsgeld mehr, kein Urlaubsgeld, kein 13. Gehalt. Es wird eine leistungsgerechte Bezahlung geben. Wer mehr Kaffee, Saft und Parfüm an Bord verkauft, verdient mehr. Dadurch Gewinnen alle. Firma, Aufsichtsrat, Aktionäre, Stakeholder. Jemand wichtigen vergessen? Nein.
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